Unglück
Wrackteile werden jetzt in Norden untersucht
Nachdem am Montag ein Pilot bei einem Flugzeugabsturz vor Norderney ums Leben kam, wurden jetzt die ersten Wrackteile zum Norddeicher Hafen gebracht. Noch immer liegen jedoch Teile im Wasser.
Was und warum
Darum geht es: Am Montag ist ein Flugzeug vor Norderney ins Meer gestürzt. In diesem Artikel geht es um das weitere Vorgehen.
Vor allem interessant für: Leute, die sich für das Schicksal der Betroffenen und für eine in dieser Region nicht alltägliche Untersuchung interessieren
Deshalb berichten wir: Der Absturz hatte am Montag zu einem Großeinsatz geführt und viele Leute waren darauf aufmerksam geworden. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Am Montag hatte es noch geheißen, dass das in mehrere Teile zerbrochene Flugzeug nach Norderney gebracht werden soll. Am Dienstag wurde das Heck jedoch im Osthafen von Norddeich untersucht. Der vordere Bereich, also auch das Cockpit und der Motor, befindet sich hingegen noch immer unter Wasser, sagt Günther Rohe unserer Zeitung auf Nachfrage. Er ist Leiter des Fachbereichs Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ems-Nordsee und bestätigt, dass es Probleme bei der Bergung des Wracks gibt. So hatten Taucher der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) aus Norden am Montag versucht, es für die Bergung zu befestigen. Allerdings gelang es nur, das Heck an Bord des WSA-Schiffes „Norden“ zu heben. Der Bug hingegen wurde 20 Meter aus dem Fahrwasser herausgeschleppt, gesichert und an der Oberfläche markiert. Auch eine Verkehrswarnung an die Schifffahrt erfolgte. Gefahrenstoffe laufen nach Kenntnis des WSA nicht aus.
Weitere Teile sollen diesen Mittwoch geborgen werden
Am Dienstag sollte laut Rohe ein weiterer Bergungs-Versuch mithilfe eines Spezialschiffs des Hafenbetreibers Niedersachsen-Ports (N-Ports) folgen. „N-Ports hatte jedoch keine dafür geeignete Besatzung vor Ort“; hieß es am späten Nachmittag. Darum habe man jetzt die Versicherung des Flugzeughalters angewiesen, sich selbst um die Bergung zu kümmern. Schon an diesem Mittwochmorgen soll es so weit sein: Ein Bagger soll auf einem Schiff der AG Reederei Norden-Frisia an die Unglücksstelle gebracht werden, um mithilfe eines Greifers den Bug hochzuholen, kündigt Grohe an.
Jens Friedemann ist Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig. Diese ist für die Untersuchung von Flugunfällen in Deutschland sowie von deutschen Fluggesellschaften und Maschinen zuständig, die hier zugelassen worden sind. Laut der BFU-Statistik sind alleine im vergangenen Jahr 31 Menschen bei 24 zivilen Flugunfällen in Deutschland ums Leben gekommen. In allen Fällen folgten umfangreiche Untersuchungen, die auch jetzt wieder anstehen.
Appell an mögliche Wrackteil-Finder
So kündigt Friedemann auf Nachfrage zunächst eine vermutlich zwei- bis dreitägige Wrack-Untersuchung vor Ort an. In Sonderfällen könne es aber auch eine Woche dauern. Bei der jetzt noch anstehenden Teilbergung könne es vorkommen, dass weitere Teile vom Flugzeug abbrechen oder beschädigt werden, weshalb im Idealfall BFU-Gutachter dabei zusehen. Immerhin müssen sie nachvollziehen können, welche Teile bei der Bergung, beim Aufprall oder gegebenenfalls schon in der Luft beschädigt waren beziehungsweise wurden, erklärt Friedemann. Nach der Dokumentation folge eine detaillierte Untersuchung, bis in etwa einem Jahr der Abschlussbericht vorliegen soll. Man untersuche bis dahin nicht nur das Wrack, sondern beleuchte auch die Gesundheits- und Flugakte des Piloten sowie den zuletzt bekannten Zustand der Cessna. Darüber hinaus werden das Radar und der Funkverkehr ausgewertet.
Auch wenn versucht wird, möglichst alle Wrackteile aufzuspüren, könne es vorkommen, dass einige erst nach Jahren oder überhaupt nicht mehr auftauchen. Friedemann bittet daher Strandbesucher darum, die Polizei zu verständigen, falls sie Wrackteile finden sollten. Laut Julian Ritz, stellvertretender Pressesprecher der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, sind unterdessen bereits mehrere Hinweise von Augenzeugen des Absturzes eingegangen. Man stehe im Austausch mit der Staatsanwaltschaft Aurich.
Unterdessen zeichnet sich ab, dass das betroffene Flugzeug zur Flotte eines Fallschirmsprung-Unternehmens mit Sitz in Nordrhein-Westfalen gehört. Das ergibt der Abgleich der Flugnummer und der Firmenbeschriftung. Offenbar ist jedoch auch ein Fallschirmspringerclub aus demselben Bundesland in den Vorfall verwickelt. Dieser wollte sich auf Nachfrage mit Verweis auf die betroffenen Familien und deren Angehörigen nicht zu dem Vorfall äußern.