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Emder Feuerschiff muss in Werft: Sind Schäden noch größer?

| | 09.08.2021 18:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Feuerschiff liegt weithin sichtbar im Emder Delft – und ist ein gern genommenes Motiv für Touristen. Fotos: Hanssen
Das Feuerschiff liegt weithin sichtbar im Emder Delft – und ist ein gern genommenes Motiv für Touristen. Fotos: Hanssen
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Vor mehr als einem Monat wurde das frisch sanierte Emder Feuerschiff angegriffen. Die Schäden werden bereits auf 126.000 Euro geschätzt. Ein Werftaufenthalt könnte noch mehr offenbaren.

Was und warum

Darum geht es: Die Sabotage am Emder Feuerschiff könnte größere Schäden verursacht haben, als zunächst geschätzt.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Fans des Feuerschiffs, Kriminalinteressierte

Deshalb berichten wir: Der Verein hatte zu einem Pressegespräch eingeladen und wollte Neuigkeiten zum Feuerschiff verkünden.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Emden - In Kürze soll das Emder Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ den Delft verlassen. Dann kommt es für etwa vier bis sechs Wochen zur Emder Werft EWD und soll Mitte September zurückkehren. Das teilte Heinz-Günther Buß, Vorsitzender des Museumsschiffs-Vereins mit. Der rote Stahlkoloss, der vor Kurzem erst für rund fünf Millionen Euro saniert worden war, war bei einem Angriff durch noch unbekannte Täter beschädigt worden. Vor knapp sechs Wochen brachen sie in das Schiff ein, bohrten vier Löcher in den Stahlrumpf und ließen damit Wasser in den Maschinenraum eindringen. Gut 18 Tonnen Öl-Wasser-Gemisch mussten von einem Spezialunternehmen aus dem Schiff gepumpt werden, so Vereins-Schatzmeister Heinz Salewski. Nur weil die Tochter von Vereinsmitglied Peter Nielsen bei einem Spaziergang am Delft die Schieflage des Schiffs bemerkt hatte, war Schlimmeres verhindert worden.

Zu den Ermittlungen wisse der Verein noch nichts Neues, sagte Buß. Auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Polizeiinspektion Leer/Emden teilte Sprecherin Frauke Bruhns mit: „Im Fall des Feuerschiffs sind die Ermittlungen und die Spurenauswertung noch nicht abgeschlossen.“ Auf die Frage hin, wann solche Ermittlungen ohne Ergebnis eingestellt werden, schilderte sie: „Im Allgemeinen werden Ermittlungen erst eingestellt, wenn keine neuen Ermittlungsansätze mehr vorhanden sind, alle Aussagen aufgenommen und Hinweisen nachgegangen wurde. In diesen Fällen sind die Ermittlungen also abgeschlossen und die Ermittlungsakten werden zur weiteren Entscheidung an die zuständige Staatsanwaltschaft übersandt.“

Bei Werftaufenthalt genaue Schäden feststellen

Aber: „Am Liegeplatz können wir nicht korrekt feststellen, was alles noch kaputt ist“, erklärte Buß. Bislang wird die Schadenshöhe auf rund 126.000 Euro geschätzt. Bei der Werft solle nun geschaut werden, inwieweit etwa die Ruderanlage, die „Außenhaut“ des Schiffes und das Unterwasserschiff Schaden genommen haben. Ihre Versicherung habe nun mitgeteilt, dass zunächst die Schäden und damit auch die Kosten für die Behebung „korrekt ermittelt“ werden müssten. Dann werde eine Entscheidung getroffen. „Uns wurde aber zugesagt, dass man uns nicht im Stich lassen werde“, sagte Buß.

Heinz-Günther Buß (rechts) und Heinz Salewski (links) vom Feuerschiff-Verein nahmen die Spende von Frank Wessels (zweiter von links) und Carsten Schubert vom Nautischen Verein entgegen.
Heinz-Günther Buß (rechts) und Heinz Salewski (links) vom Feuerschiff-Verein nahmen die Spende von Frank Wessels (zweiter von links) und Carsten Schubert vom Nautischen Verein entgegen.
Die Spendenbereitschaft von Fans des Feuerschiffs sei weiterhin ungebrochen: Mittlerweile seien 15.000 Euro zusammengekommen, so Salewski. Am Montag kam noch eine Spende vom Nautischen Verein zu Emden in Höhe von 2.500 Euro dazu. Dessen Vorsitzender Frank Wessels betonte: „Die infame Sabotage ist ein Angriff auf das Herzstück unserer Stadt.“ Dadurch sei direkt der „Emder Bürgersinn“ angegriffen worden, also die ehrenamtliche Arbeit. „Es war uns ein wichtiges Anliegen, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen“, betonte er.

Neues zum Feuerschiff-Restaurant und Trauungen

Ursprünglich war geplant worden, dass das Restaurant im Feuerschiff zur Saison genutzt werden könnte. Die Sabotage hat das zunichte gemacht. „Das Restaurant wird in diesem Jahr nicht mehr öffnen“, so Buß. Mit den Pächtern sei abgesprochen worden, dass eine Eröffnung im April kommenden Jahres stattfinden soll. Die Pacht müsse bis dahin nicht gezahlt werden. „Wir haben seit August 2019 keine Einnahmen mehr, die Betriebskosten laufen aber ja weiter“, sagte der Vereinsvorsitzende. Ab dem 1. Oktober hätten eigentlich zumindest wieder Trauungen an Bord möglich sein sollen. „Wir haben sehr viele Anfragen.“ Montagabend teilte Buß nach Gesprächen mit der Werft mit, dass das doch nicht gehen werde. Auch würden ständig Touristen anfragen, ob sie das Schiff besuchen könnten. „Es sind viel mehr Gäste in Emden“, beobachtet er. Doch weiterhin dürfen sie nicht an Bord. „Das sind schon Verluste.“ Bis zu 8000 Besucher im Jahr zählt das Museumsschiff sonst.

Wenn auf der Werft alles repariert sei und das Schiff alle neuen Bundes-Bedingungen zum Brandschutz erfülle, sei eine Ausfahrt mit Vereinsmitglieder für Mitte Oktober angedacht, erklärte Buß. Der Verein sei - trotz der vielen Arbeiten, die die aktiven Mitglieder leisteten - nicht geschrumpft, sondern noch gewachsen. Jetzt seien 171 Männer und Frauen gemeldet. Am Montag werkelte die Deckscrew fleißig, um vorbereitende Arbeiten für den Werftaufenthalt zu erledigen. Der Innenausbau ist noch nicht abgeschlossen, das Museum noch nicht wieder voll eingerichtet. Mehrfach die Woche würden sich Arbeitstrupps an Bord treffen. Seit der Sabotage schauten Mitglieder täglich außen am und innen im Schiff nach dem Rechten. „Wir haben neue Sicherheitskriterien eingeführt, die wir aber natürlich nicht bekannt geben wollen“, so Buß.

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