Auf Störtebekers Spuren

Der legendäre Seeräuber ist in Ostfriesland noch allgegenwärtig

| | 06.08.2021 13:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieses humorvolle Schild hängt auf der Insel Rügen, die - laut Schild - nie von Klaus Störtebeker heimgesucht wurde. Symbolfoto: Pixabay/K. Riemer
Dieses humorvolle Schild hängt auf der Insel Rügen, die - laut Schild - nie von Klaus Störtebeker heimgesucht wurde. Symbolfoto: Pixabay/K. Riemer
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Der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker findet noch lange keine Ruhe. In Ostfriesland ist er allgegenwärtig. Das zeigt sich schon in der ersten Folge der neuen OZ-Serie „Auf Störtebekers Spuren“.

Was und warum

Darum geht es: Ostfriesland hat eine reiche und legendengefüllte Geschichte. Klaus Störtebeker ist ein Teil davon - und fasziniert noch heute die Menschen.

Vor allem interessant für: Piraten- und Geschichtsfans, Touristik-Interessierte

Deshalb berichten wir: Im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden stehen seit kurzem Pantoffeln, die Legenden zufolge von Klaus Störtebeker getragen worden sein sollen. Das hat uns angeregt, einmal den Spuren des Seeräubers zu folgen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Ostfriesland - Der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker ist zwar schon seit Jahrhunderten tot, aus dem Alltag ist er aber längst nicht verschwunden. In Emden gibt es ein Café, das seinen Namen trägt, auf Borkum ein Restaurant. Es gibt Spielplätze, Freizeitparks, Biermarken, Festspiele und Vereine, die an den Freibeuter erinnern. Marienhafe in der Gemeinde Brookmerland bezeichnet sich gar als „Störtebekerland“.

Es ranken sich noch heute zahlreiche Legenden um ihn - und es wird noch geforscht, was an diesen dran ist. Museen widmen ihm Ausstellungen oder zeigen Exponate, die Legenden zufolge dem Piraten gehört haben könnten. In einer neuen Serie dieser Zeitung begeben wir uns auf die Suche nach den Spuren von Störtebeker.

Wer war Klaus Störtebeker?

Wenn man den Legenden glauben mag, war er ein ein Seeräuber, der Ende des 14. Jahrhunderts in der Nord- und Ostsee sein Unwesen trieb, bevor er im Oktober 1401 in Hamburg mit 72 Gefährten enthauptet worden sein soll. Seinen Nachnamen könnte er sich selbst gegeben haben, der sich von dem plattdeutschen Ausspruch „Stört de Beker“ (Stürz den Becher) ableiten lassen und auf die Trinkfestigkeit des Freibeuters hinweisen könnte. Er soll einen vier-Liter-Humpen Wein oder Bier in einem Atemzug geleert haben. “

Turmwart Alfred Janssen kennt sich mit der Geschichte rund um Klaus Störtebeker aus. Er steht im Turmmuseum in Marienhafe Frage und Antwort. Foto: B. Kiefer
Turmwart Alfred Janssen kennt sich mit der Geschichte rund um Klaus Störtebeker aus. Er steht im Turmmuseum in Marienhafe Frage und Antwort. Foto: B. Kiefer

Außer anderen Schiffen soll er insbesondere auch solche der Hanse überfallen haben, die Vereinigung hauptsächlich norddeutscher Kaufleute. Seit 1396 sollen die Vitalienbrüder, eine Vereinigung aus Kapitänen, zu denen Störtebeker gehörte, auch Unterstützung aus Ostfriesland bekommen haben, das ebenfalls zum Teil mit der Hanse auf Kriegsfuß stand.

Willkommen im „Störtebekerland“

In Marienhafe soll der Pirat sogar eine Tochter des friesischen Häuptlings Keno ten Broke geheiratet haben. In der dortigen Kirche St. Marien soll ihm Unterschlupf gewährt worden sein, deswegen ist der Turm nach dem Piraten benannt. Die Geschichte lockt noch heute Touristen in den Flecken. Im ersten Stockwerk des Turms befindet sich die Störtebeker-Kammer. Klaus Störtebeker soll während seiner Aufenthalte in Marienhafe um 1400 darin gewohnt haben, heißt es von der Tourist-Info Marienhafe. Heute beherbergt sie das Turmmuseum mit einer Dokumentation der Baugeschichte. Auch die Kirche profitiert von den Legenden und wird von zahlreichen Gästen besucht. Die Störtebeker-Freilichtspiele in dem kleinen Ort lockten einst Zehntausende an.

