Geschichte eines Porträts
Ostfriesische Häuptlingstochter vom Dachboden
Vom Dachboden, aufs Handelsportal Ebay und jetzt ins Ostfriesische Landesmuseum: Das Porträt einer Häuptlingstochter hat einen langen Weg hinter sich. Jetzt soll es aufwendig restauriert werden.
Was und warum
Darum geht es: Im Internet finden sich wahre Kunstschätze.
Vor allem interessant für: Kunst- und Geschichtsinteressierte.
Deshalb berichten wir: Das Landesmuseum hat uns zu einem Pressegespräch eingeladen, um das neue Gemälde vorzustellen. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
So funktioniert die Restauration
Die Diplom-Restauratorin Sybille Kreft steht jetzt vor einer spannenden Aufgabe. Die Leinwand, die auf drei Brettern nicht gleichmäßig gekleistert ist, wellt sich. Über die Jahrhunderte haben die Materialien gearbeitet, die Feuchtigkeit auf dem Dachboden hat ihr Übriges getan. An Stellen löst sich die Leinwand auf, an anderen ist sie abgerissen, sehr trocken und auch verfärbt. Zuerst soll jetzt der Holzrahmen gelöst werden, der wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt, und die Nägel, mit denen die Leinwand auf dem Holz fixiert ist, gezogen werden. Um das Gemälde zu schützen, wird dann zunächst dessen Oberfläche mit einer Schutzschicht überzogen, bevor die Leinwand mit Wasserdampf vom Holz gelöst werden soll. „Bei einigen Arbeitsschritten hält man schon die Luft an“, sagt Kreft, die derzeit im Landesmuseum schon zwei sogenannte Gerechtigkeitstafeln restauriert, auf denen biblische Szenen abgebildet sind.
„Tecla“ geht nach Hause
Tecla van Diepholt ist als strenge, fromme Frau dargestellt - im Alter von 48 Jahren. Sie war die älteste von acht Töchtern und hatte noch drei Brüder. Sie hatte vier Kinder und war mit Snelger Beninga verheiratet, der früh starb und in der Kirche zu Grimersum begraben wurde. Sie war mit Edzard I, auch „der Große“ genannt, verwandt, der Graf von Ostfriesland aus der ostfriesischen Adelsfamilie Cirksena war. Tecla bewohnte die Burg zu Grimersum, auch Beningaburg genannt, von der heute nur noch eine Ruine steht.
Sobald das Gemälde voll restauriert ist, soll es als Dauerleihgabe von „1820 die Kunst“ im Steinhaus in Greetsiel ausgestellt werden. So kehrt „Tecla“ in ihre Heimat zurück, sagt Gesellschafts-Vorsitzender Gregor Strelow. Er betont, dass die „spannende Geschichte der Häuptlinge“ erzählt werden müsse. Um Menschen heutzutage ins Museum zu ziehen, müsse man „eine Story erzählen“. Kanzenbach bestätigt: „Geschichte muss lebendig werden.“