Streitthema

Grundschule Jennelt: Was ist der Gemeinde Bildung wert?

Lena Mimkes und Claus Arne Hock
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Von Lena Mimkes und Claus Arne Hock
| 28.05.2021 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Neubau oder Sanierung, Mehrkosten in Millionenhöhe oder Abstriche im Pädagogikkonzept: Die Zukunft der Grundschule Jennelt wurde im Ausschuss heiß diskutiert. Dennoch wurde eine Empfehlung gemacht.

Was und warum

Darum geht es: Mehrkosten in Millionenhöhe oder Abstriche im Pädagogikkonzept - Im Bildungsausschuss der Gemeinde Krummhörn wurde darüber diskutiert, ob die Grundschule Jennelt saniert oder neu gebaut werden soll.

Vor allem interessant für: Schüler, Eltern und Lehrer der Grundschule Jennelt, Einwohner der Gemeinde Krummhörn, Personen, die an kommunalpolitischen Entscheidungsfindungen interessiert sind.

Deshalb berichten wir: Das Thema wurde in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses besprochen.

Den Autor erreichen Sie unter: l.mimkes@zgo.de

Krummhörn - Sanierung oder Neubau: Darüber, wie es mit der Grundschule Jennelt weitergehen soll, diskutiert die Krummhörner Politik schon seit Jahren.

Am Donnerstagabend stand das Thema wieder auf der Tagesordnung des Bildungsausschusses. Die Kommunalpolitiker debattierten in der Mensa der IGS Krummhörn-Hinte hitzig darüber, was die Bildungseinrichtung der Gemeinde kosten darf.

Die Fakten

Für das marode Gebäude stehen die Varianten Sanierung oder Neubau zur Auswahl. Ein Neubau würde laut Schätzung rund 8,3 Millionen Euro kosten, eine Kernsanierung rund 4,8 Millionen Euro. Bei einer Sanierung würde die Schule zurück in den Rohbau versetzt und anschließend wiederaufgebaut, erklärte Architekt Ralph Gerdes vom Büro Gerdes und Kistner. „Das Dach käme runter, die Fassade auch, und die Fenster würden ausgebaut“, so Gerdes. In das bestehende Gebäude würden vier Plattformlifte und drei außenliegende Treppentürme für den Brandschutz gebaut, fehlende Räume sollen in einem Anbau ergänzt werden. Die Schulkinder müssten während der auf 1,5 Jahre geschätzten Bauzeit in Containern unterrichtet werden. Anders wäre das bei einem Neubau: Dort ist die Idee, die Kinder im alten Gebäude zu unterrichten, bis der Neubau fertiggestellt ist. „Dem würde der alte Sportplatz zum Opfer fallen“, so Gerdes. Dieser müsste neugebaut werden. Über Fördermöglichkeiten für die jeweiligen Vorhaben traf die Gemeinde keine Aussage. „Da muss man erst einmal gucken, was man überhaupt machen will“, so Bürgermeister Frank Baumann (SPD).

Fakt ist aber auch: Die Kostenschätzungen sind hinlänglich bekannt. Die Zahlen stammen allesamt aus dem Jahr 2019. Wie viele Kosten durch die Preisentwicklung der vergangenen Jahre und Faktoren wie der aktuellen Materialknappheit dazukommen würden, lässt sich schwer sagen: „Das wäre ein Rühren im Kaffeesatz“, sagte Gerdes. Der lange angekündigten Wirtschaftlichkeitsprüfung, die die Gemeinde erstellen sollte, lässt sich nur entnehmen: Auf 20 Jahre gerechnet wird die Variante Neubau aufgrund von Zinsen, Unterhaltungskosten und so weiter insgesamt rund 12,5 Millionen Euro kosten, die Sanierung rund 9,2 Millionen.

Die Argumente

Im Bildungsausschuss wurde heftig diskutiert. Foto: Mimkes
Im Bildungsausschuss wurde heftig diskutiert. Foto: Mimkes
In der Debatte kristallisierten sich schnell zwei Lager heraus, die aber im Großen und Ganzen auch seit Beginn der Diskussion rund um die Grundschule bestehen. Während die Vertreter von SPD und KLG sich für einen Neubau aussprachen, machten sich die Vertreter von CDU, fbl, SWK und HaRo für eine Sanierung stark. Tinus Baumann (KLG) sorgte sich beispielsweise um das Wohlergehen der Kinder während einer möglichen Sanierung. „Ist in den Containern genug Platz? Und wo sollen sich die Kinder draußen austoben?“, stellte er in den Raum. Auch die SPD bezeichnete es als eine Zumutung, die Kinder nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Containern zu unterrichten. Heiko Ringena (fbl) bezeichnete eine Sanierung dagegen als alternativlos. „Ein Neubau hätte nur einen ideellen Mehrwert“, so Ringena. „Dafür, mit Zinsen, vier Millionen Euro mehr auszugeben, die man nicht hat, ist nicht diskutierbar.“

Johann Wienbeuker (SWK) sprach sich für eine schnelle Lösung in Form einer Sanierung aus. Beispiele wie die BBS Aurich oder die Waldschule Egels zeigten, dass auch eine Sanierung zufriedenstellend laufen könne. Die Schulperspektive brachte Thomas Ukena, Leiter der Grundschule Pewsum, als beratendes und stimmberechtigtes Mitglied ins Spiel. „Die alten Strukturen sind bei einer Sanierung immer noch da“, so Ukena. „Pädagogische Gedanken werden, zum Beispiel durch vorgegebene Gänge, beschränkt.“ Ein Neubau gebe die Chance, ganz von vorne anzufangen zu planen – ein Punkt, der ebenfalls seit Beginn der Debatte von Schulseite immer wieder betont wird.

Die Entscheidung

Nach der Debatte und der Einwohnerfragestunde wurde abgestimmt: Der Antrag der SPD auf einen Neubau fand dabei mehr Zustimmung als der fbl-Antrag auf eine Kernsanierung. Die Empfehlung geht nun in den Rat, in dessen nächster Sitzung am 16. Juni soll die Entscheidung fallen.

Die Reaktion

Jutta Lerche-Schaudinn, Leiterin der Grundschule Jennelt, ist froh über die Empfehlung des Neubaus: „Die Eltern und die Lehrerschaft haben sich ja schon lange dafür positioniert.“ Bei einer Sanierung wüsste man nie, welche Überraschungen noch zutage treten.

„Außerdem können wir unser pädagogisches Konzept mit dem aktuellen Raumkonzept nicht verwirklichen und inklusiv arbeiten“, so Lerche-Schaudinn. Dass in der Ratssitzung unter anderem von Roelf Odens (CDU) auf andere Infrastruktur-Projekte hingewiesen wurde, die Geld benötigen, ärgert sie: „Jetzt ist mal die Schule dran. Wir haben lange genug gewartet.“

Die Gemeinde müsse jetzt Geld in die Hand nehmen, um in den nächsten Jahrzehnten Ruhe zu haben. Nun hofft die Schulleiterin, dass auch die Entscheidung im Rat entsprechend ausfällt: „Ich kann mir vorstellen, dass es denkbar knapp wird.“

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