Absturz

Nach Unglück vor Norderney: Zweiter Teil vom Flugzeugwrack geborgen

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 28.07.2021 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vom vorderen Teil der Maschine ist nicht mehr viel übrig.
Vom vorderen Teil der Maschine ist nicht mehr viel übrig.
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Vor Norderney ist es jetzt gelungen, den zweiten Teil des am Montag abgestürzten Flugzeugs aus der Nordsee zu ziehen. Ein DLRG-Taucher berichtet indes, wie die Bergung des Piloten ablief.

Norderney/Norddeich - Zwei Baggerführern der Großheider Gerold Kröger GmbH ist es am Mittwochvormittag vor der Südküste von Norderney gelungen, den vorderen Teil einer Cessna 208 Caravan aus dem Meer zu ziehen. Das bestätigen das Unternehmen sowie die AG Reederei Norden-Frisia auf Nachfrage. Diese hatte das Bergungsteam mit ihrem Frisia-VIII-Frachter zu der Unglücksstelle gebracht. Dort war am Montag der 65-Jährige Pilot der Maschine ums Leben gekommen, der nun laut der Staatsanwaltschaft in Aurich obduziert wird. „Ein Ergebnis liegt noch nicht vor“, so die stellvertretende Behördensprecherin Daja Rogga am Mittwochmorgen. Was die Gruppe von Fallschirmspringern angeht, die der Pilot kurz zuvor über der Insel herausgelassen hatte, soll es sich nach Kenntnis von Jens Friedemann, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig, um drei Personen gehandelt haben. Platz hätte die Maschine laut der Website ihres Halters für maximal 15 Springer gehabt.

Die Gerold Kröger GmbH holte die Wrackreste am Mittwoch aus dem Wasser. Fotos: Privat
Die Gerold Kröger GmbH holte die Wrackreste am Mittwoch aus dem Wasser. Fotos: Privat
Laut Gerold Kröger, Firmenchef der Großheider Transportfirma, kamen am Mittwoch unter den Augen der BFU und der Polizei ein 30 Tonnen schwerer Langarmbagger und ein 25-Tonnen-Bagger mit sogenanntem Sortiergreifer zum Einsatz, die den zuvor abgesicherten Wrackteil an Bord holten. Die vorherigen Bergungsversuche, an denen Schiffe des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Ems-Nordsee und von N-Ports beteiligt waren beziehungsweise werden sollten, waren nämlich gescheitert. Das Heck hingegen wurde bereits zuvor von BFU-Ermitteln im Norddeicher Hafen in Empfang genommen. Inzwischen sollen alle Teile auf dem Norder Betriebsgelände des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) liegen, sagte die Norder Polizei am Mittwochnachmittag. Laut Friedemann hat sich die BFU indes dazu entscheiden, das Triebwerk und das Cockpit mit dem Instrumentenbrett zur näheren Untersuchung zur Zentrale nach Braunschweig zu schicken. Auch die ersten Radardaten habe die Flugsicherung inzwischen zur Verfügung gestellt. Günther Rohe, Leiter des Fachbereichs Schifffahrt beim WSA, kündigt unterdessen an, ein Peilfahrzeug zu entsenden. Es soll die Unglücksstelle auf mögliche weitere Wrackteile untersuchen, die noch in der Nordsee liegen könnten. Wenn die Arbeit erledigt sei, werde man auch den Warnhinweis für die Schifffahrt zurücknehmen, so Rohe.

Bergung des Piloten dauerte Stunden

Neue Details gibt es auch zur Bergung des verstorbenen Piloten, die sich als schwierig erwies. Siegfried Wienrank, einer der beteiligten Taucher der DLRG-Ortsgruppe Norden, bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es ein „äußert emotionaler Einsatz“ gewesen sei. Gegen 16 Uhr seien die sechs Taucher alarmiert und von der DGzRS im Norddeicher Hafen abgeholt worden. Das Flugzeug sei beim Aufprall auf das Wasser im Wesentlichen in zwei große Hälften zerbrochen und erst nach etwa zweistündiger Suche habe man mithilfe der Seenotretter das zerstörte Cockpit samt Flugzeugführer orten können. Wegen der starken Strömung und weil der Rumpf zerborsten war, habe sich die Bergung jedoch weiter verzögert und man habe verschiedene Techniken ausprobieren müssen. Erst gegen 1 Uhr habe man den Leichnam des Baden-Württembergers an die Polizei und die Norderneyer Feuerwehr übergeben können, so Wienrank.

Abstürze mit kleinen Maschinen kommen in Ostfriesland im Schnitt jährlich oder zumindest alle paar Jahre vor. Vielen Borkumern dürfte vor allem das Jahr 1983 in Erinnerung bleiben, als anlässlich eines Flugtags auf der Insel eine Cessna mit acht Menschen an Bord ins Watt stürzte und explodierte. Alle Insassen starben. Betrachtet man die jüngere Vergangenheit, so stürzte beispielsweise im Mai 2019 ein weiteres Kleinflugzeug bei Hooksiel über der Nordsee ab, das von der Insel Wangerooge in Richtung Hannover gestartet war. An Bord sollen sich zwei Männer befunden haben, die bis heute als vermisst gelten. Das bestätigt die BFU auf Nachfrage. „Unfallstellen auf See stellen immer ein Problem dar“, so Friedemann. Im September vergangenen Jahres krachte zudem ein damals 68-Jähriger in der Nähe des Borkumer Flugplatzes auf den Boden. Der Bielefelder überlebte mit schweren Brandverletzungen.

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