Bildung

Emden will bei Lüftungsanlagen für Schulen und Kitas vorpreschen

| | 29.07.2021 19:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Land Niedersachsen fördert jetzt doch Lüftungsgeräte in Klassenräumen. Die Erwartungen sind hoch. Foto: Sven Hoppe/dpa
Das Land Niedersachsen fördert jetzt doch Lüftungsgeräte in Klassenräumen. Die Erwartungen sind hoch. Foto: Sven Hoppe/dpa
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Nach vielem Hin und Her fördert das Land Niedersachsen jetzt doch den Einsatz von Lüftungstechnik an Schulen. Emden will beim Ansturm auf Geräte ganz vorne sein – und noch einen Schritt weitergehen.

Was und warum

Darum geht es: Jetzt findet das Land Niedersachsen Lüftungstechnik an Schulen doch sinnvoll. Obwohl über die Förderung dieser noch nicht viel bekannt ist, hat die Stadt Emden schon ein Konzept - und steht damit in den Startlöchern.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Politik- und Schulinteressierte

Deshalb berichten wir: Die Stadt Emden hatte kurzfristig zu einem Pressegespräch eingeladen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Emden - Der Ansturm auf Lüftungstechnik dürfte kurz bevorstehen. Nachdem das Land Niedersachsen mitgeteilt hatte, dass sie an Schulen die Technik zur Verbesserung der Raumluft fördern wird, stehen die Kommunen in den Startlöchern. Die Stadt Emden will sich an die Spitze setzen und hat schon einmal ein Konzept erarbeitet, bevor die Förderrichtlinien überhaupt feststehen.

Sobald die Bedingungen des Landes vorliegen, will die Kommune sofort in die vereinfachte Ausschreibung gehen und unter den Anbietern schnellstmöglich den passendsten aussuchen, der die Geräte liefern soll. Das könne in einem Zeitraum von drei bis fünf Wochen gehen. „Es ist wichtig, dass die Geräte dann auch lieferbar sind“, betont Erster Stadtrat Horst Jahnke in einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch: „Wir müssen deswegen schnell loslegen.“

Das vorbereitete Konzept schließt auch Kindertagesstätten ein, deren Ausstattung das Land bislang nicht fördert. Emdens Motto laute „Kids first“, also Kinder zuerst, bekräftigt Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos). „Die Kinder haben besonders unter der Pandemie gelitten“, meint er. Oberstes Ziel der Stadt bleibe es deshalb, einen Präsenzunterricht für Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten sowie auch den Kita-Kindern den Besuch ihrer Einrichtungen zu ermöglichen. Gleichzeitig müsse für die Sicherheit gesorgt und das Infektionsgeschehen bestmöglich minimiert werden – durch das Prinzip „Lüften, Testen, Filtern“.

85 Klassenräume zunächst im Fokus

Vom Land gefördert werden vorerst nur Schulräume der Jahrgänge 1 bis 6. Den Mädchen und Jungen dieser Stufen könne nämlich bislang kein Impfangebot gemacht werden, erklärt Kruithoff. Auch gelte dabei, dass es um Zimmer gehe, die kaum oder nur schlecht gelüftet werden können.

Das betrifft unter anderem Räume oberhalb des Erdgeschosses, wo nur auf Kipp gelüftet werden darf. Das sind nach Rechnung der Stadt 85 in Emden, so Thomas Sprengelmeyer, Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Sport. Kurzfristig sollen diese für rund 144.000 Euro mit UV-C-Filtergeräten ausgestattet werden. Diese Geräte filtern die Luft und zerstören Viren sowie Bakterien darin durch UV-Strahlen. Der Vorteil der Anlagen sei, dass sie wartungsarm und leise seien.

„Die Lösung muss schnell umzusetzen sein“, sagt Harry Smit, Bereichsleiter beim Gebäudemanagement. Feste Lüftungsanlagen zu installieren, sei in so kurzer Zeit „völlig unmöglich“ und bei energetisch modernen Schulen völlig widersinnig, so Kruithoff.

Langfristig sollen ab 2022 im Budget des Gebäudemanagements der Stadt 100.000 Euro eingeplant werden, um damit Schulen weiter mit Blick auf die Raumluftqualität zu ertüchtigen. Bereits vorhandene Luftentkeimer und -filtergeräte, die durch Eigenleistung der Eltern und Förderer für die Einrichtungen angeschafft wurden, sollen parallel eingesetzt werden – etwa in „hochfrequentierten Räumen“, so Kruithoff. Alle allgemeinen Klassenräume und Fachunterrichtsräume sollen zudem Raumlufttester bekommen, die warnen, sobald der Kohlenstoffdixod-Gehalt zu hoch ist und dringend gelüftet werden muss. Die Kosten liegen dafür bei 28.000 Euro. Wenn das Land – wie angekündigt – 80 Prozent der Gesamtkosten für Filter- und Testgeräte übernimmt, liegt der Eigenanteil der Stadt bei rund 34.400 Euro.

Land stellt Kommunen vor Herausforderung

Weil das Land bislang verneint, auch Kitas mit Lüftungstechnik auszustatten, will die Stadt das in Eigenregie gewährleisten. Derzeit werde noch ermittelt, wie viele Räume das betreffen würde, so Sprengelmeyer. Viele der Kita-Träger seien derzeit schlecht zu erreichen. Und: „In Kitas sind die meisten Räume unten.“ Das Lüften könnte dort also leichter sein. Innenliegende Flure, Räume und obere Stockwerke aber bräuchten sowohl Test- als auch die UV-C-Geräte. „Es sind 20.000 Euro dafür vorgesehen“, so Kruithoff. Die Stadtwerke und die Sparkasse Emden wollen jeweils 5000 Euro beisteuern.

Der Oberbürgermeister kritisiert das Vorgehen des Landes. Dass die Lüftungstechnik nun gefördert werde, sei erst kurz vor den Sommerferien ohne vorherige Mitwirkung der Schulträger öffentlich angekündigt worden. Dadurch seien Erwartungen geweckt worden, dass zu Schuljahresbeginn alle Einrichtungen ausgestattet sein werdenm. Das erhöhe den zeitlichen und den finanziellen Druck auf die Schulträger enorm. Ob die Kommunen diese Erwartungen erfüllen können, hänge davon ab, wann Hannoverdie Richtlinien bekannt gibt.

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