Wirtschaft

Tourismus in der Region

Schon nächste Woche wieder öffnen?

Mit einem Test-Konzept für die Öffnung: (von links) Kai Koch, Geschäftsführer Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH, Andreas Eden, Geschäftsführer Kurverein Neuharlingersiel e.V., Johann Pieper, Geschäftsführer Heimat- und Verkehrsverein Werdum e.V., Johnann Taddigs, Kurdirektor Tourismus-Service Nordseebad Dangast, sowie Claudia Eilts, Geschäftsführerin Esens-Bensersiel Tourismus GmbH. Foto: Meine Nordseeküste

Von Martin Teschke und den Agenturen

Die Touristiker aus Ostfriesland verlangen eine Aufhebung des Beherbergungsverbots und drängen auf rasche Öffnungsszenarien. Sie haben dafür gute Gründe.

Ostfriesland - Der Tourismus-Verbund „Meine Nordseeküste“ will, dass die Betreiber von Hotels und Ferienwohnungen schon von kommender Woche an wieder Gäste empfangen dürfen. Die Geschäftsführer der Nordseebäder Carolinensiel und Varel-Dangast, der Nordseeheilbäder Neuharlingersiel und Esens-Bensersiel sowie des Luftkurortes Werdum haben dazu am Montag ein Hygienekonzept vorgelegt.

Unverständnis bei den Gastgebern

„Bereits in der Saison 2020 ist deutlich geworden, dass die Öffnung des Tourismus an der Nordseeküste ab Mai zu keinem Zeitpunkt zu einem besonderen Anstieg der Infektionen geführt hatte“, sagte Andreas Eden, Geschäftsführer des Kurvereins Neuharlingersiel. „Wir verstehen nicht, warum wir nicht endlich das tun dürfen, was wir am besten können – Gastgeber sein und Menschen einen sicheren und entspannten Aufenthalt an der gesunden Nordseeluft anzubieten.“

Durch den starken Anstieg der Impfungen und der Testmöglichkeiten seien die Voraussetzungen für einen kontaktarmen Urlaub deutlich verbessert worden“, so Eden zur Begründung. Nicht zu verkennen sei dabei, dass der weit überwiegende Anteil der Gäste zu den beteiligten Orten individuell und damit kontaktarm anreise. „Unter diesen Bedingungen sollte ein Urlaub an der Nordseeküste ab der 19. Kalenderwoche 2021 möglich sein“, teilte Eden mit.

Zum Hygienekonzept von „Meine Nordseeküste“ zählen bei der Anreise der Gäste ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, ein Impfausweis mit einer seit mindestens 15 Tagen vollständig abgeschlossene Schutzimpfung sowie zusätzliche Teststationen in den einzelnen Orten.

Inseln warten immer noch auf Regierung

Unterdessen warten die Ostfriesischen Inseln mehr als zwei Wochen nach der Einsendung eines Konzepts zur Öffnung von Tourismus und Gastgewerbe immer noch auf Signale von der Landesregierung. „Wir haben noch keine offizielle Rückmeldung vom Land bekommen, was wir sehr bedauerlich finden“, sagte der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Ostfriesischen Inseln GmbH, Wilhelm Loth. Es gehe nicht darum, um jeden Preis zu öffnen. „Aber wir wünschen uns, dass man sich mit den flankierenden Sicherheitsmaßnahmen, die wir vorschlagen, auseinandersetzt.“

Öffnungskonzept vorgelegt

Die Inseln hatten der Landesregierung ein Öffnungskonzept vorgeschlagen. Darin ist eine dauerhafte Öffnung der touristischen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Freizeiteinrichtungen vorgesehen, verbunden mit einem strikten Testkonzept und wissenschaftlicher Begleitung. Im ersten Schritt soll es nur um den Übernachtungstourismus gehen, nicht um Tagesausflügler.

Die Inseln böten gute Voraussetzungen für vorsichtige Öffnungen, da der Zugang und die Testmöglichkeiten über die Fährorte „ein Flaschenhals“ seien, sagte Loth. Es sei gelungen, ein „sehr gutes Papier“ samt einer medizinischen Expertise dem Land zu übergeben, hieß es. Nachdem die Bundes-Notbremse Regelungen für Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 treffe, sollten nun auch Antworten gefunden werden, was in Regionen mit Werten unter 100 passiere.

Wehmütiger Blick zur Konkurrenz

Mit ein wenig Wehmut blicken die Inseln auf die touristischen Modellprojekte in Schleswig-Holstein. „Die unterscheiden sich von dem, was wir vorhaben, nicht wesentlich“, sagte der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft der Ostfriesischen Inseln, Göran Sell. Eine Wettbewerbsverzerrung sei zu befürchten. Loth hob zugleich aber auch den Wert der Vorhaben im Nachbarbundesland hervor. Jedes Modellprojekt helfe, um so Fallbeispiele zu sammeln.

In Nordfriesland fährt der Tourismus an diesem Wochenende langsam und unter strengen Auflagen wieder hoch. In der zweiten touristischen Modellregion Schleswig-Holsteins sind Übernachtungsgäste etwa auf den Inseln und Halligen wieder willkommen. In der Schleiregion und in Eckernförde dürfen Urlauber bereits seit dem 19. April unter strikten Vorgaben und mit Einschränkungen Ferien machen.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), hat sich derweil skeptisch zu Reisen über die Pfingsttage Ende Mai geäußert. „Das wird in vielen Urlaubsregionen leider wieder ins Wasser fallen“, sagte Bareiß der „Bild“-Zeitung. Er sei aber zuversichtlich, dass ab Juni Urlaubsreisen in Deutschland in immer mehr Regionen möglich werden.

„Bundeslockdown nicht verlängern“

Bareiß warnte vor einer Verlängerung des Lockdowns: „Wichtig ist, dass der Bundeslockdown nicht über den 30.6. hinaus verlängert wird.“ Der CDU-Politiker betonte, Hotels und Restaurants hätten gute Sicherheitskonzepte aufgestellt. Außerdem würden „bis Ende Juni so viele Impfdosen ausgeliefert sein, dass es theoretisch jedem Bundesbürger für die Erstimpfung reicht“.

Gerdo Brauer 04.05.2021
09:52 Uhr
Schade, jetzt wird die Gesundheit der Einheimischen der Geldgier der Touristiker geopfert.
Sieht man sich die Parkplätze in Norden/Norddeich an - überwiegend NRW-Fahrzeuge - dann muß man sich nicht über die hohe Zahl der Coronainfizierten in Norden mit 32 wundern. Und wie kann es angehen, dass es auf Norderney 9 Infizierte gibt?
Johannes de Jonge 04.05.2021
13:13 Uhr
Und jetzt aber los ! Das bisher erreichte muß doch wieder
verspielt werden. Man stelle sich vor, es gibt die Möglichkeit
einer vierten Welle und wir haben sie nicht durch dusselige
Handlungsweisen provoziert und möglich gemacht. Es macht fassungslos. Wir lernen nichts mehr.
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