Natur
Auricher Blutbuche: Experte weist Kritik zurück
War die Auricher Blutbuche tatsächlich so krank, dass sie schon vor Jahren hätte beseitigt werden müssen? Der Sachverständige Andreas-Block-Daniel aus Bremen bestreitet das.
Aurich - Die Auricher Blutbuche ist seit Sonnabend Geschichte. Nur ein Stumpf ist auf dem Grundstück am Carolinengang stehen geblieben. Es grenze fast an ein Wunder, dass der Baum nicht durch einen Sturm umgepustet worden sei, so sehr habe der Brandkrustenpilz dem Holz zugesetzt. Zu diesem Urteil war der Geschäftsführer der Firma Braukmann gekommen, die die Buche im Auftrag der Stadt gefällt hat. Kevin Braukmann machte deutlich, dass der Baum schon viel eher hätte entfernt werden müssen. Die Krankheit sei weit fortgeschritten. „So etwas passiert nicht von heute auf morgen.“
„Wenn etwas passiert wäre, hätte ich dafür geradestehen müssen“
Er stehe zu seiner Aussage von Oktober. Damals sei die Verkehrssicherheit der Blutbuche noch ausreichend gewesen. „Der Baum hatte eine hohe Vitalität.“ In der Zwischenzeit sei der Brandkrustenpilz jedoch aktiv geworden. Nun sei eine Deadline überschritten, und daher habe er entschieden, „dass der Baum nicht mehr verkehrssicher ist und sofort zu fällen ist“. Er habe sich nichts vorzuwerfen, betonte Block-Daniel. Als Sachverständiger habe er Verantwortung übernommen und sorgfältig abgewogen. „Wenn etwas passiert wäre, hätte ich dafür geradestehen müssen.“
Zu Braukmanns Kritik sagte Block-Daniel: „Es wundert mich sehr, dass Herr Braukmann so etwas gesagt hat.“ Als Baumfäller habe dieser wohl „andere Maßstäbe und eine andere Bewertung“. Braukmann bestritt im Gespräch mit unserer Zeitung einen möglichen Interessenkonflikt. Fällungen machten nur einen geringen Teil seines Geschäfts aus. Das Unternehmen aus dem Ammerland befasst sich nach eigenen Angaben mit Baumpflege und Gartengestaltung.
„Ich bin froh, dass nichts passiert ist“
Die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba), die sich jahrelang für den Erhalt der Blutbuche eingesetzt hatte, will nach Angaben von Sprecherin Cornelia Beukenberg ebenfalls noch einmal Kontakt zu Block-Daniel aufnehmen. Beukenberg hat sich die Fällung am Sonnabend nicht angeschaut. „Ich bin lieber bei Baumpflanzungen dabei.“ Ansonsten wolle die Biba jetzt nach vorne schauen und überlegen, welcher Baum an dieser Stelle gepflanzt wird.
Auch Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) will nicht nachkarten. „Ich bin froh, dass nichts passiert ist. Die Gefahr ist weg. Jetzt müssen wir nach vorne gucken.“ Er wolle sich auch nicht mit der Frage befassen, ob die Biba womöglich an den Kosten für die Fällung – nach Informationen dieser Zeitung ein niedriger vierstelliger Betrag – beteiligt werden muss, sagte Feddermann. Dies würde nach seiner Einschätzung nur zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führen. „Was bringt das?“
Im Nachhinein betrachtet sei es ein Fehler gewesen, dass die Stadt Ende vergangenen Jahres der Biba das Grundstück verkauft habe, statt den Baum fällen zu lassen, so der Bürgermeister. „Hinterher ist man immer schlauer.“ Für ihn sei das Thema damit durch.