Politik
Politik hat keine Patentlösung für Emder Bunkermuseum
Die Fraktionen des Emder Rates wollen das von der Schließung bedrohte Bunkermuseum erhalten. Sie schlagen unterschiedliche Wege zur Lösung der Probleme vor. Wie es weitergeht, bleibt aber offen.
Was und warum
Darum geht es: Das Emder Bunkermuseum hat große Probleme, die Anforderungen des Brandschutzes zu erfüllen.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Besucherinnen und Besucher der Stadt, die sich für die Emder Geschichte und das Geschehen während des Zweiten Weltkriegs interessieren.
Deshalb berichten wir: Der Betreiberverein hat in dieser Woche auf das drohende Ende des Bunkermuseums hingewiesen. Unsere Redaktion wollte von den Fraktionen des Emder Rates wissen, wie sie dazu stehen und ob sie eine Lösung für die Probleme kennen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
In dieser Woche war bekannt worden, dass der Betreiberverein um den Fortbestand des seit dem Herbst 2020 geschlossenen Bunkermuseums bangen muss. Grund: Die Kosten für den zwingend erforderlichen Einbau zusätzlicher Fluchtwege für den Brandschutz wird nach Angaben der Verantwortlichen mittlerweile mit 600.000 Euro veranschlagt.
Die Stadt als Eigentümerin des Betonklotzes habe zwar signalisiert, die Hälfte dieser Summe beizusteuern. Wie die übrigen 50 Prozent finanziert werden können, ist derzeit aber noch völlig offen. Der kleine Verein mit seinen gegenwärtig 35 Mitgliedern sieht sich dazu außerstande. Es sei gegenwärtig auch schwierig, an Fördermittel heranzukommen, heißt es dort.
Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Ratsfraktionen sind sich einig darin, dass das Museum in jedem Fall erhalten bleiben muss. Auf Anfragen dieser Zeitung schlugen ihre Spitzen ganz unterschiedliche Wege zur Rettung vor.
Das sagt die SPD
SPD-Fraktionschefin Maria Winter regte, dass sich der Verein mit anderen Bunkermuseen in Europa in Verbindung setzt, um zu erfahren, wie anderenorts Fluchtwege geschaffen wurden. Möglicherweise gebe es vertretbare Alternativen, die nicht so viel Geld verschlingen. Der Politikerin fehlen nach eigenen Angaben auch Alternativen und Ideen seitens der Stadtverwaltung. „Es reicht nicht, zu sagen, dass der aktuelle Zustand gesetzwidrig ist, und es gäbe nur die eine Lösung“, so die SPD-Politikerin. Für solche Aufgabe halte sich Emden einen Verwaltungsapparat mit vielen Fachleuten: „Nur zu sagen, so geht es nicht, reicht nicht“.
Das sagt die CDU
Nach Auffassung des CDU-Fraktionsvorsitzender Gerold Verlee sollten jetzt alle Beteiligten an einen Tisch kommen und ausloten, wie der neue Weg aussehen soll. Klar sei, dass der neue Rat die Entscheidung treffen werde. Ebenso klar sei aber auch, „dass jeder weitere Euro umgekehrt bedeutet, dass er woanders fehlt“, so Verlee. Zu einer Aufgabe des Museums sollte es aber nicht kommen.
Das sagen die Grünen
Aus Sicht von Grünen-Fraktionschef Bernd Renken wäre es „fatal, wenn die Problematik des Brandschutzes das Ende des Museums einläuten würde“. Denn die Einrichtung sei für Emden „eine wichtige Erinnerungsstätte und zugleich Mahnmal gegen Faschismus und Krieg“. Wünschenswert wäre es, so der Grüne, „wenn über bürgerschaftliches Engagement aus der Stadtgesellschaft weitere Mittel generiert werden könnten“. Zudem sollte geprüft werden, inwieweit eine Förderung aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“ möglich ist. Denn aus diesem Topf könnten laut Landesregierung innerstädtische Freizeit- und Tourismusangebote sowie Kulturprojekte bezuschusst werden.
Das sagt die FDP
Auch der Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion, Erich Bolinius, meint, es müsse alles versucht werden, das Bunkermuseum vor einer endgültigen Schließung zu bewahren. Das Haus habe für die Stadt „eine hohe Bedeutung“ und sei für Emden ein Alleinstellungsmerkmal. Die Stadt könnte aufgrund ihrer finanziellen Lage nicht die volle Summe von 600.000 Euro zur Verfügung stellen, meint Bolinius. Vielmehr müsse versucht werden, über Förderanträge an Bund, Land und Stiftungen Mittel zu bekommen. Nur ein gemeinsames Vorgehen - möglicherweise mit neuen namhaften Persönlichkeiten an der Spitze des Museums - könne den Fortbestand dauerhaft sichern. Der FDP-Politiker schlägt zudem eine Sondersitzung der Fraktionsspitzen auf Einladung des Oberbürgermeisters vor, um eine Strategie zu entwickeln.
Das sagt die GfE
Für die GfE-Fraktion sind nach Angaben ihres Sprechers Rainer Mettin auch Landtags- und Bundestagsabgeordnete gefordert, Zuschüsse für das Museum einzuwerben. „Das hätte schon längst geschehen müssen“, so Mettin. Er sieht auch die Stadt in der Pflicht, das Museum zu erhalten, „koste es, was es wolle und nötigenfalls aus dem eigenen Budget“. Schließlich frage die die Stadt auch in Zeiten knapper Kassen nicht, inwieweit die Mehrkosten für die neue Halle des Bau-und Entsorgungsbetriebes, das Landesmuseum, die Kunsthalle, die Musikschule und weitere Dinge gerechtfertigt seien. Auch für das geplante Zentralklinikum sei der Stadt kein Euro zu schade, so der GfE-Sprecher.