Justiz
Falsche Polizisten sollen Senioren im Keller eingesperrt haben
Als falsche Polizisten sollen zwei Männer Senioren betrogen und einige danach im Keller eingesperrt haben. Das ist jetzt ein Fall fürs Gericht.
Oldenburg - Weil sie als falsche Polizisten Senioren abgezockt haben sollen, müssen sich zwei Männer vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Die 39 und 28 Jahre alten Angeklagten aus dem Bremer Raum sollen im Nordwesten ihr Unwesen getrieben haben. Angeklagt sind sieben schwere Fälle der Amtsanmaßung und des Diebstahls unter anderem in Varel, Wilhelmshaven und Delmenhorst.
Der jüngere der beiden Männer gab zu, an Taten in Stadland (Landkreis Wesermarsch), Bremen und Ritterhude beteiligt gewesen zu sein. Zum Motiv und den genauen Abläufen schwieg er. Den Mitangeklagten belastete er nicht. Der will von den dreisten Taten sowieso nichts wissen. Zwar habe er den 28-Jährigen zu den Tatorten gefahren – aber er will nicht gewusst haben, was der dort wollte. Er habe gedacht, es gehe um Gartenarbeiten, sagte der 38-Jährige vor Gericht aus.
Mit der Limousine zu Gartenarbeiten
Gartenarbeiten? Das Fahrzeug, mit dem die Angeklagten unterwegs waren, war eine Luxuslimousine und soll einem Delmenhorster Rockerclub gehört haben. Zu dem Klub hätten die Angeklagten aber keine direkte Verbindung gehabt, erklärte die Verteidigung.
Die erste Tat soll sich im November 2017 in Wilhelmshaven ereignet haben. Der 28-Jährige soll bei einer 84-Jährigen geklingelt und sich als Polizist ausgegeben haben. Einbrecher seien in der Gegend unterwegs, erklärte er der alten Dame laut Anklage. Man müsse Geld und Schmuck in Sicherheit bringen. Die Seniorin gab dem falschen Polizisten Schmuck im Wert von 40.000 Euro. Anschließend wurde sie im Keller ihres Hauses eingesperrt. Dann traf es eine betagte Dame in Delmenhorst. Die Täter sollen der Frau von einem Einkauf bis nach Hause gefolgt sein. Sie konnten bei der Seniorin Schmuck im Wert von 4000 Euro erbeuten. Auch sie wurde im Keller ihres Hauses eingesperrt.
Senioren haben Angst vor einer Aussage
Ende Februar sollte in Varel eine 92-Jährige um ihren Schmuck erleichtert werden. Sie hatte aber Verdacht geschöpft und den falschen Polizisten angedroht, die echte Polizei zu rufen. Eine 80-Jährige in Stadland und eine 94-Jährige in Bremen hatten die Betrüger ebenfalls nicht ins Haus gelassen.
Von den sieben geschädigten Seniorinnen konnte nur eine als Zeugin aussagen. Die anderen sind mittlerweile verstorben oder haben Angst davor, vor Gericht eine Aussage zu machen. Das Verfahren vor dem Oldenburger Landgericht wird fortgesetzt.