Worpswede

Kuratorin Beate C. Arnold übernimmt weiteres Kunsthaus in Worpswede

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 11.08.2021 13:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Wie systemrelevant ist die Kunst? Das Künstlerdorf Worpswede antwortet auf diese Frage mit Heinrich Vogeler und seinen Utopien für eine neue Gesellschaft. Für das Projekt „Zeitenwende“ gibt es auch eine neue Leitung.

Für sein Ideal des neuen Menschen ging der Maler, Architekt und Designer Heinrich Vogeler (1872-1942) neue Wege - zuerst in die Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen, später in die Sowjetunion. Zum 150. Geburtstag des Künstlers 2022 schauen die Ausstellungsmacher Worpswedes nicht zurück, sondern entschieden nach vorn. „Wir sind hier nicht allein auf der Insel der Schönheit“, sagte Beate C. Arnold, Direktorin des Vogeler-Museums Barkenhoff, und kündigte an, mit Vogeler nach Perspektiven für die Probleme der Gegenwart suchen zu wollen. „Zeitenwende“ lautet der Titel einer ganzen Reihe von Kunstprojekten, mit denen Worpswede in den nächsten Jahren punkten will. Hier weiterlesen: Heinrich Migge und sein Reformgarten in Worpswede.

Gesellschaft neu denken

Es sei jetzt an der Zeit, die Gesellschaft neu zu denken und dafür jene Impulse und Visionen aufzunehmen, die Künstler in der Moderne um 1900 vorgedacht hätten, sagte Matthias Jäger, Geschäftsführer des Worpsweder Museumsverbundes. Auf dem Hintergrund von Klimawandel, Flüchtlingsbewegungen und digitaler Revolution komme den Künsten eine neue Relevanz zu, unterstich Jäger. „Wir müssen unser Denken verändern“, sagte Jäger weiter. Deshalb seien die in Worpswede anstehenden Jahrestage konsequent von den Fragen unserer Zeit aus gedacht worden. Hier weiterlesen: Verschollenes Meisterwerk von Heinrich Meisterwerk.

Folge der Jahrestage

Mit den 150. Geburtstagen des Künstlers Heinrich Vogeler (2022), des Architekten Bernhard Hoetger (2024), der Malerin Paula Modersohn-Becker (2026) und der Großen Kunstschau (2027) steht Worpswede vor mehreren großen Jahrestagen. Der Titel „Zeitenwende“ verklammert sie zu einem Projekt, das über Jahre hinweg bearbeitet werden soll. Worpswede stellt dafür auch personell die Weichen neu. Nach dem Weggang von Jörg van den Berg an das Museum Morsbroich in Leverkusen übernimmt Beate C. Arnold zusätzlich zum Barkenhoff auch die Große Kunstschau in Zentrum Worpswedes. Damit sind die beiden zentralen Ausstellungsorte Worpswedes nun in einer Hand.

„Erfolgreich in Worpswede“

Arnold hatte 2001 den Barkenhoff übernommen und Heinrich Vogelers einstiges Wohn- und Atelierhaus zu einem überregional bekannten und vielfach prämierten Ausstellungsort ausgebaut. 2012 kuratierte sie bereits eine große Retrospektive zu Heinrich Vogeler. Nun avanciert die versierte Kunsthistorikerin zur zentralen Ausstellungsmacherin für die Projekte der nächsten Jahre. „Wir wollen keine Lösungen vorwegnehmen, sondern Fragen stellen“, gab Arnold als Leitlinie für die Kunstprojekte der nächsten Jahre vor. Bernd Lütjen, Osterholzer Landrat und zugleich Vorsitzender des Worpsweder Museumsbundes, hob Arnolds Qualitäten hervor: „Sie arbeitet seit Jahren überaus erfolgreich in Worpswede“.

Berühmte Künstlerkolonie

Zuletzt waren die Ausstellungsorte Worpswedes erst mit dem 2015 ausgelaufenen Masterplan saniert und ausgebaut worden. In die Investition von rund zehn Millionen Euro teilten sich das Land Niedersachsen, der Landkreis Osterholz-Scharmbeck und die Gemeinde Worpswede. Die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Künstlerkolonie avancierte mit Malern wie Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Vogeler und anderen zum Anziehungsort für Kreative aller Sparten, zu denen auch der Dichter Rainer Maria Rilke zählte. Der Barkenhoff, die Große Kunstschau, die Kunsthalle und das Haus im Schluh bilden einen Verbund von Ausstellungsorten, die mit Jahresthemen bespielt werden. Bis zu den Lockdowns der Corona-Zeit kamen jährlich den Angaben zufolge rund 70000 Besucher jährlich in den Künstlerort.

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