Tiere
Dank Instagram berühmt: Internetstars auf 16 Pfoten
Vier Heilige Birma Katzen aus Wiesmoor haben sich dank Instagram zu Internet-Berühmtheiten gemausert. Besitzerin Miriam Marx erzählt, warum ihre Stubentiger sogar Fans in Japan und Australien haben.
Wiesmoor - Wer Miriam Marx besucht, lernt Tamme, Toffie, Lou und Faye schon vor der Tür kennen. Die mit den Konterfeis der vier Heiligen Birma Katzen bedruckte Fußmatte ist ein Geschenk einer Bekannten. Die vier Stars der Instagram-Seite „Flauschfriesen“ in natura vor der Haustür anzutreffen, ist eher unwahrscheinlich. Das Reich dieser Rassekatzen liegt eindeutig in den eigenen vier Wänden.
Heilige Birma Katzen sind eine Mittellanghaar-Katzenrasse, die aus einer Kreuzung von Siam- und Perserkatzen hervorgegangen ist. Sie kommen in den unterschiedlichsten Farbvarianten vor, was ihrer individuellen Körpertemperatur geschuldet ist. „Alle Kätzchen kommen weiß auf die Welt“, erklärt Marx. „Und über den kältesten Stellen des Körpers dunkelt das Fell mit der Zeit nach.“ Allen Birmakatzen gemein sind die blauen Augen. „Sie schauen dem Menschen in die Seele“, sagt Marx. In der Haltung seien sie einfach, sagt die Besitzerin. „Sie springen nicht herum wie Bengalen und brauchen auch nicht viel Auslauf wie etwa Maine Coons. Und sie vereinen die Sanftmütigkeit der Perser mit dem menschenbezogenen Wesen der Siamkatze. Und sie sind ideale Familienkatzen, weil sie auch mit Kindern alles mitmachen.“ Wegen ihrer menschenfreundlichen Art sollten sie allerdings auch nicht als Freigänger gehalten werden, da sie sich buchstäblich von jedem streicheln und hochnehmen lassen.
Fotos und praktische Tipps
Doch wie wurden die „Marx-Kitties“ zu Internet-Stars? „Eigentlich ist mein Mann daran Schuld“, sagt Miriam Marx. Gemeinsam mit Ehemann Burkhard erzählt sie die Geschichte: Vor zweieinhalb Jahren, die Marxens lebten damals noch in Schortens, erkrankte Miriam Marx so schwer, dass sie zeitweilig Pflege brauchte. „Ich musste manchmal 23 Stunden am Tag liegen“, erzählt Miriam Marx. „Das einzige, was ich in dem Zustand noch machen konnte, war, mein Smartphone zu bedienen.“ So kam von ihrem Mann der Vorschlag: „Stell doch einfach ein paar Bilder von den Katzen ins Internet.“
Im März 2019 gingen „Insta‘s Flauschfriesen“ online. „Die Sache kam schnell ins Rollen, weil ich dort auch von Anfang an gebloggt habe“, sagt Marx. „Ich habe zu jedem Foto ausführliche Informationen zu allen Themen rund um die Katze aufgeschrieben. Vor allem medizinische Informationen und Pflegetipps, weil ich früher selbst eine Ausbildung in einer Tierarztpraxis gemacht habe. Ich erkläre dann zum Beispiel, was man tun kann, wenn die Katze zu dick ist oder Durchfall hat.“ Und das kam bei den Internetnutzern an. „Schon im ersten Jahr hatte ich 12.000 Follower und die ersten Sponsoren meldeten sich“, sagt Marx. Es folgte eine Tieragentur, die erste kleine Fotoaufträge vermittelte, und schließlich Fotos für das Sticker-Sammelalbum „Tierische Internetstars“. Heute folgen knapp 30.000 Instagram-User den Geschichten rund um die Katzenpflege und um das flauschige Quartett aus Wiesmoor. „Sie haben Fans in Australien und in Japan, die jedes Foto liken und kommentieren“, sagt Marx. Jetzt ist das flauschige Quartett für einen Internet-Preis nominiert, den German Petfluencer Award. „Das ist quasi der Oscar für Haustiere“, freut sich Marx. Noch bis zum 31. August kann man auf der Internetseite des Petfluencer Awards für die Flauschfriesen abstimmen. „Den Siegern winken Show-Teilnahmen und professionelle Fototermine“, so Marx.
Petfluencer, was ist das denn?
Influencer werden Internetnutzer genannt, die über ihre Bekanntheit in sozialen Netzwerken Produkte oder Lebensstile bewerben. Petfluencer treten dort mit ihren Haustieren auf, die nicht selten bekannter werden als ihre Besitzer. „Unsere Katzen bekommen auch schon mehr Post als wir“, sagt Marx schmunzelnd.
Was muss eine Katze haben, um groß rauszukommen? Nicolle Müller leitet eine Tieragentur, trainiert Tiere und berät Petfluencer. „Solange man mit den Tieren zu Hause ist, müssen sie sich nur chillig bewegen“, sagt sie. „Schwierig wird es mit Katzen oft in fremden Umgebungen. Da zeigt sich dann, ob man das Tier gut sozialisiert hat, so dass es viele Dinge kennenlernen konnte.“ Wichtig sei, dass jede Inszenierung vom Tier als Spiel empfunden wird. „Die Tiere müssen sich wohlfühlen, wo sie sind“, so Müller. „Wenn sie in Stress geraten, wird es zur Quälerei. Das darf nicht passieren.“
Hinzu kommt, dass das Petfluencer-Dasein durchaus lukrativ sein kann. „Das ist ein Riesenmarkt“, sagt Müller. Tatsächlich wurden 2020 in Deutschland 5,5 Milliarden Euro für Haustierbedarf ausgegeben. „Wenn man die Sache ernst nimmt und seine Werbeverträge entsprechend mit Bedacht für die richtigen Produkte auswählt, kann man viel Geld damit machen. Man darf sein Tier nicht für alles hergeben“, so Müller.