Tourismus

Die große Lust auf den kleinen Urlaub

| | 02.07.2021 20:12 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das neue Tiny-House-Dorf in Harlesiel: 18 Green Tiny Houses (links) und drei Humble Homes (rechts). Foto: Ullrich
Das neue Tiny-House-Dorf in Harlesiel: 18 Green Tiny Houses (links) und drei Humble Homes (rechts). Foto: Ullrich
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Eine Auszeit vom Alltag vor der eigenen Haustür: Wer das Ungewöhnliche liebt, wird in Ostfriesland fündig. Die Region ist bundesweit Glamping-Vorreiter mit Tiny House, Schlafstrandkorb und mehr.

Harlesiel/Ostfriesland - Wohnen wo andere Urlaub machen – für Ostfriesen ist dieser Spruch kein unbekannter. Urlaub vor der eigenen Haustür aber kommt wohl nur den wenigsten in den Sinn. Den befreundeten Familien Arndt und Artmeyer aus Wittmund schon: Sie fanden die Idee witzig. Ihr Ziel: zwei Tiny Houses keine 20 Kilometer weit entfernt von ihrem Wohnort in Harlesiel. Der Vorteil: minimale Anreise bei maximaler Erholung. Der Stimmung der siebenköpfigen Truppe tat es keinen Abbruch, dass sie für ihren Kurztrip nicht einmal die Wittmunder Stadtgrenze überquerten. „Vom Gefühl her ist es Urlaub“, meint Michael Artmeyer.

Michaela Arndt (von links), Anika und Michael Artmeyer und Marcus Arndt haben sich für Kurzurlaub innerhalb der eigenen Stadtgrenze entschieden. Foto: Ullrich
Michaela Arndt (von links), Anika und Michael Artmeyer und Marcus Arndt haben sich für Kurzurlaub innerhalb der eigenen Stadtgrenze entschieden. Foto: Ullrich
Urlaub in Ostfriesland erfreut sich momentan großer Beliebtheit, sagt Oliver Knagge, Mitarbeiter der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer. Seitdem der Tourismus vor einigen Wochen wieder Fahrt aufgenommen hat, seien die Buchungen exorbitant gestiegen. „Ostfriesland wird generell gut gebucht.“ Glamping liegt im Trend: Das naturnahe Camping wird mit ein wenig Glamour massentauglich. Außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten wie das Tiny House, der Schlafstrandkorb oder das Schlaffass sind da keine Ausnahmen. Je nach Lage und Exklusivität der Unterkunft könne es schwer werden, diesen Sommer noch eine Buchungslücke zu ergattern. Dabei ist Ostfriesland hier bestens aufgestellt: „Der Trend wurde in der Region recht früh erkannt. Wir sind bundesweit ziemlich weit vorn.“

Mehr Tiny Houses für Harlesiel

Ganz neu in Harlesiel: die neue Generation Green Tiny House mit mehr Ecken und Kanten und in Dunkel, dafür aber mit etwas mehr Platz im Inneren. Foto: Ullrich
Ganz neu in Harlesiel: die neue Generation Green Tiny House mit mehr Ecken und Kanten und in Dunkel, dafür aber mit etwas mehr Platz im Inneren. Foto: Ullrich
Ein Trend, mit dem sich auch Arndts und Artmeyers anfreunden können: Entspannen auf der Holzterrasse des Miniaturferienhauses mit Blick auf Kühe und Deichschafe. Ihre Söhne Leif und Mats Artmeyer sowie Mattis Arndt kicken derweilen den Fußball über die Salzwiese. Das kleine Haus mit rund 21 Quadratmetern überzeugt die Wittmunder vor allem durch seine Lage. „Wann wacht man schon morgens auf und ist direkt am Deich?“, fragt Michaela Arndt. Christian Pree und Andreas Smidt haben sich gemeinsam als Agentur Move mit der Vermietung ihrer vorerst drei „Humble Homes“ einen langgehegten Traum erfüllt. Wer hier das Glamping-Gefühl erleben will, braucht allerdings Geduld: Bis Ende August sind die mobilen Ferienhäuser ausgebucht.
Nachts ein Bett, tagsüber ein Sofa zum Abhängen oder Spielen. Mats Artmeyer (links) und Mattis Arndt zeigen, wie man den wenigen Platz in einem Tiny House optimal nutzt. Foto: Ullrich
Nachts ein Bett, tagsüber ein Sofa zum Abhängen oder Spielen. Mats Artmeyer (links) und Mattis Arndt zeigen, wie man den wenigen Platz in einem Tiny House optimal nutzt. Foto: Ullrich

Bis zum Herbst stehen die direkt am Deich, mit Beginn der Sturmflutsaison aber müssen sie weg. Ostern 2022 kehren die dann mit Verstärkung zurück: Insgesamt zehn Tiny Houses sollen kommen, sagt Smidt. Dazu ein Boule-Platz. Die Green Tiny House GmbH hat in den vergangenen Wochen vorgelegt und aus ihren bisher zwei Häuschen 18 gemacht. Ein richtiges kleines Dorf samt Sauna mit Meerblick ist entstanden. Der Vorteil für Erholungsuchende: Die neuen Glamping-Unterkünfte wurden gerade erst zur Buchung freigegeben. Wer jetzt schnell ist, kann sozusagen direkt einziehen.

