Auf Störtebekers Spuren
So wird nach ostfriesischen Burgen gesucht
Bei einem aktuellen Forschungsprojekt werden ostfriesische Burgen als Machtzentren der Häuptlingszeit – und nebenbei als Unterschlupf von Seeräubern – erforscht. Dabei hilft die Technik.
Ostfriesland/Wilhelmshaven - Die meisten Burgen wurden in Ostfriesland über die Jahre zerstört, sagt der Archäologe Thorsten Becker vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) mit Sitz in Wilhelmshaven. Sie zerfielen mit der Zeit oder wurden mit Absicht „geschleift“, also dem Erdboden gleich gemacht. Das ging einerseits von der Hanse, aber auch von miteinander verfeindeten Häuptlingen aus. In Emden sind laut Becker auch zahlreiche Burgen abgebaut worden, um die Steine für Festungsanlagen rund um die Stadt nutzen zu können.
Dass es etwa 500 Burgen und Steinhäuser gegeben haben müsste, wissen Forscher aus Urkundenbüchern. „Es heißt oft, die Friesen hätten nicht viel geschrieben, das stimmt aber nicht“, so Becker. Zwist zwischen Häuptlingsfamilien, begangenes Unrecht, Schlichtungen, Hochzeiten, Schenkungen: All das sei in Urkunden festgehalten worden. Dabei wurde auch gerne erwähnt, welche Seeräuber von welchem Häuptling für Kriegszwecke „engagiert“ und welchen Piraten dann Unterschlupf vor der Verfolgung durch die Hanse gewährt wurde. Die Hanse nämlich jagte die Seeräuber, weil diese häufig ihre Schiffe überfielen. Diese Urkunden zumindest wurden später häufig in Büchern gebündelt – etwa Ende des 19. Jahrhunderts von Ernst Friedländer in Emden. „Das ist ein wahrer Schatz“, betont Becker. Denn: In den Urkunden sind die Titel der Beteiligten vermerkt, also der Name etwa eines Häuptlings und der Ort seines Herrschaftssitzes.
Am Computer Burgen aus dem Boden holen
Damit können die Forscher dann schauen, wo genau im heutigen Ostfriesland eine Burg oder ein Steinhaus gestanden haben könnte. Dann kommt die moderne Technik ins Spiel: Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) stellt der Forschungsgruppe ein digitales Geländemodell zur Verfügung, erklärt Thorsten Becker. Das Team hat damit Zugriff auf hochauflösende Aufnahmen der Geländeoberfläche. Damit können sie am Computer hervorheben, wo sich alte Wälle und Befestigungsgräben sowie Mauern befunden haben könnten, die mit bloßen Auge niemals zu erkennen wären.
Mit dieser Information geht die Gruppe dann auf das Gelände und nimmt vor Ort Vermessungen und geomagnetische Untersuchungen vor. Bei Letztgenanntem handelt es sich um eine Technik, bei der im Boden festgestellt werden kann, wo aufgrund von archäologischen Strukturen in der Erde – also etwa Mauern und Gräben – ein anderer Bodenmagnetismus vorliegt.
Allein im März dieses Jahres wurden von Dr. Stefan Krabath, Dr. Kirsten Hüser, Thorsten Becker, Dirk Dallaserra und Emma Hadré solche geomagnetischen Untersuchungen an 15 Burgstellen in den Gemeinden Hinte, Friesland, Krummhörn – hier etwa auf dem zentralen Burghügel der Westerburg in Groothusen –, Südbrookmerland und der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven durchgeführt.