Einzelhandel

Verdi: Schlechte Aussichten für verkaufsoffenen Sonntag

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 02.08.2021 15:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im vergangenen Jahr durfte in der Auricher Innenstadt ein verkaufsoffener Sonntag ausgerichtet werden. Foto: Archiv/Ortgies
Im vergangenen Jahr durfte in der Auricher Innenstadt ein verkaufsoffener Sonntag ausgerichtet werden. Foto: Archiv/Ortgies
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Um den Plan, am 5. September einen verkaufsoffenen Sonntag in Aurich auszurichten, ist es schlecht bestellt. Verdi-Gewerkschaftssekretär Arne Brix ist skeptisch, ob der Anlass rechtskonform ist.

Was und warum

Darum geht es: Für Aurich stehen die Chancen schlecht, einen verkaufsoffenen Sonntag am 5. September auszurichten.

Vor allem interessant für: Für alle

Deshalb berichten wir: Bei dem Vorhaben stand die Stellungnahme der Gewerkschaft aus. Deren Sekretär hat sich am Mittag in der Redaktion gemeldet.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

Aurich - Die Stadt und der Kaufmännische Vereine Aurich (KV) werden aller Voraussicht nach noch an diesem Montag Post von der Gewerkschaft Verdi bekommen. Die darin mitgeteilte Nachricht ist kein Anlass zur Freude. Im Gegenteil. Es sieht nicht gut aus für den ins Auge gefassten verkaufsoffenen Sonntag.

Aurich wollte am 5. September aus Anlass des Kinder- und Familientags von 13 bis 18 Uhr die Geschäfte öffnen – sowohl in der Innenstadt als auch in den Fachmarktzentren am Stadtrand. Der KV wollte den Tag unter das Motto „Auricher Stadtzauber“ stellen, wie der Vorsitzende Udo Hippen berichtete. „Das ist in unseren Augen ein konstruierter Anlass“, sagte Arne Brix. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Handel (Oldenburg) sprach davon, dass der Gesetzgeber einen ausreichenden Grund verlangt, wenn die Geschäfte sonntags geöffnet seien sollen. Als solchen könne man etwa eine Veranstaltung mit einer sehr langen Tradition ansehen. Da die Sonntagsruhe im Grundgesetz verankert sei, seien schon sehr hohe Hürden zu überwinden, um die Veranstaltung auf eine rechtssichere Basis zu stellen.

Kaum Infos zum Kinderfest

Der Gesetzgeber verlange auch, dass sich das Ereignis auf einen klar umrissenen Standort konzentriere. „Deshalb könnte allenfalls die Innenstadt eingebunden werden. Die Gewerbegebiete und Center, die fünf, sechs Kilometer entfernt liegen, können nicht mitmachen“, schätzte Arne Brix. Nach seinen Recherchen fuße der Antrag auf den verkaufsoffenen Sonntag nicht auf einer Traditionsveranstaltung. Über das Kinderfest habe er weder im Internet noch in Zeitungsarchiven Angaben gefunden. „Ich weiß auch nicht, wer das eigentlich ausrichtet“, sagt der Gewerkschaftssekretär.

Diese Aussage verwundert etwas. KV-Chef Udo Hippen hatte nämlich in seinem Antrag folgendes dargelegt: Das Kinderfest werde „als echte Traditionsveranstaltung bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten jeweils Anfang September von den Kaufleuten veranstaltet“ und sei „weit über die Stadtgrenzen Aurichs hinaus bekannt.“ Zusätzlich wollte man Stelzenläufer, Puppenspieler und Straßenmusiker engagieren, die für eine zauberhafte Atmosphäre sorgen. Auch die Schausteller seien eingebunden.

Kompromiss im vergangenen Jahr

Brix betonte im Gespräch mit dieser Redaktion, dass seine Gewerkschaft Kinder- und Familienfeste grundsätzlich begrüße. Allerdings: „In unseren Augen wäre es schön, wenn auch die Eltern aller Kinder mit von der Partie sein könnten.“ Das wäre nicht gewährleistet, wenn von denen etliche im Einzelhandel am Sonntag tätig sein müssten.

Im vergangenen Jahr hatte die Gewerkschaft gegen die Genehmigung des verkaufsoffenen Sonntags zum Familientag geklagt. Die Stadt hatte sich daraufhin mit Verdi auf einen Kompromiss geeinigt: Sie genehmigte die Geschäftsöffnung nur für die Läden im Innenstadtring, nicht für den Caro und die Fachmarktzentren.

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