Stadtradeln

Was macht eigentlich einen guten Radweg aus?

Claus Arne Hock
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Von Claus Arne Hock
| 14.06.2021 18:12 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die verkehrspolitische Wende wird immer wieder diskutiert. Beim „Stadtradeln“ sollen mehr Menschen im Landkreis Aurich und der Stadt Emden das Rad nutzen. Aber was macht einen sicheren Radweg aus?

Was und warum

Darum geht es: Fahrradfreundlichkeit bedeutet nicht nur mehr Radwege, sondern auch ein Umdenken bei allen Verkehrsteilnehmern.

Vor allem interessant für: Diejenigen, die gerne Radfahren oder aufs Rad umsteigen wollen. Aber auch für Autofahrer und Fußgänger.

Deshalb berichten wir: Im September nehmen der Landkreis Aurich und die Stadt Emden am Stadtradeln teil. Wir nehmen das zum Anlass, das Thema von mehreren Seiten zu beleuchten.

Die Autorin erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Krummhörn/Hinte/Emden - Fahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, die Coronakrise hat den Trend noch verstärkt. Doch was macht eigentlich einen guten und sicheren Radweg aus? Und was bedeutet es, wenn eine Stadt oder Kommune fahrradfreundlich ist?

Fragen, die nicht nur kurz vor dem im September stattfindenden „Stadtradeln“ von Bedeutung sind. Der Fahrrad-Monitor für Deutschland zeigte vor recht genau einem Jahr in einer repräsentativen Umfrage: Rund ein Viertel der Deutschen stieg im Juni 2020 häufiger auf das Rad als noch im Jahr zuvor. Auch die Füße als Fortbewegungsmittel erfreuten sich größerer Beliebtheit als vorher.

„Radfahrer werden hin und her geschubst“

Fußgänger und Radfahrer gehören zu den „schwächeren“ Teilnehmern am Straßenverkehr. Unbestritten ist, dass die Verkehrsplanung in Deutschland über Jahrzehnte vor allem auf Autos ausgelegt war – und es größtenteils auch immer noch ist. „Ein Problem ist, dass Radfahrer hin und her geschubst werden“, benennt Rüdiger Henze, Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), ein Problem bei der Radverkehrsplanung: Radwege seien oft nicht durchgängig, sondern würden mittendrin aufhören oder die Seiten wechseln. Ein Leser liefert ein Beispiel für einen Radweg, der „im Nirwana endet“, wie Henze es ausdrückt. „Die L4 verbindet die Krummhörn mit Norden. Der Fahrradweg wird derzeit von Grimersum ein kurzes Stück an der L4 von Grimersum Richtung Norden ausgebaut, ab dem Abzweiger nach Wirdum wird der Fahrradweg an der L26 in Richtung Wirdum gebaut“, so der Leser. Aber: „Die L4 ist ab dem Abzweiger bis nach Süderneuland ohne Fahrradweg. Dieses ist sowohl für die Anwohner an der gesamten Strecke sehr misslich als auch für zahlreiche Touristen die Richtung Norden mit dem Fahrrad fahren wollen.

„Radfahrer gehören auf die Fahrbahn“, sagt Henze – zumindest innerorts. Auf Radwegen oder kombinierten Rad- und Fußwegen sei neben der Verkehrsführung oft das Problem, dass diese durch Verkehrsschilder oder andere Hindernisse verkleinert oder blockiert werden. „Innerorts brauchen wir eigentlich keine Radwege“, ist sich Henze sicher – wenn denn die Voraussetzungen für Fahrten auf der Fahrbahn gegeben sind und sich auch die Autofahrer an die Vorgaben halten.

Mehr Spielraum für Kommunen

Wenn doch Radwege gebaut oder benötigt werden, dann „müssen diese zeitgemäß sein“. Das bedeute auch, dass sie „die entsprechende Breite für alle Arten von Rädern haben“. Gerade Lastenräder würden ein zunehmend wichtiges Thema werden. „Da braucht man schon drei bis vier Meter Breite, weil auch Begegnungsverkehr muss ja mit einberechnet werden“, so Henze. Reiner Schuchardt, begeisterter Radfahrer und langjähriger Vorsitzender vom ADFC Emden, hat das mal bei den Wirtschaftswegen in der Krummhörn, die oft als Radweg benutzt und auch ausgewiesen werden, nachgemessen. Bei einer Straßenbreite von drei Metern, einem SUV von knapp zwei Metern Breite, einer Lenkerbreite des Radfahrers von 65 Zentimetern würde nicht mehr viel Platz bleiben. Vor allem beim vorgeschriebenen Überholabstand von mindestens 1,50 Metern.

Beispiel für den Zustand eines Radweges an der Grenze zu Moormerland. Foto: Bolinius
Beispiel für den Zustand eines Radweges an der Grenze zu Moormerland. Foto: Bolinius
Aber die Breite und hindernisfreie Befahrbarkeit ist laut Henze nur ein Aspekt des „komplexen Themas Fahrradfreundlichkeit“. Denn ob eine Kommune wirklich fahrradfreundlich ist, das hänge von allen Beteiligten ab. So müsse ein „radverkehrsfreundliches Klima“ herrschen, was bei gegenseitiger Rücksichtnahme im Verkehr schon anfange. „Die Kommunen müssen aber auch Mut haben, etwas zu verändern und die Verkehrsräume neu aufzuteilen“, sagt Henze. „Vernünftiger Öffentlicher Personennahverkehr ist im ländlichen Raum beispielsweise auch unverzichtbar, wenn die Leute vom Auto weg sollen“, sagt er.

Gerade beim Testen von neuen Konzepten wünscht sich der Landesvorstand des ADFC mehr Handlungsspielräume für die Kommunen. „Es muss möglich sein, dass die Kommunen ganz unbürokratisch Dinge testen“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Erprobung von Tempo 30 in ganzen Ortskernen. „Sowas könnte man auch mit wenig finanziellen Mitteln ausprobieren und dann seine Schlüsse daraus ziehen.“

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