Die Ansteuerungstonne „Westerems“ ist zurück an ihrem Platz am Emder Falderndelft. Das Wahrzeichen wurde aufwendig saniert. In einer neuen Serie betrachten wir die Geschichte der Seezeichen.
Emden - Sie sind aus dem Emder Stadtbild nicht wegzudenken: die Seezeichen. In lauen Sommernächten treffen sich Musikfans sonst an der „Tonne“ beim Neuen Markt für die „Summer in the City“-Konzerte. Bei der Fischbude am Hafentor flattern Fahnen an einem sehr erdverbundenen ehemaligen Schiffsmast. Und der Anker am Delft bietet so manchen Fotografie-Fans ein besonderes Motiv. Aber welche Geschichte steckt in den maritimen Überbleibseln? Dem wollen wir in einer neuen Serie auf den Grund gehen. Den Anfang macht die Ansteuerungstonne „Westerems“. Die ist nämlich zurück an ihrem Platz an der Falderndelft-Promenade.
Im April sah die Westerems-Ansteuerungstonne noch schmuddlig aus. Die beiden Auszubildenden Insa Richter (links) und Saskia Volders haben das geändert. Foto: Archiv/Hanssen
Im April dieses Jahres war das Seezeichen, das in die Jahre gekommen war, abgebaut worden. In einem Gemeinschaftsprojekt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) und dem landeseigenen Hafenbetreiber Niedersachsen-Ports (N-Ports) hatten deren Auszubildenden Insa Richter und Saskia Volders die Sanierung geplant, beaufsichtig und auch fristgerecht abgeschlossen. Jetzt erstrahlt das Wahrzeichen wieder in frischem Rot und Weiß. Und: Die Seelaterne, die früher weithin für Schiffe sichtbar war, soll jetzt wieder leuchten können - allerdings mit milderem Licht, um vorbeifahrende Autos nicht zu blenden. Ein Anschluss an einen Stromkasten in der Nähe soll es möglich machen. Obwohl sie jetzt schon steht, wird die Glockentonne am kommenden Montag offiziell eingeweiht, wie N-Ports mitteilt.
Seezeichen machen Emder Hafen „erlebbarer“
Dass die „Westerems“-Tonne den Emderinnen und Emdern nicht egal ist, zeigen die vielen Anrufe beim stadteigenen Beschwerdemanagement, bei dem der vor der Sanierung noch schäbige Zustand des Seezeichens angeprangert wurde. Das sprach Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) beim Abbau der Tonne an. Damals betonte er auch die Wichtigkeit der Tonne: „Es ist ein Zeichen, dass wir eine Seehafenstadt sind.“ Der Hafen solle insgesamt „erlebbarer“ sowie die Arbeits- und Ausbildungsplätze in den Hafenbetrieben sichtbarer werden.
Seit November 1985 steht die "Westerems"-Ansteuerungstonne am Falderndelft. Foto: Archiv
Die „Westerems“-Tonne wurde 1918 in Berlin gebaut. Mit ihren 14,9 Metern Länge wiegt sie stolze 10,9 Tonnen. Eine 75 Meter lange und gute 39 Millimeter dicke Kette mit einem fünf Tonnen schweren Anker hielt sie an Ort und Stelle. Denn: Ganze 62 Jahre tat die Ansteuerungstonne ihren Dienst zwölf Seemeilen nördlich der Insel Borkum. Dort wies sie Schiffen auch bei Nacht den Weg. Damals wurde die Seelaterne mit Propangas betrieben. Mit einer Füllung von knapp 300 Kilogramm Gas konnte die Laterne fast zwei Jahre lang brennen, bis ein „Nachtanken“ nötig wurde. Bis 1980 galt sie als größte Ansteuerungstonne Deutschlands. Ihre Schwestertonne, die ebenfalls den Schriftzug „Westerems“ trägt, steht übrigens am Neuen Markt - und ist die oben genannte Musik-„Tonne“.
Im November 1985 wurde das Seezeichen an den Falderndelft verfrachtet. Ein Autokran hob es auf ein vorbereitetes Fundament, wie diese Zeitung damals berichtete. Die Trägerschaft hat der Nautische Verein zu Emden. Die Initiative und auch die Idee gingen von Dettmar Kramer aus dem Verein aus. Der hatte sich zuvor bereits dafür starkgemacht, dass der Anker vor dem Rathaus sowie auch der Signalmast beim Hafentor ausgestellt wurden.
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