Verkehrskonflikte
Trotz Umbaus: Kreuzung bietet nicht viel Raum für Radfahrer
Die Radfahrer-Lobby hatte sich von der neuen Kreuzung am Fischteichweg mehr versprochen, als jetzt umgesetzt wird. Die Planer kontern, dass sie wegen des eingeschränkten Raums kaum Optionen hatten.
Aurich - Die Kritik ist massiv: Beim Ausbau der Kreuzung Fischteichweg/Kirchdorfer Straße sei zu wenig an die Belange der Radfahrer gedacht worden. Das behauptet die Initiative Lebensqualität und Mobilität in Aurich (Luma) in einer Pressemitteilung. Probleme für den Fuß- und Radverkehr seien vorprogrammiert, ist sich Luma-Sprecher Albert Herresthal sicher. Seine Kritik richte sich „auf die Einseitigkeit der Planungen zugunsten des motorisierten Verkehrs“.
Was und warum
Darum geht es: Die Kreuzung an der Kirchdorfer Straße ist nicht optimal für die Belange von Radfahrern ausgebaut worden.
Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer in Aurich
Deshalb berichten wir: Weil sich der Verein Luma mit Kritik an dem Projekt an die Redaktion gewandt hat.
Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Die wichtigsten Punkte: Rad- und Fußverkehr zwinge man auf eine Fahrspur. Dass sich diese beiden Gruppen einen Teil der Straße teilen müssen, sehen viele Fahrradlobbyisten als problematisch an. Für sie wäre es stimmiger, wenn es eine eigene Spur für Radfahrer gäbe. Ein weiterer Makel besteht in den Augen von Luma darin, dass Fahrradfahrer durch Verschwenkungen der Streckenführung ausgebremst würden. Das gelte insbesondere für jene, die von der Kirchdorfer Straße oder der Hafenstraße geradeaus fahren wollten. Anstoß nehmen die Mitglieder von Luma außerdem daran, dass sich die Grünphasen für den Radverkehr durch die Verbreiterung der Julianenburger Straße verkürzten.
„Chance wurde vertan“
Wörtlich heißt es in der Pressmitteilung: „Der Radweg vom Fischteichweg auf die Kreuzung zu wird nur 1,50 Meter breit sein – viel zu schmal auf diesem viel befahrenen Verkehrsweg. So schmal dürfen Radwege laut gesetzlicher Vorgaben nur dort sein, wo es nur ein geringes Verkehrsaufkommen gibt – ganz sicher also nicht am Fischteichweg.“
Nicht nur der Verein Luma übt Kritik am Ausbau des Knotenpunkts. Auch der Lastenradverein Auriculum sieht die Belange seines Klientels nicht ausreichend gewürdigt. „Es darf nicht nur über die Verkehrswende geredet werden, sie muss auch auf die Straße“, sagt Auriculum-Sprecher Klaus Reisgies und fügt hinzu: „Anstatt immer weitere Verbesserungen für den Autoverkehr zu realisieren, sollte Aurich für Radfahrende und Zufußgehende attraktiver gestaltet werden. Hierzu leistet der aktuelle Umbau der Kreuzung überhaupt keinen Beitrag. Hier wird eine gute Chance der Neugestaltung vertan“.
Interessen aller im Blick
Matthias Hayen, Leiter des Amts für Kreisstraßen, zeigte sich auf Anfrage dieser Zeitung erstaunt über die Kritik: „Ich hatte vor zehn oder zwölf Wochen eine Unterredung mit Albert Herresthal − genau wegen dieser Einwände. Es war ein konstruktives Gespräch. Ich hatte den Eindruck, dass er meine Argumente verstanden hatte.“ In seinen Augen hätte es durchaus Verbesserungsmöglichkeiten für die Situation der Radfahrer an diesem Knotenpunkt gegeben. Vieles hätte man aber wegen des eingeschränkten Raums nicht umsetzen können. Seine Aufgabe sei es außerdem, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer im Blick zu haben. Er wisse, dass eine ganze Reihe an Radfahrern, dazu zählten vor allen Dingen ältere Menschen und Kinder, sich auf einem separaten Radweg am sichersten fühlten.
Hayen strich heraus, dass er die Kritik nicht in allen Punkten nachvollziehen könne. So sei es in seinen Augen eine große Verbesserung, dass der Radweg eben nicht mehr wie derzeit nur knapp einen, sondern künftig 1,50 Meter betrage. Ebenfalls hervorhebenswert: Durch die Modernisierung der Ampelanlage sind Radfahrer, die von der Julianenburger Straße aus geradeaus fahren, nicht mehr so gefährdet wie bisher.
Die Julianenburger Straße ist mit im Schnitt rund 14.000 Fahrzeugen am Tag die am stärksten frequentierte Straße im Landkreis Aurich. Durch den Ausbau soll der Verkehrsfluss an diesem Knotenpunkt beschleunigt werden, das heißt, dass in einer Stunde mehr Fahrzeuge als bisher die Kreuzung queren können. Das soll mit einer separaten Rechtsabbiegespur auf der Julianenburger Straße bewerkstelligt werden. Außerdem wurde die Ampel mit dem Verkehrs-Zentralrechner verbunden. Sie reagiert jetzt mit ihrer Signalgebung auf die aktuelle Verkehrslage.