Städtebau

So hässlich ist das neue Parkhaus in Aurich gar nicht

| | 08.07.2021 16:30 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Am Georgswall in Aurich wird ein Parkhaus gebaut. Die Politik darf entscheiden, wie es aussieht. Doch trotz Efeu und offener Bauweise: Für einige bleibt es eine Bausünde, die den Georgswall zerstört.

Aurich - Das neue Parkhaus am Georgswall in Aurich nimmt Gestalt an, zumindest auf dem Papier. Der Sanierungsausschuss des Rates hat sich am Mittwochabend mit breiter Mehrheit für eine von vier Varianten der Fassadengestaltung entschieden. So hässlich wie von manchen befürchtet wirkt das Parkhaus auf dem Papier nicht. Selbst die schärfste Kritikerin Gila Altmann (Grüne) sagte zum Architekten: „Sie haben sich ja echt Mühe gegeben.“

An dieser Stelle wird das neue Parkhaus gebaut. Foto: Luppen
An dieser Stelle wird das neue Parkhaus gebaut. Foto: Luppen

Das 54 Meter lange Parkhaus wird rot geklinkert, durch eine offene Struktur optisch aufgelockert und mit Efeu begrünt. Schrammen beim Einparken sind nicht zu befürchten, denn das Gebäude kommt innen ohne Pfeiler aus, wie Stephan Zenker vom Architekturbüro 3ing (Aurich) erklärte. „Heutige Parkhäuser sind stützenfrei.“ Gestützt werde das Gebäude außen und in der Mitte. Auf der Seite zum Georgswall ist es 8,50 Meter hoch, auf der Rückseite zehn Meter.

Platz genug für breite Autos

Geplant sind 206 Stellplätze auf sieben Ebenen. Dazu gehören sieben barrierefreie Stellplätze im Erdgeschoss, außerdem eine überdachte Fläche für Fahrräder und Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Die Stellplätze sind 2,75 Meter breit, was dem Trend zu immer größeren Autos (SUV) entgegenkommt.

Dass die Politik über die Gestaltung entscheiden darf, hatte die Stadtverwaltung mit dem Investor Lennart Gerstmeier vertraglich vereinbart. Die ausgewählte Variante wird Bestandteil des Kaufvertrags für das Grundstück.

Das Parkhaus grenzt an die Kunstschule.
Das Parkhaus grenzt an die Kunstschule.

„Es passt nicht zum Georgswall“

Grüne und Linke blieben bei ihrer grundsätzlichen Kritik an dem Parkhaus. „Es passt nicht zum Georgswall“, sagte Linken-Fraktionschef Hendrik Siebolds. Grünen-Fraktionschefin Altmann sagte: „Es wird den Georgswall kaputt machen.“ Ein solcher Klotz gehöre dort nicht hin. „Die Kunstschule wird in ihrer Ausgestaltung von diesem Koloss erdrückt, und das finde ich sehr, sehr schade.“

Die Kunstschule Miraculum und das Mach-mit-Museum werden übernächstes Jahr in die Osterstraße ziehen, in ein Gebäude, das direkt an das Parkhaus grenzt. Das östliche Ende der Fußgängerzone, das bislang als Schmuddelecke gilt, soll optisch aufgewertet werden und das Tor zur Stadt sein. Doch das Parkhaus ist aus Sicht der Grünen eine Bausünde. Das Museum mit dem denkmalgeschützten Giebel werde durch das Parkhaus „eingequetscht und optisch erdrückt“, befürchten sie.

Das Mach-mit-Museum und die Kunstschule gehören zusammen, sind aber derzeit getrennt voneinander untergebracht: an der Burgstraße und am Georgswall. Beide leiden unter den beengten Verhältnissen. Das neue Domizil an der Osterstraße soll für 3,44 Millionen Euro umgestaltet werden. 90 Prozent davon kommen aus Fördermitteln von Bund und Land.

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