Abfall
Einsatz der Müllpolizei macht sich bezahlt
Der Bioabfall im Landkreis Aurich ist sauberer geworden – eine Folge der Kampagne „Trenn dich korrekt“. Doch die interessantesten Zahlen der Auswertung behält der Abfallwirtschaftsbetrieb für sich.
Aurich - Der Einsatz der Müllpolizei im Landkreis Aurich macht sich bezahlt: Nach Angaben des Abfallwirtschaftsbetriebs enthält der eingesammelte Bioabfall mittlerweile deutlich weniger Störstoffe. So bezeichnen Fachleute Dinge, die nicht in die Biotonne gehören, insbesondere Plastiktüten. Mit der Kampagne „Trenn dich korrekt“ will der Abfallwirtschaftsbetrieb die Leute zu einer besseren Mülltrennung bewegen. Ob aber beispielsweise in der Stadt Aurich besser sortiert wird als in der Gemeinde Großefehn, in Wiesmoor besser als in Südbrookmerland, das verraten die Verantwortlichen nicht – obwohl sie es wissen.
„Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagt Pressesprecher Yves Knoblich. Zu Beginn der Kampagne seien 15 bis 20 Prozent der Biotonnen falsch befüllt gewesen, mittlerweile sei der Anteil auf einen einstelligen Prozentbereich gesunken. Die Auswertung läuft noch. Genaue Zahlen sollen in einer Gesellschafterversammlung Anfang September vorgelegt werden.
„Das muss jedem klar sein“
Seit Februar setzt der Abfallwirtschaftsbetrieb im ganzen Kreisgebiet Mülldetektive ein. Geschulte Mitarbeiter laufen neben den Müllfahrzeugen her und kontrollieren vor der Leerung den Inhalt der Biotonnen. Wenn dort zu viele Störstoffe enthalten sind, gibt’s zunächst als Verwarnung einen gelben Zettel unter den Tonnendeckel geklemmt. In den meisten Fällen werde es danach besser, sagt Knoblich. Wenn nicht, bleibt die Tonne ungeleert, und die Leerung wird trotzdem berechnet. „Wir müssen aber nur sehr selten zu diesem härtesten Mittel greifen“, sagt Knoblich. „Wir merken, dass mit jedem Turnus der Anteil der Tonnen mit Fehlbefüllungen geringer wird.“
Manchmal komme es vor, dass Leute Restmüll oder Spraydosen in die Biotonne werfen, sagt Knoblich. „Das ist ja schon fast Vorsatz. Das muss jedem klar sein, dass das nicht in die Biotonne gehört.“ Aber auch sogenannte Bioplastiktüten seien nicht geeignet, da sie nicht schnell genug verrotteten.
„Wir wollen keine Gemeinde anprangern“
Der Abfallwirtschaftsbetrieb lässt die Kampagne wissenschaftlich begleiten. Im Entsorgungszentrum in Großefehn wird der Inhalt jedes einzelnen Fahrzeugs analysiert. Daher wissen die Verantwortlichen genau, in welchen Gemeinden der Biomüll in grünen Bereich ist und in welchen im gelben oder roten, also mit zu vielen Störstoffen durchsetzt. Theoretisch könnte man also eine Rangliste der Städte und Gemeinden im Landkreis aufstellen. Doch das werde nicht passieren, sagt Knoblich. „Wir wollen keine Gemeinde anprangern.“ Die Daten seien nur für den internen Gebrauch: „Damit wir wissen, wo wir noch ein bisschen mehr gegensteuern müssen.“ Die Qualität der Bioabfälle sei jedoch flächendeckend besser geworden, versichert Knoblich. „Es ist kein Bereich dabei, den ich als Sorgenkind bezeichnen würde.“
Völlig ohne Störstoffe werde der Bioabfall nie sein, betont der Pressesprecher. Doch mit geringen Anteilen werde die Anlage in Großefehn fertig, die könnten rausgefischt werden. Wenn der Plastikanteil jedoch zu hoch sei, werde der Kompost unbrauchbar und unverkäuflich – was am Ende zu Lasten der Gebührenzahler gehe. Knoblich versichert: „Wir wollen die Leute nicht ärgern. Wir sind sehr dankbar, dass sie sich bemühen.“
Der Kreis Aurich bekommt für die Kampagne Lob aus Expertinnenmund. Verena Gabske vom Beratungsunternehmen Atus (Hamburg) sagt: „Mit Öffentlichkeitsarbeit allein kann man nicht viel bewirken. Kontrollen und Sanktionen sind erforderlich.“ Das hätten Erfahrungen in anderen Kommunen gezeigt.