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Krabben oder Granat: Was ist denn nun richtig?

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 14.07.2021 20:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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In den Restaurants werden Krabben serviert, der Fischhandel hat Granat im Angebot. Aber was ist der richtige Begriff? Unsere Zeitung hat Fachleute aus Ostfriesland dazu befragt.

Was und warum

Darum geht es: Die Nordseegarnele hört in Ostfriesland auf viele Namen.

Vor allem interessant für: Leute, die gerne Meeresfrüchte essen, und Menschen, die sich für regionale Spezialität und Eigenarten interessieren.

Deshalb berichten wir: Die Frage taucht immer wieder auf: Heißt es nun Krabben oder Granat? Wir haben Fachleute aus der Region dazu befragt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Emden/Greetsiel - Ob Krabbenbrötchen oder Krabbenfischer: Mit der „Krabbe“ sind Feinschmecker und Urlauber an der ostfriesischen Küste scheinbar in einem sicheren Fahrwasser. Aber damit ist das so eine Sache: Denn die Ostfriesen nennen die Delikatesse von der Nordseeküste seit jeher eigentlich Granat. Doch dieser Begriff gerät zunehmend in Vergessenheit und droht, komplett in der Versenkung zu verschwinden. Was ist aber nun richtig? Unsere Zeitung hat Fachleute befragt.

Einer, der es wissen müsste, ist Gerold Conradi. Der 59-Jährige ist Kutterfischer in dritter Familiengeneration und Sprecher der Greetsieler Fischer. „Wir Fischer sprechen nur von Granat“, sagt er. Auch bei anderen Einheimischen aus seinem Dorf sei das so. Im Plattdeutschen gebe es keinen anderen Begriff dafür als „Granaat“, Krabben könne man auf Platt nicht sagen. Junge Greetsieler würden ebenfalls nicht von Krabben sprechen. Andererseits kennt Conradi aber keine Speisekarte von Restaurants seines Heimatdorfes, auf denen noch Granat angepriesen wird.

Die „Costa Granata“ ist Geschichte

Eine solche Speisekarte findet man auch in Emder Restaurants nicht. Rainer Ahlers, Inhaber und Küchenchef des für gute Fischgerichte bekannten Hotel-Restaurants „Goldener Adler“, erklärt das damit, dass mit Krabben die gepulte Ware, und mit Granat die ganzen Krebstierchen mit Schale gemeint sind. Seine Kollegin Birgit Kolb-Binder von der Insel Langeoog, die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Ostfriesland ist, sagt hingegen, mit Granat könne kein Tourist etwas anfangen. „Ich kann mich nicht erinnern, es mal auf einer Karte gefunden zu haben“, sagt sie.

Das war nicht immer so. Zumindest noch vor etwa 30 Jahren trat die ostfriesische Küste noch als „Costa Granata“ in Konkurrenz zu Urlaubszielen in südlicheren Gefilden. Diese an Namen spanischer Küstenabschnitte angelehnte Wortschöpfung leitete sich natürlich vom Granat ab, denn dieser Begriff für die kleinen und nussig schmeckenden Garnelen war damals noch weit verbreitet.

Fischhandel bleibt beim Granat

Heute würden Werbefachleute damit vermutlich keinen Gast mehr an die Nordsee locken. Das muss auch Rainer Gerdes einsehen. Der 65-Jährige leitet die Touristik bei der Tochtergesellschaft der Stadt Emden für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. Als gebürtiger Carolinensieler hat er den Granat quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen. Für ihn gebe es keinen anderen Begriff. Vielmehr hat er die Hoffnung, „dass Touristen bei uns lernen, was er bedeutet“.

Zumindest der Fischhandel hält an der ostfriesischen Version fest - zumindest etwas abseits der bei Feriengästen beliebten Küstenorte und Sielhäfen. In Emden zum Beispiel: Im Geschäft von Fisch-Feinkost Klaassen an der Auricher Straßen weisen Preisschilder und Werbeaufsteller nur auf Greetsieler Granat hin, den Begriff Krabben findet man allenfalls auf den Angebotstafeln der Fischbrötchen. „Wir kennen das gar nicht anders“, sagen die Inhaber Dieter und Petra Klaassen. „Wenn Kunden Granat verlangen, wissen wir, dass sie frische und ungepulte Ware wollen“, so die Chefin. Wer hingegen Krabben verlange, wolle in der Regel nur das gepulte Fleisch der Garnelen. „Bei Touristen müssen wir aber schon mal den Unterschied erklären“, so die Klaassens.

Das sagt der Duden

Auch Annegret Schulz von der Pewsumer Fischhandlung Schulz, die mit ihren Verkaufswagen fünf Wochenmärkte der Region beschickt, hält an der Tradition fest: „Wir sind Ostfriesen und sagen Granat oder auf Plattdeutsch ,Grnaat’.“ Und dabei bleibe es auch. Erklärungsbedarf bei Kundinnen und Kunden habe sie noch nicht festgestellt, so Schulz.

Damit wäre auch geklärt, dass die Bezeichnung Granat nicht aus dem Plattdeutschen kommt. Das Plattdeutsch-Online-Wörterbuch der Ostfriesischen Landschaft übersetzt das hochdeutsche Wort „Granat“ mit „Granaat“. Es bedeute: kleiner Krebs.

Und was sagt der Duden? Demnach kommt das Wort Granat aus dem Niederdeutschen. Es sei eine Entlehnung des flämischen Begriffs „grenaat“ . Die Dudenredaktion beschreibt die Bedeutung so: „in küstennahen Gewässern des Nordatlantiks und seiner Nebenmeere vorkommende Garnele“.

Damit ist noch ein Begriff im Spiel. Eine Garnele ist laut Duden ein Krebs mit langen Fühlern, schlankem, seitlich abgeflachtem, meist durchsichtigem Körper und langem, kräftigem Hinterleib. Aber egal, ob sie nun Krabbe, Granat oder Krebs genannt wird: Gut schmecken tut sie allemal.

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