Barßeler Bootsunglück
Prozess: Aussagen der Überlebenden widersprüchlich
In Emden läuft der Prozess um den tödlichen Bootsunfall auf dem Barßeler Tief im Jahr 2016. Alle überlebenden Bootsinsassen haben ausgesagt. Doch es bleiben viele Fragen offen.
Emden - Im Prozess um einen Bootsunfall in Barßel, der 2016 zwei Menschen das Leben kostete, zeichnet sich auch nach den Aussagen aller Überlebender kein klares Bild des Geschehens ab. Insbesondere die Angaben zur Geschwindigkeit der beiden Boote bleiben vage oder widersprüchlich. Auch zur genauen Position auf dem Barßeler Tief, an dem sich der tödliche Zusammenstoß ereignete, gibt es unterschiedliche Angaben.
Am zweiten Prozesstag machten zwei weitere Überlebende des Unglücks ihre Aussagen. Eine heute 30-Jährige, die im Boot des Angeklagten einen Platz auf der Rückbank hatte, berichtete, im Hafenbecken sei man noch mit Schrittgeschwindigkeit gefahren. Weiter draußen im Barßeler Tief habe der Angeklagte das Boot aber beschleunigt. Wie sehr? „Das kann ich nicht einschätzen“, so die Zeugin. Trotz vielfacher Nachfrage ließ sie sich nur zu der Aussage verleiten, man sei „etwas“ schneller gefahren.
Zeugin berichtet von Angst vor dem Unfall
Trotzdem räumt die Zeugin ein, während der Fahrt ein ungutes Gefühl gehabt zu haben. „Ich hatte Angst, dass etwas passiert“, sagt sie. Auf Nachfrage betont sie aber nicht die Geschwindigkeit des Bootes sei Ursache dieser Angst gewesen. Viel eher habe es sie beunruhigt, dass sich das Boot zu so später Stunde derartig weit vom Hafen entfernt hatte.
Emotional wurde die Verhandlung als eine heute 27-jährige Frau in den Zeugenstand trat, die den Bootsunfall mit sehr schweren Verletzungen überlebte. Nur eine Notoperation rettete der jungen Frau damals das Leben, wie es in einem Bericht heißt, den der Richter verlas. Die Frau erlitt ein schweres Schädelhirntrauma, einen Schädelbruch, sowie Brüche des Kiefers und des Jochbeins.
Zeugin leidet bis heute unter Unfallfolgen
Unter Tränen berichtete die Frau von bleibenden Schäden, die sie bis heute stark einschränken. Sie habe ihre Arbeitsstelle wechseln müssen, weil sie der Belastung nicht standhielt, zudem könne sie nur in Teilzeit arbeiten. Chronische Kopfschmerzen, Ermüdung und Konzentrationsschwächen seien bis heute spürbar. „In den letzten Jahren hat sich daran eigentlich nichts verbessert“, sagte die Frau, die betonte wie sehr sie auch die anhaltenden juristischen Auseinandersetzungen belaste.
Der Prozess soll am Nachmittag mit den Verhören der ermittelnden Polizeibeamten fortgesetzt werden.