„Ültje“-Gelände
Sozialer Wohnraum bleibt Streitthema in Emden
Das Aktionsbündnis „Besser Wohnen“ lässt beim „Ültje“-Gelände nicht locker. Der Vorwurf: Der Stadt Emden fehle es an Konzepten für sozialen Wohnungsbau.
Emden - Wie geht die Stadt mit den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft um? Und wie lässt sich die soziale Verantwortung so schultern, dass sie dauerhaft bewältigt werden kann? Diese Fragen stehen im Kern der Debatte um den Emder Immobilienmarkt, die sich jüngst wieder an einem ganz besonderen Projekt entzündet hat: der Bebauung der Industriebrache „Ültje“. Nun, einige Wochen nach einem öffentlich geführten Meinungsaustausch zu dem Thema, meldet sich das Aktionsbündnis „Besser Wohnen“ (ABBW) erneut zu Wort. Die Mitglieder monieren, dass die Stadtverwaltung Emden „anscheinend kein Konzept für sozialen Wohnungsbau hat“. Auch die Fraktionen des Stadtrates hätten sich „kaum inhaltlich an der Diskussion“ beteiligt.
Zur Erinnerung: Das Annäherungsgespräch zwischen Aktionsbündnis, Stadtverwaltung und Politik tagte am 20. Juli in der Nordseehalle. Die Ergebnisse blieben überschaubar. Die Stadt sieht die finanzielle Balance und ihre Leistungsfähigkeit in Gefahr. Sie will deswegen neue Baugebiete und attraktiven Wohnraum ausweisen. Die Stadt will verhindern, dass immer mehr gut situierte Familien mittleren Alters Emden verlassen. Nur so sei die kreisfreie Kommune dauerhaft in der Lage, die horrenden Pflichtausgaben für eine große Zahl Transferleistungsempfänger zu stemmen, hieß es im Juli.
Aktionsbündnis bleibt bei Forderungen
Das Aktionsbündnis drängt auch in der aktuellen Mitteilung darauf, dass 40 Prozent der neuen Wohnungen auf dem „Ültje“-Gelände dem sozialen Wohnungsbau zugerechnet werden. Man müsse alle Familien und nicht nur „besser-verdienende“ in den Blick nehmen. Nach aktuellen Planungen sollen zehn Prozent des Wohnungsneubaus auf dem „Ültje“-Gelände sozialer Wohnungsbau sein. Mehr sei weder finanzierbar noch rentabel, so Stadt und Wohnungsbaugenossenschaften.
Das von der Stadt Emden angekündigte Wohnungsmarkt-Monitoring bezeichnet das Aktionsbündnis derweil als „alter Wein in neuen Schläuchen“, da dies schon 2010 angekündigt, aber nie umgesetzt worden sei. Zudem geht das Bündnis davon aus, dass der Erkenntnisgewinn nicht hoch sei: „Weiterhin ist der Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum groß“.
Auf dem „Ültje“-Gelände soll, so die Vermutung des Aktionsbündnisses, aber eher eine Aufwertung des Quartiers Transvaal-Port Arthur geschehen und damit einhergehend eine so genannte Gentrifizierung. Das bedeutet: Die Aufwertung eines Stadtteils durch dessen Sanierung oder Umbau mit der Folge, dass die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird. Die Stadt verwies schon beim Annäherungsgespräch auf Initiativen vor allem in Barenburg, wo nach und nach mit Hilfe von Partnern aus der freien Wirtschaft Hunderte preisgünstige Wohnungen angeboten werden. Der soziale Wohnungsmarkt, schlussfolgert Grendel, „wird befriedigt“.