Osnabrück
Wölfe töten immer mehr Schafe - Klöckner für regionale Bejagung
Neue Zahlen zeigen: Wölfe reißen in Deutschland immer mehr Nutztiere wie etwa Schafe. Agrarministerin Klöckner fordert eine regionale Bejagung der Raubtiere.
Laut Statistik der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (DBBW) töteten oder verletzten Wölfe im vergangenen Jahr insgesamt 3959 Nutztiere. Zum größten Teil handelte es sich dabei um Schafe.
Aber auch 153 Rinder, 13 Pferde oder 7 Alpakas wurden zu Opfern der Raubtiere. Insgesamt 942 Wolfsangriffe verzeichneten die Bundesländer. Für 2019 vermeldete die DBBW noch 2894 gerissene Nutztiere.
Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Gegenüber 2019 ist das ein Anstieg von über einem Drittel. Wo endet das, wenn wir jetzt nicht eingreifen?“ Dort, wo viele Wölfe lebten und der Bestand nicht gefährdet sei, „müssen wir jetzt dringend zu einem regionalen Bestandsmanagement kommen“, fordert die Ministerin. Sprich: In Regionen mit vielen Wölfen sollen diese gezielt bejagt und die Zahl reduziert werden.
Wie viele Wölfe genau mittlerweile in Deutschland leben, ist unklar. Für das sogenannte Monitoringjahr 2019/2020 meldet die Dokumentationsstelle 128 Rudel und 39 Wolfspaare. Klar ist, dass sich die Raubtiere in Deutschland immer neue Territorien erschließen. Damit wachsen bundesweit auch die Probleme.
Niedersachsen besonders betroffen
Besonders betroffen ist Niedersachsen. Auf das Bundesland im Nordwesten von Deutschland entfielen 1477 der insgesamt 3959 getöteten oder verletzten Nutztiere. Es folgen Brandenburg (864) und Mecklenburg-Vorpommern (452). Auch Sachsen-Anhalt und Sachsen verzeichneten mit 429 beziehungsweise 411 Wolfsopfern vergleichsweise hohe Zahlen.
In den meisten anderen Bundesländern wurden indes eine zweistellige Zahl von Nutztieren angegriffen. In Schleswig-Holstein beispielsweise 81 und in Nordrhein-Westfalen 46. Keine Fälle verzeichneten indes allein Berlin, Hamburg und das Saarland.
Eberhart Hartelt vom Deutschen Bauernverband sieht die Existenz der Weidetierhaltung in Deutschland in Frage gestellt. „Es wird Zeit, dass die Politik endlich aufwacht“, teilte er am Freitag mit. Hartelt forderte ähnlich wie Bundesagrarministerin ein „aktives Bestandsmanagement“.
Wölfe streng geschützt
Dies ist bislang auch deswegen nicht möglich, weil das Raubtier nach wie vor als streng geschützt gilt. Die EU bewertet den Wolf als im Bestand gefährdet und will an dieser Einschätzung auch nichts ändern. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) teilt die Einschätzung. Somit dürfen weiterhin nur solche Wölfe abgeschossen werde, die mehrfach nachweislich Hindernisse wie Zäune überwunden und Nutztiere angegriffen haben.
Insgesamt zahlen die Länder nach Angaben der Dokumentationsstelle im vergangenen Jahr 10,3 Millionen Euro: 9,5 Millionen flossen in die Förderung von Abwehrmitteln wie Zäunen. Gut 800.000 Euro waren finanzieller Ausgleich für gerissene Nutztiere.