Natur
Fachmann: Fällung der Auricher Blutbuche war überfällig
Die Auricher Blutbuche ist gefällt worden. Das hätte viel früher passieren müssen, sagte der Geschäftsführer der ausführenden Fachfirma. Es sei reiner Zufall, dass der Baum noch nicht umgestürzt sei.
Aurich - Die Blutbuche am Carolinengang in Aurich ist Geschichte. Die Firma Braukmann aus Rastede (Landkreis Ammerland) hat am Sonnabend den rund 140 Jahre alten und 20 Meter hohen Baum, der vom Brandkrustenpilz befallen war, beseitigt. Gefällt kann man nicht sagen, die Blutbuche wurde mit der Säge Stück für Stück abgetragen.
„Dieser Baum ist hochgradig gefährlich“, sagt Geschäftsführer Kevin Braukmann, der mit vier Kollegen gegen 7 Uhr am Morgen angerückt ist. Der Brandkrustenpilz habe den Baum von den Wurzeln ausgehend zerfressen und sei den Stamm hochgekrochen. Das Holz sei zwar noch da, aber nicht mehr zugfest. Schon durch eine Windbö könne der Baum „wegknacken wie Zwieback“, so Braukmann. „Das dauert zwei Sekunden. Das ist das Fiese an diesem Pilz.“
„Das ist ja nicht von heute auf morgen passiert“
Nur weil es am Sonnabend fast windstill ist, haben die Mitarbeiter vor der Fällaktion die beiden Stahlseile gelöst, mit denen die Blutbuche gesichert war. Sonst wäre man dieses Risiko nicht eingegangen, erklärt Braukmann. Der Landschaftsgärtner und -architekt zeigt sich verwundert über das Urteil des Baumsachverständigen Andreas Block-Daniel (Bremen), der der Blutbuche im vergangenen Jahr noch eine Lebensdauer von mehreren Jahren prognostiziert hatte.
Die Fällung des Baumes sei „schon lange überfällig“, sagt Braukmann, da der Stamm „überhaupt nicht mehr tragfähig“ sei. Der Brandkrustenpilz sei äußerst aggressiv, der Befall sei weit fortgeschritten. „Das ist ja nicht von heute auf morgen passiert. So schnell ist der Pilz nun auch nicht.“ Es sei ein glücklicher Zufall, dass der Baum noch nicht umgestürzt sei, und das in der Nähe der Fußgängerzone. „Wenn da jemand verletzt worden wäre, hätte ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken wollen.“
Per Fernbedienung gesägt
Bereits vor drei Jahren sollte die Blutbuche gefällt werden. Die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba) protestierte erfolgreich dagegen. Sie erwarb schließlich von der Stadt das Grundstück, auf dem der Baum steht, und ließ ihn regelmäßig von Block-Daniel pflegen und begutachten. Der Sachverständige hatte am vergangenen Dienstag die Reißleine gezogen und gesagt, der Baum müsse sofort gefällt werden. Das ist nun passiert.
Die Mitarbeiter der Firma Braukmann sägen einen Ast nach dem anderen ab und arbeiten sich bis zum Stamm vor. Dabei kommt ein Fällkran zum Einsatz. Damit werden die Äste gegriffen, gelockert, festgehalten und abgesägt, alles per Fernbedienung. Für die größeren Äste und den Stamm greift ein Mitarbeiter von der Hubbühne aus zur Kettensäge.
Der Stamm war teilweise hohl
Gegen 11.45 Uhr ist es geschafft: Der Stamm schwebt an einer Kette hängend senkrecht über dem Boden, kurz darauf liegt er in der Waagerechten am Boden. Jeder Laie kann mit bloßem Auge erkennen: Die obere Hälfte ist hohl. Ein weiterer Pilz habe den Stamm ausgehöhlt, sagte Braukmann. Das sehe zwar wild aus, sei aber nicht das eigentliche Problem. Das Gefährliche sei der Brandkrustenpilz, der das Holz instabil mache.
Die Äste wurden an Ort und Stelle geschreddert. Der Stamm wird in Scheiben geschnitten. Einige davon gehen zur Beweissicherung an die Stadt und an den Landkreis Aurich. Den Großteil des Stamms nimmt die Firma mit, um ihn ebenfalls zu schreddern und in einem Blockheizkraftwerk zu verbrennen, wie Braukmann erklärt.
1,20 Meter sind übrig geblieben
Von der Blutbuche ist jetzt noch ein 1,20 Meter hoher Stumpf übrig. Dieser werde aber nicht als Erinnerung stehen bleiben, sagt Bernd Ewerth vom städtischen Fachdienst Tiefbau. Es gehe um Arbeitserleichterung. Die Wurzeln könnten besser beseitigt werden, wenn man noch ein oberirdisches Stück des Baums greifen könne.