Seezeichen
Das Emder Fischermädchen ist zur gestandenen Frau geworden
Die Figur „Jantje Vis“ steht seit fast genau 35 Jahren an der Treppe zum Ratsdelft in Emden. Sie ist ein Geschenk des Lions-Clubs und hat einen besonderen Bezug zur Stadtgeschichte.
Emden - Sie ist schon so manches Mal verwandelt und verschandelt worden, Emden aber dennoch immer treu verbunden geblieben: Jantje Vis. Die Bronzefigur eines Fischermädchen steht seit Jahrzehnten ihre Frau bei der Treppe am Ratsdelft im Herzen der Stadt. Obwohl sie etwas unscheinbar wirkt, verzückt die von dem 1996 verstorbenen Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke geschaffene Figur die Passanten auch heute noch.
Was und warum
Darum geht es: Die Geschichte der maritimen Wahrzeichen in Emden kennen nur wenige Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste der Stadt.
Vor allem interessant für: Leute, die in Emden wohnen, sowie Gäste, die hier ihren Urlaub verbringen oder als Tagestouristen die Hafenstadt besuchen
Deshalb berichten wir: In einer Sommerserie nehmen wir die „Emder Seezeichen“ in den Blick, erzählen ihre Geschichte und ihre Besonderheiten. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Skulptur hat historischen Bezug zur Stadt. Sie erinnert an die Tradition des Fischfangs und des Fischhandels. Beides war früher am Delft heimisch. Es gehörte einst auch zum Stadtbild, dass Kinder der Fischerleute die fangfrischen Meerestiere in die Häuser zum Verkauf brachten.
Name kommt aus dem Niederländischen
Jantje Vis, die einen Korb Fische feilbietet, ist ein Geschenk des Emder Lions-Clubs an die Stadt. Die Service-Vereinigung stiftete die Figur im Jahr 1986 anlässlich ihrer 25-Jahr-Feier. Den Vorschlag, der Skulptur die dem Niederländischen entlehnten Namen Jantje Vis zu geben, kam von dem damaligen Emder Museumsdirektor Dr. Helmut Eichhorn. Auch der Name hat einen Bezug zur Stadtgeschichte, denn vor 185 Jahren wurde in Emden noch Niederländisch gesprochen.
Eichhorn war auch Ideengeber für die Plastik und hatte bereits erste Entwürfe gemacht, bevor der Auftrag an Karl-Ludwig Böke ging. Modell hatte dem Bildhauer die damals zehnjährige Hanna Brinkert aus Weener gestanden. Gemeinsam mit ihren Eltern hatte sie am 20. September 1986 auch an der Enthüllung der Figur teilgenommen.
Figur setzt kaum Patina an
Die 1,45 hohe Plastik setzt übrigens nur wenig grüne Patina an, sondern behält den warmen rötlich-braunen Ton. Für die Legierung wählte die Gießerei im schleswig-holsteinischen Elmshorn nämlich ein besonderes Kupfer-Zinn-Gemisch.
Jantje Vis blieb nicht das einzige Geschenk des Lions-Clubs an die Stadt. Im Mai 2006 übergab diese Vereinigung der Öffentlichkeit das in Bronze gegossene Modell des Emder Stadtkerns in der Zeit zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Dieses Werk des Bildhauers und Designers Egbert Broerken aus Welver bei Soest steht auf dem Platz am Hafentor. Es ist auch für Blinde und Sehbehinderte gedacht, die das historische Stadtbild am Modell ertasten können und dazu Erläuterungen in Blindenschrift erhalten.
Zu ihrem 50. Geburtstag stifteten die Lions im September 2011 der Stadt außerdem die Stahlskulptur „Concordia“. Das 2,85 Meter hohe und 850 Kilogramm schwere Kunstwerk des Wittmunder Grafikers und Bildhauers Leonhard Wübbena steht auf der Grünfläche an der Einfahrt zum Emder Bahnhofsplatz und hat die Form eines Kelches. Der lateinische Name Concordia bedeutet Eintracht und passt zu Emden, weil der Wahlspruch der Stadt „In Eintracht wachsen kleine Dinge“ auf Lateinisch über dem Portal des Emder Rathauses am Delft steht.