Innenstadtverkehr
Das Experiment Neutorstraße löst eine heftige Debatte aus
Der Vorstoß der Stadt, den Autoverkehr auf der Neutorstraße weiterhin versuchsweise einzuschränken, stößt auf Kritik, findet aber auch Zustimmung. So ist der Diskussionsstand.
Was und warum
Darum geht es: Die Stadt will eine Mobilitätswende in der Emder Innenstadt einleiten. Der erste Aufschlag sorgt für eine kontroverse Diskussion.
Vor allem interessant für: Fußgänger, Rad- und Autofahrer sowie alle Akteure in der Emder Innenstadt
Deshalb berichten wir: Die Stadt stellte am Mittwoch der Politik und unserer Redaktion ihre Pläne für die Neutorstraße vor. Seitdem wird darüber in der Stadt heftig diskutiert. Wir greifen das auf und haben auch die Spitzen der Fraktionen im Rat dazu befragt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Das plant die Stadt
Demnach soll das „Experiment Neutorstraße“ in die Verlängerung gehen. Gemeint ist die halbseitige Sperrung für den Autoverkehr. Seit etwa anderthalb Jahren können Kraftfahrzeuge diese Innenstadtachse nur noch aus Richtung Rathausplatz befahren. Notwendig geworden war das wegen des Baus der Neutor-Arkaden, der jetzt dem Ende entgegengeht.
Die Stadt will zunächst aber an der Einspurigkeit festhalten. Um die Hauptverkehrsachse, die die Fußgängerzonen der Innenstadt durchschneidet, zusätzlich zu beruhigen und zu entschleunigen, sollen zwei Fußgängerampeln abgeschaltet werden. Geplant ist, dem Fußgang mit auffällig gelben Zebrastreifen Vorrang zu geben.
Vorgesehen ist auch ein sogenannter Pop-up-Radweg. Dafür soll der bestehende Radweg auf der Stadtgarten-Seite vorübergehend verbreitert und ebenfalls farblich markiert werden. Geländer und Fahrradständer, die den Gehweg unter den Arkaden von der Fahrbahn trennen, sollen beseitigt werden. Das alles ist zunächst als Versuch gedacht, dessen Ergebnisse in eine große Lösung für eine neue Verkehrsführung einfließen sollen. Fest zementiert ist damit noch nichts.
Das sagen die Kritiker
In der Öffentlichkeit wird seit einigen Tagen heftig und teils auch emotional darüber debattiert. In den sozialen Medien überwiegen dabei eindeutig die kritischen Stimmen. Einige befürchten einen Kollaps des Verkehrs in der Stadtmitte. Die Belastungsgrenze sei jetzt erreicht, heißt es.
Für viele kommt der Versuch auch zum falschen Zeitpunkt, zumal noch die Trogstrecke gesperrt ist. Die Folge sei, dass sich die Autos durch die Innenstadt quälen und es zu Rückstaus komme. Tatsächlich hat sich der Verkehr im Zentrum seit dem Ende des jüngsten Shutdowns wieder spürbar verdichtet. Das zeigt sich vor allem in der Straße Agterum und auf mehreren Abschnitten der Neutorstraße, die auch außerhalb der Stoßzeiten häufig verstopft sind.
Das sagen die Befürworter
Befürworter des Experiments heißen es hingegen gut, Radfahrern und Fußgängern im Zentrum mehr Platz und Vorrang zu geben. Mit dem Autobahnring und künftig auch wieder der Trogstrecke gebe es genug Möglichkeiten, die Innenstadt zu umfahren, sagen sie. Ein weiteres Argument: Autos in den Innenstädten seien nicht mehr zeitgemäß.
Die Diskussion um die Verkehrsführung in der Neutorstraße ist nicht neu. Schon seit vielen Jahren ringen der Einzelhandel, die Politik und die Stadtverwaltung um Lösungen. Es gab bereits viele unterschiedliche Vorschläge dafür.