Organisation

Tote Hose bei Veranstaltungen im Landkreis Aurich

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 22.06.2021 10:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Eigentlich dürfen die Gemeinden und Städte wieder Aktivitäten wie Märkte oder Konzerte organisieren. Doch die meisten halten sich bedeckt − aus Sorge um mögliche Infektionen. Nur wenige preschen vor.

Landkreis Aurich - Es ist fast so etwas wie eine kleine Jubiläumsveranstaltung: Am ersten Juli-Wochenende richtet die Stadt Leer ihren 30. Töpfermarkt am Zollhaus aus. 40 Werkstätten aus dem ganzen Bundesgebiet werden vertreten sein.

Leer prescht vor. Naheliegend zu fragen, wie es in den Städten und Gemeinden im Landkreis Aurich aussieht. Was ist dort zur Belustigung und Unterhaltung des Publikums geplant? Nach dem langen Corona-Lockdown lechzen die meisten Menschen nach Zerstreuung, aber auch nach dem Austausch mit anderen.

Aufwachen, bitte

Ein Kommentar von Gabriele Boschbach

Gesundheitsminister Jens Spahn warnt in diesen Tagen zu Recht vor Übermut im Umgang mit der Pandemie. Das gilt auch für Feste und Veranstaltungen. Niemand hat die Absicht, eine Kopie von Wacken in die Region zu holen. Es geht nicht um Saufexzesse und Zucken im Sog wummernder Bässe. Nach einem Lockdown wäre es nur schön, wenn die Verantwortlichen in den Verwaltungen und Tourismus-Agenturen wieder behutsam Leben in die Region brächten. Das wollen die Menschen vor Ort, das wollen aber auch die Touristen, von denen etliche leben. Das wollen auch die Schausteller, die existenziell bedroht sind. Ein paar Straßenmusiker in der Fußgängerzone reichen nicht. Gefragt sind Aktivitäten wie in Leer. Dort ist eine Managerin am Ball geblieben und hat die Verwaltungen immer wieder mit Anfragen gelöchert. Nur so geht es. Schade, dass etliche Städte das Feld den Privaten überlassen. Etwas mehr Elan wäre wünschenswert. Die Pandemie-Schlafschleier kann man sich aus den Augen reiben. Zumindest − hoffentlich − einen Sommer lang.

Wie weit ist die Stadt Aurich?

„Wir müssen uns erst mal sortieren“, sagte Marco Bordasch vom Verkehrsverein. Erst jetzt wisse man verlässlich, dass Veranstaltungen bis zu 1000 Menschen möglich seien. „Andererseits sind wir auch ein bisschen skeptisch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass jetzt immer häufiger von Delta-Varianten des Corona-Virus die Rede ist“, sagte Bordasch. Konkret habe man noch nichts im Köcher. Um rasch etwas anbieten zu können, würde man gerne verkaufsoffene Sonntage organisieren. Das sei immer sehr zugkräftig und könne mit einem kleinen Unterhaltungsprogramm gekoppelt werden, aber dabei spielten die Gewerkschaften nicht mit. Auch Stadtsprecher Johann Stromann konnte noch nichts Konkretes anbieten. Er müsse zunächst die gültigen Corona-Verordnungen studieren und sich dann mit dem Landkreis ins Benehmen setzen.

Wie hat die Stadt Leer so schnell reagieren können?

„Ich habe wochenlang immer wieder bei der Verwaltung angerufen und gefragt, ob wir nicht endlich loslegen können“, sagte Inge Sparringa. Die Event-Managerin organisiert den Töpfermarkt seit vielen Jahren. Für den vergangenen Sommer hatte sie ein coronasicheres Konzept entwickelt. Die Fläche beim Zollhaus wird eingezäunt, es gibt eine Einlasskontrolle und eine Pflicht zur Registrierung per Luca-App oder manueller Datenhinterlegung. Jeder Besucher erhält ein Bändchen. „Das hat im vergangenen Jahr prima geklappt“, sagte Inge Sparringa. Sie sei froh, dass sie dieses Angebot machen könne: „Unsere Branche ist sehr stark geschädigt worden.“ Leider hätten auch einige der Töpferbetriebe nicht durchgehalten. Bundesweit habe es etliche Schließungen gegeben. Manch einer habe sich einfach einen anderen Job suchen müssen, weil ihm durch das Wegbrechen der Märkte die Existenzgrundlage entzogen worden sei.

Was passiert in Wiesmoor?

Man sei froh, wieder durchstarten zu können, sagte Dirk Gerlach von der Luftkurort Wiesmoor Touristik GmbH. Der Geschäftsführer nannte als nächsten Termin ein Konzert im Rahmen der Gezeitenkonzerte am Mittwoch, 28. Juli, in der Blumenhalle. Im Frühherbst werde man dort die Veranstaltungsreihe „Kunst im kleinen Garten“ durchführen, das sei ein eher kabarettistisch angehauchtes Angebot in Kooperation mit dem Kultur- und Kunstkreis Wiesmoor. „Einen Termin kann ich leider noch nicht nennen“, sagte Gerlach. Froh sei er, dass das 69. Blütenfest in der ersten Woche im September ausgerichtet werde. Das öffentliche Leben nehme wieder Fahrt auf.

Wie ist die Gemeinde Großefehn aufgestellt?

Von offizieller Seite plane man ganz bewusst nichts. „Das ist uns einfach zu riskant“, sagte Jann Ubben von der Großefehn Tourismus GmbH. Damit setze man einen Beschluss der Gemeinde um, die auf Nummer sicher gehen wolle. Es werde also von offizieller Seite kein Hafenfest oder Vergleichbares ausgerichtet. Das überlasse man privaten Organisationen. So wisse er etwa, dass am Pfannkuchenschiff in Großefehn etwas in Planung sei, so Ubben.

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