In diesem Turm in Marienhafe soll Störtebeker eine Zeit lang gewohnt haben, als er sich vor der Hanse versteckte. Foto: B. Kiefer
In diesem Turm in Marienhafe soll Störtebeker eine Zeit lang gewohnt haben, als er sich vor der Hanse versteckte. Foto: B. Kiefer
In Marienhafe gibt es auch einen Shanty-Chor, ein Büchergeschäft, eine Teestube und ringsumher Ferienhäuser, die nach Störtebeker benannt sind. „Das Thema kommt immer wieder“, sagt eine Mitarbeiterin der Bücherkiste am Störtebeker-Turm. So einige Kunden würden nach Büchern rund um den Freibeuter fragen, würden natürlich Fotos vor dem Turm machen und sich auch gerne eine Störtebeker-Wanderkarte kaufen. „Der gesamte Störtebeker Weg verläuft über 190 Kilometer von Leer nach Wilhelmshaven“, teilt der Wanderkarten-Hersteller Kompass auf seiner Website mit. „Auf 16,5 Kilometern zwischen dem Campener Leuchtturm und dem Fischereihafen Greetsiel könnt ihr laut Wanderkarte in etwas mehr als vier Stunden auf den Spuren des bekannten Seeräubers wandern.“ In der Stadt Norden unweit von Marienhafe findet jährlich das Piratenfest statt - mit Attraktionen rund um das Thema.
Rund um die Enthauptung von Klaus Störtebeker ranken sich zahlreiche Legenden - wie um die ganze Figur. Symbolfoto: Pixabay
Rund um die Enthauptung von Klaus Störtebeker ranken sich zahlreiche Legenden - wie um die ganze Figur. Symbolfoto: Pixabay

Bei „Störtebeker“ isst es sich piratig?

Auf der Insel Borkum gibt es das Restaurant „Zum Störtebeker“. Der Name habe schon im 19. Jahrhundert zum Lokal gehört, sagt der heutige Pächter Christian Kortmann auf Nachfrage. Damals seien die Gäste noch zu Pferde auf ein kühles Bierchen vorbeigekommen. Diese Geschichte stehe noch heute in der Speisekarte. Weil das Haus schon so lange mit dem Namen etabliert sei, habe man diesen auch behalten, so Kortmann. Eine Piraten-Figur vor dem Eingang stimmt die Gäste ein. Ob diese extra kommen, weil sie mehr über die Historie des Freibeuters erfahren wollen, glaubt er nicht. Der Name schade aber auf jeden Fall nicht. Auf eine Insel passten nun mal Piraten.

Tolga Öztürk (rechts) und Halil Kalmaz betreiben seit knapp einem Jahr das "Störte" in Emden. Foto: Hanssen
Tolga Öztürk (rechts) und Halil Kalmaz betreiben seit knapp einem Jahr das "Störte" in Emden. Foto: Hanssen
Im August letzten Jahres hat in Emden das „Störtebeker“ geöffnet, das heute nur noch „Störte“ heißt. Das Gesicht des Piraten ziert das Logo des Cafés und Bistros von Tolga Öztürk und Halil Kalmaz, im Innenbereich ist es italienisch und maritim eingerichtet. Segelschiffe stehen neben Ledersesseln. Gemälde von lokalen Künstlern zeigen unter anderem Motive mit Wasserbezug. „Wir wollten einen Namen, der Jung und Alt gleichzeitig anspricht“, erklärt Tolga Öztürk. Störtebeker, um den sich noch heute zahlreiche Legenden drehten, sei ideal gewesen. Er verbindet das Geschichtliche mit der modernen Beliebtheit von allem, was mit Piraten zu tun hat. Der Name sollte auch etwas mit Emden zu tun haben, so Halil Kalmaz. Laut Stadtgeschichte war Hisko Abdena, Probst und Häuptling zu Emden, ebenfalls mit Störtebeker und den anderen Vitalienbrüdern verbündet. Die Stadt wurde sogar von der Hamburgischen Hanse belagert, die darauf drängte, die Bündnisse zu brechen.

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