Unglück
Flugzeugabsturz vor Norderney: 65-jähriger Pilot stirbt
Bei einem Flugzeugunglück vor Norderney ist am Montag der Pilot ums Leben gekommen. Die anderen Insassen hatten Glück im Unglück: Sie waren zuvor mit ihren Fallschirmen abgesprungen.
Norderney - Ein 65 Jahre alter Mann ist am Montag bei einem Flugzeugunglück vor Norderney ums Leben gekommen. Das bestätigen die Polizei und weitere zuständige Behörden auf Nachfrage unserer Zeitung. Laut Jens Friedemann und Julian Ritz, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) beziehungsweise der zuständigen Polizei-Pressestelle in Aurich, handelt es sich bei der Maschine um eine einmotorige Cessna 208. Sie war von Borkum aus Richtung Norderney gestartet, wo der Pilot eine Gruppe Fallschirmspringer absetzte. Beim anschließenden Landeanflug stürzte er dann gegen 13 Uhr ins Wasser. Ein Augenzeuge alarmierte die Rettungskräfte.
„Durch die Seenotleitung Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde sofort ein umfangreicher Rettungseinsatz koordiniert und durchgeführt“, so die Polizei. Der Rettungshubschrauber Christoph 26 beteiligte sich am Unglücksort an den Suchmaßnahmen. Die Hubschrauber von SAR, Northern Rescue sowie von der Polizei Niedersachsen wurden ebenfalls angefordert, konnten jedoch vor dem Eintreffen wieder abbestellt werden.
Fallschirmsprung-Anbieter äußern sich
Der DGzRS und der Polizei zufolge rückten zudem die Seenotrettungsschiffe „Eugen“ von Norderney, „Elli Hoffmann-Röser“ von Baltrum und „Otto Diersch“ von Norddeich aus – ebenso wie ein Behördenschiff des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Ems-Nordsee. Auch Taucher und die Wasserschutzpolizei waren am Einsatzort, der sich laut der Schiffs-Nachverfolgungs-Website www.marinetraffic.com wenige Kilometer südlich von Norderney befand. Darüber hinaus beteiligten sich zwei zivile Schiffe an der Mission, deren Besatzung versuchte, das Flugzeug mit einem Tau vor dem Untergang zu bewahren.
Jörg Bendixen, Veranstalter der jährlichen Fallschimspringer-Aktion „Ostfriesland Boogie“, erfuhr nach eigenen Angaben erst durch unsere Redaktion von dem Absturz. Mit seiner Veranstaltung habe sie nichts zu tun gehabt, zumal diese bereits am Sonntag zu Ende gegangen sei. Eine weitere Fallschirmspringer-Veranstaltung wird beziehungsweise wurde hingegen in diesen Tagen von einem anderen Fallschirmsport-Unternehmen aus dem Landkreis Vechta organisiert. Auch dort hieß es auf Nachfrage, dass keine der eigenen Maschinen betroffen sein soll – obwohl ein Flugzeug dieser Firma zum Unglückszeitpunkt in genau diesem Bereich unterwegs war und plötzlich vom Radar verschwand. Das geht aus der Flugzeug-Nachverfolgungs-Software Flightradar 24 hervor.
Ermittler suchen nach Zeugen
Hermann Poppen ist der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Ems-Nordsee. Auf Nachfrage sagte er am Nachmittag, dass der Tonnenleger „Norden“ vor Ort im Einsatz ist. Man versuche, das Flugzeugwrack an Bord zu hieven und zur weiteren Untersuchung an Land zu bringen. Es soll laut DGzRS zuerst nach Norderney gebracht werden. Auch am Abend waren die „Norden“ und die „Eugen“ noch an der Unglücksstelle. „Die Gezeiten im Wattenmeer und der Zustand des Flugzeugwracks erschweren die Bergung“, so die Polizei.
Der Zentrale Kriminaldienst der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig haben die Ermittlungen zur Absturzursache aufgenommen. Personen, die Hinweise geben können, werden darum gebeten, sich unter der Telefonnummer 04941/606215 zu melden.
So geht es jetzt mit den Untersuchungen weiter
Wie BFU-Sprecher Jens Friedemann auf Nachfrage mitteilt, sind derzeit drei Ermittler der Bundesstelle vor Ort: „Sie überprüfen zunächst die Vollständigkeit des Wracks.“ Danach schaue man sich unter anderem die Abbruchstellen an, an denen man erkennen könne, ob Flugzeugteile schon vorher marode waren oder allein durch die Wucht des Aufpralls gebrochen sind.
Zudem gehe man vielen weiteren Fragen nach: Wann und wie wurde der Flieger gewartet? Wurden alle Vorgaben eingehalten? Über wie viel Flugerfahrung verfügte der Pilot? Wie oft war er zuletzt geflogen und wie war sein Gesundheitszustand? Bis ein endgültiges Untersuchungsergebnis vorliegt, dauere es im Durchschnitt ein Jahr. Das könne aber von Fall zu Fall anders sein, so Friedemann.