Freizeit
Pop-up-Jahrmärkte können Not nicht aufhalten
Mini-Jahrmärkte gibt es bereits seit rund einem Jahr als Alternative zu den coronabedingt ausgefallenen Großveranstaltungen. Das Konzept birgt für die Schausteller auf Dauer erhebliche Probleme.
Was und warum
Darum geht es: Statt großer Jahrmärkte gibt es weiterhin nur kleinere Pop-up-Veranstaltungen. Für Schausteller kann dies keine Dauerlösung sein.
Vor allem interessant für: alle, die gerne Jahrmärkte besuchen.
Deshalb berichten wir: Im Juli gab es einen Pop-up-Markt auf Norderney, weitere sollen auf dem Festland folgen. Die Autorin erreichen Sie unter: i.kluth@zgo.de
Zwar gibt es seit ungefähr einem Jahr sogenannte Pop-up-Jahrmärkte – coronakonforme Freizeitparks, die ein strenges Hygienekonzept haben müssen. Sie sollen eine Alternative zu den großen Veranstaltungen sein. Von Halle nehme an den Pop-up-Märkten mit seinem Gastronomie-Geschäft aber nicht teil. Da bleibe er lieber in seiner Fischbude auf der Insel – allerdings notgedrungen. „Es lohnt sich einfach nicht“, sagt von Halle. Sein Sohn hingegen sei beispielsweise auf dem Pop-up-Jahrmarkt, der im Juli für zwei Wochen auf Norderney Station machte, mit dem Autoscooter dabei gewesen und baue die Anlage auch in diesem Monat bei dem geplanten Markt in Papenburg auf. „Es ist aus der Not heraus und besser als nichts“, meint der Schausteller. „Aber es ist nicht das, was wir wollen und was wir können.“ Pop-up-Märkte seien auf Dauer kein Konzept, das trägt.
„Da fallen welche durch das Raster“
Dem stimmt auch Jonny Eden, Pressesprecher der ostfriesischen Schausteller, zu. „Das Problem ist: Es gibt nicht so viele davon.“ Doch seien die Mini-Jahrmärkte zurzeit die einzige Alternative. „Allgemein lassen die größeren Veranstaltungen weiter auf sich warten. So richtig läuft es noch nicht rund“, sagt Eden. Schwierig seien die Märkte auch wegen ihrer geringen Größe. Aufgrund der Corona-Verordnungen schreiben die Landkreise unter anderem vor, dass der Abstand zwischen den Buden und Fahrgeschäften größer sein muss als normalerweise. „Deshalb ist die Zahl der Beschicker geringer.“ Ungefähr die Hälfte der Betriebe müsse jeweils pausieren und hätte in der Zeit keine Einnahmen. Die Entscheidung, wer zugelassen und wer pausieren muss, sei nicht immer leicht. „Da fallen welche durch das Raster“, sagt Eden.
Karl-Heinz Langenscheidt, Vorsitzender des ostfriesischen Schaustellerverbands, sieht ein weiteres Problem darin, dass die Pop-up-Jahrmärkte sich letztlich nur für Schausteller aus der jeweiligen Region lohnten. „Normalerweise reise ich durch ganz Europa, jetzt bin ich nur in Ostfriesland gebunden.“ Es rentiere sich einfach nicht, überregional an derartigen Veranstaltungen teilzunehmen. Hinzu komme, dass – wie in der Gastronomie auch – bei den Schaustellerbetrieben Personal fehle.
Pop-up-Markt in Aurich im Gespräch
„Eine Dauerlösung kann es nur mit diesen Märkten nicht geben“, sagt Eden. Doch seien die Schausteller froh, dass sie überhaupt arbeiten könnten, wenn auch eingeschränkt. Und nicht nur ihnen haben die Veranstaltungen offensichtlich gefehlt. „Wenn man die leuchtenden Kinderaugen auf dem Karussell gesehen hat, war das schon sehr berührend“, sagt Axel von Halle über den Mini-Jahrmarkt auf Norderney. Es gebe einen großen Nachholbedarf bei den Leuten. Auch Karl-Heinz Langenscheidt berichtet: „Die Menschen haben sich so gefreut, das kann man sich gar nicht vorstellen.“
Darüber, ob und wann es weitere Veranstaltungen in der Region geben wird, seien die Schausteller mit Städten und Vereinen im Gespräch, sagen Eden und Langenscheidt. Für Aurich gebe es Überlegungen, den traditionellen Herbstmarkt im Oktober als Pop-up-Markt auf dem Parkplatz der Sparkassen-Arena stattfinden zu lassen. „Das ist ein Wunsch, den wir haben. Ob es läuft, wissen wir aber noch nicht“, so Eden. Johann Stromann, Sprecher der Stadt Aurich, bestätigt, dass es erste Gespräche mit den Schaustellern gegeben hat. Ein Antrag für einen Pop-up-Markt sei bei der Stadt aber noch nicht eingegangen.