Natur

An die Stelle der Blutbuche soll eine Friedens-Eiche treten

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 02.06.2021 15:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Der alte Baum ist weg, der neue in Planung: An die Stelle der gefällten Blutbuche in Aurich soll eine Friedens-Eiche treten. Unterdessen wird weiter über das Thema Geld diskutiert.

Aurich - Die Blutbuche am Carolinengang in Aurich ist Geschichte. An ihrer Stelle wird im Herbst womöglich eine Eiche gepflanzt. Diesen Vorschlag hat der Baumsachverständige Andreas Block-Daniel (Bremen) gemacht. Er spricht von einer „Friedens-Eiche“. Block-Daniel hatte am Dienstag nach Pfingsten die Blutbuche untersucht und erklärt, dass sie sofort gefällt werden müsse, weil der Brandkrustenpilz weit fortgeschritten sei. Das ist am vergangenen Sonnabend erledigt worden.

Die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba) hatte jahrelang für den Erhalt der erkrankten Blutbuche gekämpft. Die Stadt wollte sie schon 2018 fällen lassen. Block-Daniel untersuchte den Baum und kam zu dem Ergebnis, dass er bei entsprechender Pflege noch einige Jahre überleben könne. Nun aber war nach Einschätzung des „Baumflüsterers“, wie er sich selbst nennt, eine kritische Grenze überschritten. Kritiker behaupten, der Baum hätte früher beseitigt werden müssen, er sei längst nicht mehr verkehrssicher gewesen – was Block-Daniel bestreitet.

„Bäume werden mehr geachtet“

Biba-Sprecherin Cornelia Beukenberg bereut es nicht, dass die Biba sich für den Erhalt der Blutbuche eingesetzt hat. „Ich würde es wieder tun“, sagt die pensionierte Lehrerin aus Sandhorst. Sie habe den Eindruck, dass durch das Engagement der Biba in Aurich ein Umdenken eingesetzt habe. „Bäume werden mehr geachtet und respektiert.“ Ob sich das Umdenken auch auf das Handeln auswirke, müsse man jetzt abwarten.

Unterdessen teilte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) auf Anfrage mit, dass die Stadt die Kosten für die Fällung der Blutbuche – nach Informationen dieser Zeitung eine niedrige vierstellige Summe – trage. Diesem Vorschlag habe der Verwaltungsausschuss, das höchste Organ nach dem Rat, zugestimmt. Nach der Fällung waren Forderungen laut geworden, die Biba möge die Fällkosten übernehmen. Sie hatte das Grundstück, auf dem die Blutbuche stand, von der Stadt gekauft, um den Baum zu retten. Das Grundstück geht nun zurück an die Stadt. Da die Eigentumsumschreibung im Grundbuch noch nicht erfolgt ist, wird der im Januar geschlossene Kaufvertrag aufgehoben.

„Wir möchten Spekulationen vermeiden“

Das Thema Geld ist damit noch nicht vom Tisch. Die CDU-Fraktion im Rat hat eine Aufstellung aller Kosten beantragt, die der Stadt seit der Erstellung des ersten Gutachtens über die Blutbuche entstanden sind. Die Öffentlichkeit habe ein Anrecht, darüber informiert zu werden, schreibt CDU-Fraktionschef Arnold Gossel. „Wir möchten dadurch Spekulationen und Falschmeldungen vermeiden.“

Im Februar 2018 hatte der vereidigte Sachverständige Uwe Gerhardt (Aurich) erklärt, „dass die Stand- und Bruchsicherheit dieser Buche erheblich herabgesetzt ist“. Die Fäule breite sich vom Wurzelstock kegelartig in den Stamm hinein aus. Der Baum könne durch drei oder vier Erdanker noch mittelfristig (fünf bis zehn Jahre), womöglich auch langfristig (länger als zehn Jahre) erhalten bleiben. „Alternativ ist die Buche umgehend zu fällen“, schrieb Gerhardt damals.

„Das soll ja auch richtig wie ein Baum aussehen“

Die Biba schaut unterdessen nach vorne. Beukenberg findet den Vorschlag mit der Friedens-Eiche gut. Die Baumschützer wollen sich an den Kosten beteiligen. Man wolle ein Exemplar pflanzen, das schon etwas größer sei. „Das soll ja auch richtig wie ein Baum aussehen und nicht wie ein Stock“, sagt Beukenberg. Dafür müsse man einen größeren Betrag einplanen. Nach Angaben der Baumschule Fokken (Aurich) kostet eine Stieleiche mit einem Stammumfang von 40 bis 45 Zentimetern 2500 bis 3000 Euro plus Liefer- und Pflanzkosten.

Auch dem Gastronomen Arno Fecht gefällt die Idee mit der Friedens-Eiche. Er hatte wegen der Blutbuche den Plan für den Umbau seiner Kneipe „Arno‘s Hirsch“ aufgeben müssen. Eine Eiche sei „ein schöner, stattlicher Baum“, sagt Fecht. Der passe gut dorthin.

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