Rund um den Emder Delft finden sich Seezeichen. Eins von ihnen ist der schwarze Stockanker. Der macht sich nicht nur auf Fotos gut, er hat auch eine interessante Geschichte.
Was und warum
Darum geht es: Die Geschichte der maritimen Wahrzeichen in der Stadt kennen die wenigsten Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste der Stadt.
Vor allem interessant für: Leute, die in Emden wohnen, sowie Gäste, die hier ihren Urlaub verbringen oder als Tagestouristen die Hafenstadt besuchen
Deshalb berichten wir: In einer Sommerserie rücken wir die „Emder Seezeichen“ in den Blick, erzählen ihre Geschichte und Besonderheiten.
Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Emden - Er bietet sich als perfektes Rahmen-Fotomotiv an: der schwarze Anker vor dem Emder Rathaus. In der Foto-Welt sagt man nämlich so schön: Vordergrund macht Bild gesund. Damit ist gemeint, dass ein Motiv interessanter wird, wenn man es durch einen anderen Gegenstand aufgenommen hat oder mit Vorder- und Hintergrund spielt. In direkter Nähe vom Stockanker sind das alte Rathaus und auch Museumsschiffe. Aber natürlich macht sich das Seezeichen, das seit 1981 an seinem Platz steht, auch alleine auf jedem Foto gut.
Bei seiner Aufstellung vor dem Rathaus war der Anker bereits rund 100 Jahre alt, wie diese Zeitung damals berichtete. Er stammte damit aus der Zeit der Segelschiffe und war per Hand geschmiedet worden. Der 3,2 Tonnen schwere Koloss wurde 1978 aus der Westerems in Höhe der Insel Borkum von den zwei Greetsieler Fischkuttern „Marlies“ und „Delphin“ geborgen. Das dauerte ganze acht Stunden. Ein Autokran hievte ihn mitsamt seiner 2,5 Meter langen Ankerkette schließlich an seinen heutigen Standort. Greetsieler Fischer hatten das gute Stück zum Kauf angeboten. Das Netz eines der Fischer hatte sich an dem Anker verfangen. So war das Relikt durch Zufall gefunden worden. Zu welchem Schiff es gehörte, ist nicht bekannt.
Zweitem Anker folgte Kritik
Der Anker ist nicht nur alleine schön auf Fotos, er bietet sich auch als „Guckloch“ für andere Motive an. Foto: Hanssen
Um den Anker für 2300 Euro kaufen zu können, hatten die Mitglieder des damaligen Rates der Stadt auf ihr Sitzungsgeld für eine Zusammenkunft im Oktober verzichtet. 1300 D-Mark wurden außerdem von der „Anker-Interessengemeinschaft“, einer Untergruppe des Nautischen Vereins zu Emden, aufgebracht. Emder Firmen beteiligten sich kostenlos an der Entrostung und Konservierung, den Pflasterarbeiten für den Standplatz am Delft und der Beschriftung. Auch der Transport und die Aufstellung erfolgten ehrenamtlich. Unter anderem der Emder Dr. Erich Brüggemann hatte sich gemeinsam mit Dettmar Kramer für den Anker stark gemacht - wie auch für die Aufstellung zahlreicher anderer Wahrzeichen der Stadt. Die Museumstafel am Anker, verfasst von Kramer, folgte im März 1982.
Der schwarze Stockanker wurde 1981 vor dem Emder Rathaus aufgestellt. Foto: Archiv
Der Anker hat auch einen „Kollegen“ im Stadtbild. Auch am Neuen Markt befand sich ein solches Seezeichen. Der Anker eines Eimerkettenbaggers folgte 1984. In dem Jahr kamen auch die Westerems-Tonne an den Markt und das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ in den Delft. Das blieb nicht ganz ohne Kritik. „100 Jahre ist nichts passiert, jetzt wird in einem halben Jahr die ganze Stadt vollgestellt“, sagte damals ein Bürger gegenüber dieser Zeitung. Die Wahrzeichen Anker und Tonne am Markt sollten deshalb auf Probe aufgestellt werden. Schließlich verstummten offensichtlich die Kritiker: Die Seezeichen stehen noch heute. Der Anker hat wegen der Marktsanierung aber einen neuen Platz gefunden. Er liegt jetzt beim Sozialamt in der Maria-Wilts-Straße.
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