Naturschutz

Geplante Blutbuchenfällung sorgt für Bitterkeit und Frust

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 26.05.2021 19:09 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Die Nachricht von der todkranken Buche am Carolinengang löst die unterschiedlichsten Emotionen aus. So ärgert sich Gastronom Arno Fecht sehr über Geld und Kraft, die in die Rettung gesteckt wurden.

Aurich - Am Dienstagvormittag hätte Arno Fecht auf die Palme gehen können. Der Gastronom macht beim Telefonat mit dieser Zeitung aus seinem Herzen keine Mördergrube. Wut, nackte Wut habe er empfunden, als er aus der Zeitung erfahren habe, dass die Blutbuche vor seinem Haus am Carolinengang jetzt doch gefällt werden soll. Der vom Brandkrustenpilz befallene und deshalb nicht mehr standsichere Baum war am Dienstag von einem Gutachter untersucht worden. Diesen hatte der Eigentümer des Grundstücks, die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba), beauftragt.

Die Blutbuche hat Arno Fecht das Leben offenbar mehrere Jahre lang schwer gemacht. Nicht nur, dass er deswegen 2018 die Pläne für die Modernisierung seiner Kneipe „Arnos Hirsch“ aufgeben musste. Dazu komme noch, dass das Bauprojekt durch die Schutzbestimmungen für die sensible Buche geschätzte 80.000 bis 100.000 Euro teurer geworden sei, sagt er. Der Gastwirt legt Wert auf die Feststellung, dass diese Zahl nur eine „Milchmädchenrechnung“ sei. Genau beziffern lasse sich das nicht. Bei einer groben Hochrechnung komme er aber auf diesen Betrag.

Bauarbeit wurde erschwert

So habe man etwa im hinteren Bereich nicht dauerhaft einen Kran aufstellen dürfen. Arbeitsprozesse seien erschwert worden. „Der Zement musste in einer Mischmaschine angerührt und dann über das Gerüst an jenen Ort transportiert werden, wo man das Material benötigte“, nennt Arno Fecht ein Beispiel. Das Bauunternehmen sei alles andere als begeistert gewesen, man habe sich aber an die Auflagen gehalten. Ganz zum Schluss seien noch Leitungen in sogenannter Handschachtung verlegt worden, nur um die feinen Wurzeln nicht zu beschädigen.

Arno Fecht möchte nicht als Baumfeind eingestuft werden, auf keinen Fall, wie er sagt. Auf seinem Privat-Grundstück erfreue er sich regelmäßig an den Buchen, die dort stehen. Ihn ärgere jedoch der unverhältnismäßige Aufwand, der von der Biba und den Grünen auf dem Areal betrieben worden sei, um einen Baum zu retten, der offenbar massiv geschädigt war. „Für das Geld, das dafür ausgegeben worden ist, hätte man im Egelser Wald oder sonstwo sehr viele neue Bäume pflanzen können“, schätzt er. Darüber habe man nicht nachgedacht. Es sei wohl auch nicht in Betracht gekommen.

Persönlich verletzt

Was ihn noch ärgert: In den vergangenen Wochen habe er mit einem Mitarbeiter viel Zeit verbracht, um gemeinsam mit der Biba Pläne für die Ausgestaltung des Areals rund um die Buche zu entwickeln. Diese sollte durch eine Hecke von seinem Grundstück abgetrennt werden. Außerdem ist ein Weg geplant, der an dem Baum vorbei zur Hafenstraße führt. Persönlich verletzt habe ihn, dass niemand ihm persönlich am Dienstag das Ergebnis des Gutachters mitgeteilt habe. Davon habe er durch einen Zeitungsbericht erfahren.

Kalle Altmann von der Biba begründet diese Haltung damit, dass man am Dienstag durch die Nachricht vom kranken Baum wie vom Donner gerührt gewesen sei. „Für uns ist das wirklich bitter“, sagte der Auricher. Man habe vieles in die Wege geleitet, um die Buche zu erhalten. So habe man unter anderem eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet, um den Grundstückskauf abwickeln zu können. Das Areal hatte laut Beschlussvorlage für 10.440 Euro den Besitzer gewechselt. Einstweilen ist die Biba auch nur das. Die Baumschützer sind noch nicht im Grundbuch eingetragen. Das Grundstück hätte noch vermessen werden müssen. Das ist noch nicht passiert.

Gute Gespräche mit allen Beteiligten

Ein Teil der Fläche soll für die Außen-Gastronomie einer neuen Kneipe genutzt werden, die Arno Fecht verpachten möchte. Dafür waren etliche Gespräche auch mit den Mitgliedern der Biba und mit dem Architekten erforderlich. „Das hat alles sehr gut geklappt“, streicht Kalle Altmann heraus. Das sei sehr konstruktiv gewesen und könne als vorbildliches Beispiel dafür gelten, wie bürgerschaftliches Engagement gelingen kann.

Das Areal am Carolinengang muss laut Bebauungsplan auf jeden Fall als öffentliche Grünfläche erhalten bleiben. Die Frage ist nur, wie. Kalle Altmann stellt sich idealerweise vor, dass dort ein neuer Baum gepflanzt werden sollte. Mindestgröße, so das Biba-Mitglied, mindestens acht Meter. Baumgutachter Andreas Block-Daniel hatte am Dienstag angeregt, die Sorten Eiche oder Linde auszuwählen. Weil der Boden aller Voraussicht nach durch den Brandkrustenpilz kontaminiert sei, müsse man ihn ausheben und durch neuen ersetzen.

Am Donnerstag treffen sich die Mitglieder der Biba mit Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) und Baurätin Irina Krantz. Dann wird das weitere Vorgehen besprochen. Die Stadt hat sich vertraglich ein Vorkaufsrecht für das Grundstück am Carolinengang sichern lassen. „Wir gehen davon aus, dass alles zügig rückabgewickelt werden kann“, sagte Horst Feddermann am Mittwoch. Wie lange die Stadt benötige, um ein Unternehmen zu finden, dass die Buche fällt, konnte er nicht sagen. Die Tiefbauabteilung habe aber schon ihre Fühler ausgestreckt. Feddermanns Ziel steht fest: „Der Baum muss so schnell wie möglich weichen.“

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