Glamping-Unterkünfte auf der Ostfriesischen Halbinsel:

Die Festival-Lodge von Mymolo in Harlesiel. Foto: Rosin/ Mymolo
Die Festival-Lodge von Mymolo in Harlesiel. Foto: Rosin/ Mymolo
Manchmal reicht schon eine einzige Nacht, um wieder Kraft für den Alltag zu tanken. Am Festland der Ostfriesischen Halbinsel gibt es mittlerweile zahlreiche außergewöhnliche Schlafplätze. Im Folgenden gibt es eine Auswahl.

  • Die Festival-Lodge von Mymolo ist ein faltbares Hotelzimmer samt Außenterrasse, das ebenfalls neu in Harlesiel ist. Es bietet Platz für zwei, in der Lodge wird nur geschlafen, das Leben spielt sich komplett unter freiem Himmel ab.
  • Nordseekarren und Pipowagen sind typischen Schäfer- oder Zirkuswagen nachempfunden und bieten je nach Ausführung Platz für bis zu vier Personen. Pipowagen stehen auf dem Campingplatz in Dornumersiel, Nordseekarren gibt es im Wangerland auf dem Sommerdeich von Schillig.
  • Ein Schlafstrandkorb am Strand von Hooksiel. Foto: Franke
    Ein Schlafstrandkorb am Strand von Hooksiel. Foto: Franke
    Ein absoluter Glamping-Klassiker ist der Schlafstrandkorb. Er lässt Übernachtungsträume direkt am Strand wahr werden, ohne dass auf Bequemlichkeit verzichtet werden muss. Es gibt ihn beispielsweise in Bensersiel, Schillig, Hooksiel und Dangast.
  • Einen spannenden Perspektivwechsel versprechen Baumhäuser. Hoch über den Ländereien von Schloss Lütetsburg mit Blick auf den weitläufigen Golfplatz, in Bad Zwischenahn im Resorts Baumgeflüster „Hidden Treehouse Resort“ oder im „Zauberhaus“ in Moormerland gibt es Unterkünfte, die es zu entdecken gilt.
  • Diese Schlaffässer stehen auf dem Campingplatz am Emsdeich in Grotegaste Foto: Müller/ Freizeitpark am Emsdeich
    Diese Schlaffässer stehen auf dem Campingplatz am Emsdeich in Grotegaste Foto: Müller/ Freizeitpark am Emsdeich
    Miniaturhäuser in Form von Nordsee-Wellen ganz ohne gerade Wände hat das Nordsee-Camp in Norddeich.
  • Ebenfalls in Norddeich gibt es zudem Chalets. Solch hochwertige Mobilheime stehen auch im „Kleinen Bullerbü am Meer“ in Elisabethgroden.
  • Schlafen im Fass? Auch dieses urig-gemütliche Abenteuer ist eine Option in Grotegaste, Timmel oder in Südbrookmerland.
  • Der Signalturm in Wilhelmshaven beherbergt eine Ferienwohnung in 30 Metern Höhe. Foto: Wilhelmshavener Spar- und Baugesellschaft
    Der Signalturm in Wilhelmshaven beherbergt eine Ferienwohnung in 30 Metern Höhe. Foto: Wilhelmshavener Spar- und Baugesellschaft
    Entspannung auf dem Wasser finden echte Seebären im Alten Hafen von Weener. Das Wohnschiff „Animo“ bietet rustikalen Charme. Ebenfalls fest vertäut liegen Hausboote auf dem Timmeler Meer und auf der Maade in Wilhelmshaven. Wer selbst den Kurs bestimmen will, kann das an Bord des Hausbootes „Ochtelbur“ ab dem Auricher Hafen auf dem Ems-Jade-Kanal tun.
  • Ein kubusförmiges Zelt im futuristischen Design ist der Sleeperoo-Cube am Strand von Hooksiel und Schillig.
    Der Sleeperoo-Schlafcube am Strand von Schillig. Foto: Franke
    Der Sleeperoo-Schlafcube am Strand von Schillig. Foto: Franke
  • Komplett ausgestattete Ferienwohnungen im Gewand eines überdimensionalen Zeltes mit einem Hauch von Safari finden Glamping-Anhänger in den Zeltlodges in Grotegaste.
  • Wer sich in 30 Meter Höhe auf den Signalturm in Wilhelmshaven traut, wird mit einem wunderbaren Blick über die Stadt und den Jadebusen belohnt. Der steht in einem Biotop auf einer Schleuseninsel und wurde ursprünglich im Jahr 1935 von der Kriegsmarine errichtet. Heute beherbergt er eine Ferienwohnung.
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