Unterhaltung
Greetsiel: Für Sonntagskonzerte fehlen die Chöre
Sobald es wieder möglich ist, sollen sonntags Shantychöre im Greetsieler Hafen auftreten. Der Fremdenverkehrsverein hat jedoch Probleme, sie von den sonst ortsbildprägenden Auftritten zu überzeugen.
Was und warum
Darum geht es: Für den Herbst wird mit größeren Corona-Lockerungen gerechnet, die auch Chören ihre Auftritte erleichtern könnten. In Greetsiel gibt es jedoch derzeit Probleme, Gruppen für diese Zeit zu gewinnen.
Vor allem interessant für: Freunde von traditionsreicher Musik, die sich gerne mal wieder ein Konzert anhören möchten
Deshalb berichten wir: Eigentlich hatten wir mit dem Fremdenverkehrsverein über den in diesem Jahr ausfallenden Kutterkorso geredet. Der Vorsitzende sprach dann aber von sich aus das Problem mit den Shantychören an, die zu dem Fischerdorf eigentlich dazugehören. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Jacobsen spricht die Gruppen schon jetzt an, weil er bis zum Herbst auf die ganz großen Lockerungen der Corona-Vorschriften hofft. Wenn dann noch mehr Leute als jetzt schon geimpft sind, sollen auch wieder die Freiluft-Sonntagskonzerte an der Greetsieler Hafenmauer ohne Einschränkungen stattfinden, so der Wunsch. Bis zuletzt hatten die Konzerte, die von dem Verein und der Interessengemeinschaft zur Förderung Greetsiels veranstaltet werden, laut Jacobsen jeweils etwa 200 bis 400 Zuhörer angezogen.
Chöre sind aus der Übung
Damit es wieder dazu kommen kann, müssen die Shantymusiker aber erst einmal von den Auftritten überzeugt werden, was sich derzeit teilweise schwierig gestalte, so Jacobsen. Vom Störtebeker-Shantychor Marienhafe habe es geheißen, dass er nun endgültig aufhören wolle. Darüber habe man ohnehin schon nachgedacht und wolle jetzt nach der langen Coronapause nicht wieder von vorne beginnen. „Erst einmal schauen, wie es für uns weitergeht“, hätten hingegen andere Chöre mitgeteilt. Zum Teil sei der Vorsitzende zudem auf das kommende Jahr vertröstet worden.
Zu der Unsicherheit komme aber noch ein weiteres Problem hinzu: Die Chöre sind aus der Übung. Das bestätigt auch der in der Gemeinde Westoverledingen (Landkreis Leer) wohnende Diethelm Sempell, der als Vizepräsident des Ostfriesischen Chorverbands rund 2000 Musiker und 70 Gruppen vertritt. „Das Problem ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt er. Selbst wenn es entsprechende Lockerungen gebe, müssten erst einmal wieder die Muskulatur in Brustkorb und Zwerchfell der Sänger aufgebaut und die Stimme trainiert werden.
Beim Chorverband überwiegt die Hoffnung
Zwar können Chöre auch jetzt unter bestimmten Auflagen üben, aber das sei nur eingeschränkt möglich, erklärt Sempell. Ein Nachteil bei mehreren Reihen an Musikern sei zum Beispiel, dass die hinteren von ihnen durch den Corona-Abstand bedingt zu weit vom Chorleiter wegstünden, um seine für das Spielen wichtige Mimik richtig wahrzunehmen.
Ansonsten sehe man dem Neustart aber gelassen entgegen, versichert Sempell. Zwar liege das Durchschnittsalter in manchen Chören bei rund 70 Jahren und es seien während der Pandemie auch Mitglieder verstorben. Die zunehmende Zahl an Geimpften gebe jedoch Grund zur Hoffnung und bei vielen Gruppen sei die Vorfreude auf das erneute gemeinsame Musizieren groß, so der Vizepräsident.
Er hofft ebenfalls darauf, dass das vielleicht ab September oder Oktober wieder uneingeschränkt möglich ist – zumindest rechtzeitig zur Weihnachtszeit. Ostfriesische Chöre, die aufhören wollen, gebe es seiner Kenntnis nach nur wenige. „Es wackeln vielleicht ein oder zwei von ihnen.“ Von den anderen habe er nichts dergleichen gehört.