Verein
Hospizverein Aurich: Beschwerdeführer blitzt ab
Mitglied Uwe Schilling hatte sich über das Einladungskonzept zur Jahreshauptversammlung beschwert und sieht Satzungsverstöße. Er fand keinen Rückhalt unter den Mitgliedern und will darauf reagieren.
Aurich - Dass ein Vorstand sich von einem Rechtsbeistand auf eine Jahreshauptversammlung eines Vereins begleiten lässt, gehört zu den eindeutigen Ausnahmen. Genau dies hat der 1. Vorsitzende des Auricher Hospizvereins, Horst Feddermann, am Montag aber getan und sich Coob Buss von der Kanzlei Winterhoff-Buss hinzugeholt, nachdem es im Vorfeld Unmut gegeben hatte. Das Vereinsmitglied Uwe Schilling hatte in einem offenen Brief zum Ausdruck gebracht, dass er die hygienisch und räumlich begründete Begrenzung der Teilnehmer auf gut 40 für einen Satzungsbruch halte und vom Vorstand verlangt, noch einmal ordentlich und ohne Beschränkungen einzuladen und sich stattdessen einen entsprechend größeren Saal zu suchen. Gute 40 Mitglieder fanden sich laut Feddermann und Schilling im vorgesehenen Saal ein. „Niemand ist abgewiesen worden, niemand musste warten. Es wäre sogar noch Platz für ein paar mehr Mitglieder gewesen“, sagte Feddermann.
Was und warum
Darum geht es: Der Beschwerdeführer im Streit um die Einladungen zur Jahreshauptversammlung des Auricher Hospizvereins hat intern keinen Rückhalt gefunden
Vor allem interessant für: Interessierte an Hospizarbeit und Vereinsrecht
Deshalb berichten wir: Ein Mitglied des Vereins Hospiz Aurich hatte sich in einem offenen Brief über den Vorstand beschwert, weil aus Hygienegründen im für die Jahreshauptversammlung vorgesehenen Raum maximal gut 40 Menschen hätten teilnehmen können. Er wollte deshalb eine ordnungsgemäße neue Einladung in einem größeren Raum ohne gedeckelten Zugang. Die Autorin erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de
Schilling stand mit seiner Rechtsauffassung, dass eine raumgrößenbedingt gedeckelte Höchstzahl von Teilnehmern an der Hauptversammlung nicht zulässig ist und deshalb neu eingeladen werden müsste, in der nicht-öffentlichen Sitzung relativ einsam da und zeigte sich im Anschluss konsterniert: „Nahezu alle Mitglieder sind mir nicht gefolgt, haben alles Brechen der Satzung einfach abgesegnet.“ Feddermann sprach von einer „Einzelmeinung, die nicht weiter vertieft wurde“.
„Ich brauche nicht allein gegen Windmühlen kämpfen“
Rechtliche Schritte gegen das Vorgehen der Vereinsspitze und etwa am Ende auch die getroffenen Entscheidungen anfechten, werde er aber nicht. „Wenn die Mitglieder nicht dahinter stehen, lohnt das nicht. Sie haben das Vorgehen toleriert, keinerlei Nachfragen gestellt. Den Bruch mit der Pflicht, der Satzung zu folgen, haben sie abgesegnet. Ich brauche nicht allein gegen Windmühlen zu kämpfen - umso weniger, wenn das gar nicht gewünscht ist“, sagte Schilling und setzte hinzu: „Ich bin schon enttäuscht davon. Ich dachte, ich hätte etwas mehr Rückhalt. Der Verein will anscheinend so leben.“ Er wolle das nicht. Wird er insofern austreten? „Ich denke darüber nach. Ich weiß noch nicht, zu wann, aber sehr wahrscheinlich werde ich den Verein verlassen“, sagte Schilling. „Die Ehrenamtlichen im Verein machen eine tolle Arbeit. Aber ich selbst arbeite hauptamtlich in einem Verein, in dem solche Regelbrüche nicht tragbar wären.“
Feddermann selbst wurde auf der Sitzung ebenso als 1. Vorsitzender im Amt bestätigt wie Dr. Albrecht Kottmeyer als sein Stellvertreter. Neu gewählt wurden Detlef Meyer als Schatzmeister sowie Sylvia Tautz als Schriftführerin, nachdem die vorherige Schriftführerin Helma Saathoff-Maas sowie der bisherige Schatzmeister Klaus-Werner Albrecht ihre Ämter bereits weit vor der Versammlung niedergelegt hatten.
Feddermann: Blick aufs Wesentliche richten
Feddermann betont noch einmal: „Es war nie die Absicht, irgendwen von der Versammlung auszuschließen. Absolut nicht. Aber wir können ja keinen gigantisch großen Raum mieten, nur weil theoretisch mehr Menschen kommen, als wir gedacht hatten.“ Zumal: Wegen geltender Hygieneregeln könne man aktuell ja generell deutlich weniger Menschen als sonst in einem Saal unterbringen. Er hoffe, „dass jetzt Gras über die jüngste Aufregung wächst und unser Verein wieder für das öffentliche Aufmerksamkeit erhält, was ihn auszeichnet: die liebe- und würdevolle Begleitung von im Sterben liegenden Menschen durch Ehrenamtliche, die sich einsetzen und ganz, ganz tolle Arbeit leisten“. Dies sei das Wesentliche und wirklich Entscheidende, und darauf gelte es, den Blick zu richten.