Wahrzeichen

Für einen Emder sind Flaggenparaden tägliche Routine

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 03.08.2021 06:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Er ist der „Herr der Flaggen“: Horst Langhanke kümmert sich seit 29 Jahren um den Signalmast am Emder Hafentor. Foto: J. Doden
Er ist der „Herr der Flaggen“: Horst Langhanke kümmert sich seit 29 Jahren um den Signalmast am Emder Hafentor. Foto: J. Doden
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Horst Langhanke hisst jeden Morgen 20 Flaggen am Emder Hafentor und holt sie abends wieder ein. Der Signalmast steht seit 38 Jahren dort. Vereine, Firmen und Bürger ermöglichten das maritime Wahrzeichen.

Was und warum

Darum geht es: Die Geschichte der maritimen Wahrzeichen in der Stadt kennen die wenigsten Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste der Stadt.

Vor allem interessant für: Leute, die in Emden wohnen, sowie Gäste, die hier ihren Urlaub verbringen oder als Tagestouristen die Hafenstadt besuchen.

Deshalb berichten wir: In einer Sommerserie rücken wir die „Emder Seezeichen“ in den Blick, erzählen ihre Geschichte und Besonderheiten.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Emden- Es sei „so wie mit einem Hund, der ausgeführt werden will“, sagt Horst Langhanke. Denn zweimal am Tag muss der Rentner ebenfalls raus. Er hält dann zwar keine Hundeleine in der Hand, hat es aber mit Leinen anderer Art zu tun. Der 66-Jährige hisst morgens die Flaggen am Signalmast auf dem Platz am Emder Hafentor und holt sie abends wieder ein.

Seit fast 29 Jahren macht der Rentner das schon ehrenamtlich - montags bis freitags, egal ob es regnet oder schneit. Nur an Wochenenden und bei Sturm bleiben die Fahnen von etwa 20 Emder Hafenfirmen, Reedereien und maritimen Vereinen in dem Holzkoffer, den der 66-Jährige für seine Aufgabe mit sich führt. Nur die Deutschlandfahne an der Spitze des Mastes flattert immer über dem Alten Binnenhafen.

Emder übt Ehrenamt seit 29 Jahren aus

Die „Flaggenparaden“ des Emders sind meistens ganz persönlich, ohne großes Zeremoniell und häufig unbemerkt von der Öffentlichkeit. Er macht das „aus Spaß an der Freude“ und für das maritime Bild der Stadt. Zu diesem Job kam der ehemalige Angestellte eines Emder Reisebüros im September 1992.

Ein Bekannter, der bei einem Hafenunternehmen beschäftigt war und vor ihm der „Herr der Flaggen“ am Alten Binnenhafen gewesen war, habe ihn damals gefragt, ob er diese Aufgabe nicht übernehmen wolle. Für Langhanke war das naheliegend - und zwar im doppelten Wortsinn. Denn damals wohnte er in der Altstadt nur einige hundert Meter vom Hafentor entfernt. Heute lebt der Rentner mit seiner Frau in der Innenstadt und hat es deshalb immer noch nicht weit bis zum Hafentor.

Drei Vereine schoben das Vorhaben an

Langhanke hatte mit der Schifffahrt eigentlich nie viel am Hut, ist also eine echte Landratte. „Wie ein alter Seebär“ fühle er sich nur, wenn er hin und wieder in die Wanten steigen muss, die dem Mast seine Standfestigkeit geben. Gelegentlich verhaken sich nämlich Flaggen in der Takelage. Perfekte Seemannsknoten beherrscht der Emder nicht. Im Laufe der Jahre hat er seine eigenen Techniken zum sicheren Befestigen der Flaggen entwickelt.

Mehr als 20 Firmen halfen

Der 20 Meter hohe Signalmast steht seit dem Mai 1983 am Hafentor. Vor ein paar Jahren ist er beim Umbau des Platzes um einige Meter versetzt worden. Die Initiative zum Aufstellen dieses maritimen Wahrzeichens der Hafenstadt war von mehreren Vereinen und Privatleuten ausgegangen. Dazu gehörten der Nautische Verein zu Emden, der Emder Yachtclub und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Mehr als 20 Firmen unterstützten das Projekt mit Sach- und Arbeitsleistungen. Vorangetrieben hatten das Vorhaben damals vor allem die beiden Emder Dr. Erich Brüggemann und Dettmar Kramer, die sich vorher schon um weitere maritime Wahrzeichen in der Stadt gekümmert hatten.

Die Verbindung zur weiten Welt

Der Mast soll Ausdruck der Verbindung Emdens zur weiten Welt sowie des Willens der Stadt und ihrer Hafenwirtschaft sein, Krisen zu meistern und Schwierigkeiten zu überwinden, hieß es am 20. Mai 1983 bei der offiziellen Übergabe. Der Mast sollte der Stadt und ihrem Hafen „eine gute Zukunft signalisieren.“

Konstruiert wurde das Emder Wahrzeichen nach Originalplänen für die Masten eines alten Segelschiffs mit Rah und Gaffel, an denen auf Windjammern die Segel befestigt wurden, einer Saling, die Seeleuten als Stehplatz im Mast diente, sowie über sogenannte Fußpferde, in denen Decksmänner Halt zum Seten und Niederholen der Segel fanden. Für die Konstruktion verwendeten die Emder Teile eines alten Kuttermastens sowie von ausrangierten Laternenpfählen.

Masten wie der in Emden haben eine Jahrhunderte alte Tradition als Signalgeber zwischen Land und See. Darstellungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen schon komplett ausgerüstete Signalmasten mit Rah und Gaffel an Hafeneinfahrten. Man übernahm dieses System auch an Land, weil man sich schon lange vorher auch auf See von Schiff zu Schiff mit Signalen an den Segelmasten verständigt hatte.

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