Kolumne: Digital total
Im Hamsterrad der Technik
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es um Digitales.
Apple ist die erfolgreichste Firma der Welt. Der Konzern hat es dahin geschafft, wo er heute ist, weil es ihm gelungen ist, uns einzureden, wir bräuchten alle ein bis zwei Jahre ein neues Smartphone. Eigentlich ist das natürlich grober Unfug, denn wirkliche Innovation findet auf dem Smartphone-Markt schon lange nicht mehr statt.
Zur Person
Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Trotzdem kaufen viele von uns alle ein oder zwei Jahre ein neues Smartphone. Warum? Sind wir doch mal ehrlich: Das Smartphone ist das Statussymbol unserer Epoche. Was früher der dicke Wagen in der Einfahrt war, ist jetzt das glänzende Gadget in der Hand. Der dicke Wagen ist jetzt verpönt, weil er das Klima belastet – mit überflüssigen Technik-Käufen hingegen kann man immer noch auf der Cocktail-Party angeben.
Absurd, angesichts der katastrophalen Umweltbilanz von der Fertigung bis zur Verschrottung von Elektronik. Besonders, wenn diese elektronischen Geräte ständig erneuert werden, obwohl es außer Ego und Kauflust keine guten Gründe dafür gibt.
Apple meldete letzte Woche, dass der globale Chip-Mangel nun auch die Produktion seiner Produkte erreicht habe und mit Lieferengpässen zu rechnen sei. Vielleicht sollten wir diese Gelegenheit mal dazu nutzen, darüber nachzudenken, warum wir immer das neueste Spielzeug haben wollen.
Wie wäre es stattdessen damit, das Smartphone erst zu ersetzen, wenn es kaputt gegangen ist? Ich versuche, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Mein iPhone wird im November vier Jahre alt und ich werde versuchen, es so lange es geht weiter am Leben zu halten.
Kontakt: kolumne@zgo.de