Idee

Stadtstrand in Leer: Herr Schlüter hat eine andere Idee

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 17.08.2021 18:32 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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2012 beschäftigte sich Heinrich Schlüter schon mit der Leeraner Stadtentwicklung. Als die Verwaltung die Stadtstrand-Idee vorstellte, fühlte er sich daran erinnert. Ein Strand kam aber nicht vor.

Was und warum

Darum geht es: Die Stadt schlägt vor, einen Stadtstrand zu installieren, um den Ernst-Reuter-Platz aufzuhübschen. Heinrich Schlüter hat einen eigenen Plan entwickelt.

Vor allem interessant für: Leeraner und Besucher

Deshalb berichten wir: Die Entwicklung der Stadt interessiert viele Menschen. Heinrich Schlüter hat sich viele Gedanken darüber gemacht und bereits in einer Planungswerkstatt mitgearbeitet. Wir stellen seine Idee vor.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Leer - Ein Stadtstrand soll nach Wunsch der Stadtverwaltung demnächst am Ernst-Reuter-Platz entstehen. Leer hat sich um Fördergelder aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt!“ beworben. Mit dem Hilfsfonds fördert das Land Niedersachsen die Bewältigung der Pandemiefolgen in den Innenstädten. 650.000 Euro zuzüglich eines Mehrbedarfs von mehr als 200.000 Euro möchte Leer für die Umsetzung am Hafen haben. Das vorläufige Konzept hat die Stadt in der vergangenen Woche vorgestellt. Neben dem Sandstrand mitten in der Stadt könnten neue Grünanlagen entstehen, außerdem könnte der Spielplatz neugestaltet und Pavillons, zum Beispiel für eine Strandbar, errichtet werden, heißt es.

Die Pläne hat Heinrich Schlüter sehr genau studiert. Denn den Ernst-Reuter-Platz möchte der Rentner schon sehr lange verändern. „Er braucht viel mehr Flair“, sagt der Leeraner. 2012 beschäftigte er sich in einer vom damaligen Bürgermeister Wolfgang Kellner initiierten Planungswerkstatt zusammen mit gut 100 Bürgerinnen und Bürgern von Leer mit Themen für die Innenstadtentwicklung. Sie arbeiteten einige Vorschläge aus, die sie der Politik zur Verfügung stellten. Doch die Ergebnisse ließen zumindest im Bezug auf den Ernst-Reuter-Platz auf sich warten. Schlüter holte sie deswegen noch einmal hervor. Von einem Stadtstrand hält er wenig: „Wie soll der denn bei Wind und Wetter genutzt werden?“, fragt er.

Geteilte Meinung bei Facebook

Nicht nur Schlüter übte nach Veröffentlichung der Pläne Kritik. Auch in sozialen Netzwerken diskutierten die Leeraner über die Umgestaltung. Bei Facebook fragten sich einige Nutzer, ob der Strand wirklich sauber gehalten werden könne und wie Vandalismus entgegenzutreten sei. Auch die Probleme mit den Anwohnern müssten bedacht werden.

Andere wiederum freuten sich über die Idee der Stadt: „Super Idee und ja, wir würden hingehen. Leer hat so eine schöne Uferpromenade, aber bisher fehlt da etwas Leben“, schrieb auf der Seite der OZ zum Beispiel Elke Schnell. „Jaaa, bitte .. so á la Strandpauli“, schrieb Jasmin Lerch mit Verweis auf einen Hamburger Beachclub. „Einen Strand hatten wir in Hannover schon vor zehn Jahren. Es war herrlich, in der Altstadt im Liegestuhl oder Strandkorb zu sitzen und Cocktails zu genießen“, schrieb Klaus Bida dazu.

Eisfläche im Winter

Heinrich Schlüter will kein Spielverderber sein: „Wenn die Mehrheit einen solchen Strand will, kann man das sicher integrieren“, sagt er. Herzstück in Schlüters Vorstellung soll ein großer Platz mit einer Bühne sein. „Dort können Konzerte stattfinden“, sagt er. Für den Wochenmarkt sei ebenfalls Platz. „Im Winter könnte eine Eisfläche aufgebaut werden, für Schlittschuhlaufen oder Eisstockschießen“, sagt er. Man brauche für seine Ideen ein wenig Fantasie.

Der Kinderspielplatz soll aus Schlüters Sicht modernisiert und mit Angeboten aufgehübscht werden, die auch ältere Kinder interessieren könnten. Hinzu komme nach Schlüters Wunsch eine Info-Station zur Leeraner Flüsselandschaft und den stadtökologischen Lehrpfad.

Restaurant mit Wasserblick

Statt des Strandes setzt er lieber auf grüne Parkanlagen mit Bänken zur Erholung. Auch solle die Uferanlage breiter werden. Für das kulinarische Wohl der Leeraner und ihrer Gäste setzt Schlüter auf ein weiteres Restaurant in dem Bereich. Es sollte zwischen Ufer und Bühne zentral stehen. „Ich stelle mir ein Lokal mit großen Glasscheiben vor, wo man gut auf das Wasser schauen kann“, sagt der Rentner. Eine Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie in der Nähe sieht er nicht.

So soll es nach Schlüters Wünschen am Ernst-Reuter-Platz aussehen. Grafik: Reil
So soll es nach Schlüters Wünschen am Ernst-Reuter-Platz aussehen. Grafik: Reil

Für seine Pläne müssten die Parkplätze am Ernst-Reuter-Platz weichen. „Fahrräder sollen die Priorität haben“, sagt er. Nur einige wenige Stellplätze für gehbehinderte Besucher solle es geben. „Alle anderen können im Parkhaus am Ostersteg parken“, sagt er.

Keine weitere Stufenanlage

Was Schlüter am Stadtentwurf überhaupt nicht gefällt, ist die Stufenanlage rund um die Nessebrücke. „Das wäre die dritte Stufenanlage an der Promenade. Wie viele sollen es denn noch werden?“, fragt er. Neben den Stufen an der Tourismuszentrale entstehen an der Uferpromenade vor dem Hotel „Hafenspeicher“ weitere Stufen. Noch mehr Stufen seien unnötig.

Er hofft, dass der Platz bald mit Leben gefühlt werde. Denn es ärgere ihn, dass seit Jahren dort nichts passiert sei. „Ich bin enttäuscht, dass die Politik sich mit den Überlegungen der Planwerkstatt nicht auseinandersetzt und eher Investoren das Stadtbild bestimmen. Das ist nicht richtig“, sagt Schlüter.

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