Kritik

Randale an der Pewsumer Manningaburg

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 20.08.2021 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Susanne Rongelraths hat uns dieses Foto zugeschickt. Farbspritzer wie dieser fänden sich derzeit immer wieder auf dem Burggelände, sagt sie. Foto: Privat
Susanne Rongelraths hat uns dieses Foto zugeschickt. Farbspritzer wie dieser fänden sich derzeit immer wieder auf dem Burggelände, sagt sie. Foto: Privat
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Der Trägerverein der Manningaburg wehrt sich mit neuen Mitteln gegen Jugendliche, die Gäste vergraulen sollen. Zuvor waren schon auf dem Schulhof Maßnahmen getroffen worden. Ist das der richtige Weg?

Was und warum

Darum geht es: In Pewsum geraten Heranwachsende und der Trägerverein der Manningaburg aneinander. Eine Lösung des Problems ist bislang nicht in Sicht.

Vor allem interessant für: Besucher der Burg sowie erwachsene und jugendliche Bewohner von Pewsum

Deshalb berichten wir: Durch einen anderen Medienbericht sind wir auf die neuen Probleme an der Manningaburg aufmerksam geworden. Daraufhin haben auch wir nochmal den Trägerverein, die Polizei und die Gemeinde kontaktiert.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Pewsum - Wohin können Jugendliche in Pewsum gehen, um Spaß zu haben und um auch mal laut zu sein? In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen in der Gemeinde Krummhörn rückt diese Frage erneut in den Fokus. Im vergangenen Jahr war eine Gruppe randalierender Heranwachsender bereits mithilfe von Überwachungskameras vom Gelände der Manningaburg vertrieben worden. Als sie sich daraufhin verstärkt bei der Grundschule traf, sperrte die Gemeinde das Gelände ab und engagierte einen Sicherheitsdienst – zum Nachteil der Kinder, die den beliebten Schulspielplatz seitdem nur noch eingeschränkt nutzen können. Nun sind die Jugendlichen wieder zur Manningaburg zurückgekehrt und auch dort kündigt man nun auf Nachfrage unserer Zeit weitere Gegenmaßnahmen an.

Helmut Bensing und Susanne Rongelraths vom Vorstand des Heimatvereins Krummhörn ärgern sich nämlich gewaltig. So vergrault laut Rongelraths eine Gruppe von meistens etwa zehn Personen potenzielle Burgbesucher. Dabei konnte das Museum in dem historischen Gebäude jetzt nach erneutem monatelangem Shutdown erst gerade wieder öffnen. Die Veranstaltungsobfrau des Vereins bestätigt, dass laute Musik gehört wird, Farbpatronen gegen die Mauern geworfen sowie Pflanzen und alte Stufen beschädigt werden. Sie selbst sei fast von einem Böller getroffen wurde. Auch komme es zu Verschmutzungen durch Müll und Glasscherben und durch Fahrräder werde der Zugang zum Museum blockiert. Als Rongelraths kürzlich wieder ihren ersten Dienst hatte und es mit 18 Kindern und Jugendlichen besonders voll war, sei die Lage völlig eskaliert. Als sie die Heranwachsenden zur Rede stellen wollte und man sie auslachte, habe sie schließlich die Polizei gerufen.

Früher lebte in der Manningaburg in Pewsum das gleichnamige ostfriesische Häuptlingsgeschlecht. Heute befindet sich in dem historischen Gebäude ein Museum. Archivfoto: Wagenaar
Früher lebte in der Manningaburg in Pewsum das gleichnamige ostfriesische Häuptlingsgeschlecht. Heute befindet sich in dem historischen Gebäude ein Museum. Archivfoto: Wagenaar

Polizei nimmt Kontakt zur Gemeinde auf

Laut Rongelraths und Bensing sollen nun in Absprache mit der Gemeindeverwaltung, der Burgbesitzerin, zwei neue Überwachungskameras zur Aufzeichnung angeschafft werden. Zudem soll auf dem Burggelände, wie zuvor schon an der Grundschule, ein Ordnungsdienst patrouillieren. Er kontrolliere das Gelände zu unregelmäßigen Zeiten. „Darüber hinaus besitzen wir eine Nummer der Rufbereitschaft, um sie kurzfristig herbeizurufen.“ Vorübergehend würden außerdem nun immer zwei Personen gleichzeitig den Dienst in der Burg verrichten. „Dass das Geschehen in der Burganlage mal so weit gehen würde, haben wir alle nicht erwartet“, schreibt Bensing. Es sei ein „trauriges Kapitel“ und mit der Aussage „wo sollen die Jugendlichen denn sonst hin?“ sei dem Verein auch nicht geholfen.

Anfang vergangenen Monats hatte uns die Sprecherin der zuständigen Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, Wiebke Baden, noch für einen anderen Artikel über die Schulhof-Einzäunung gesagt, dass es in der Krummhörn keinen Ort gibt, den man als „Hotspot“ bezeichnen könnte, an dem Heranwachsende besonders häufig für Ärger sorgen. Auf das aktuelle Geschehen angesprochen, schreibt sie nun, dass bislang keine Strafanzeige gegen die Jugendlichen eingegangen ist. Die Beamten hätten sich aber in dieser Sache mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt, „um der Sache genauer nachzugehen.“ In dem Einzäunungs-Artikel hatte Gemeindesprecher Fritz Harders zudem angekündigt, dass das Jugendhaus nach diesen Sommer- oder spätestens nach den Herbstferien wieder öffnen soll. „Das Personal der Jugendpflege wird am Ende der Sommerferien durchgeimpft sein, so dass dann auch an der IGS wieder Angebote gemacht werden können“, hieß es. Weitere Freizeitprojekte seien aufgrund der Corona-Pandemie und anderer vordringlicherer Probleme jedoch auf Eis gelegt worden.

Über den Gemeindejugendpfleger Christian Behringer hieß es Anfang Juli, dass es von ihm schon mehrere „spätabendliche Ansprachen“ an die Jugendlichen gegeben habe, die jedoch nichts gebracht hätten. Für eine aktualisierte Stellungnahme zum jüngsten Geschehen waren nun jedoch weder er noch Harders erreichbar.

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