Justiz
Rentner aus Geldnot als Drogenkurier unterwegs
Prozess gegen Bunder wurde fortgesetzt. Ein Rentner, der als Drogenkurier eingesetzt war, sagte als Zeuge aus. Er habe den Job aus Geldnot gemacht.
Aurich - Der Prozess gegen einen Bunder, der über eine Million Euro mit dem Handel von Marihuana und flüssiger Amphetamin-Base eingenommen haben soll, wurde am Freitag vor dem Auricher Landgericht fortgesetzt. Mitangeklagt sind seine Frau und seine Mutter. Ihnen wird Beihilfe und Geldwäsche vorgeworfen. Die 65-Jährige soll für ihren Sohn Rechnungen in einer Gesamthöhe von rund 55 000 Euro beglichen haben. Das Geld soll ihr bar zurückgegeben worden sein. Sie habe die Rechnungen überwiesen, weil ihr Sohn ihr gesagt habe, dass er vom Geschäftskonto seiner niederländischen Firma keine Überweisungen nach Deutschland vornehmen könne. Sie habe ihm vertraut.
Nach Aussage der Ehefrau ist das Haus des Paares nicht mit Drogengeldern finanziert worden. Von Anfang an sei geplant gewesen, den Kredit für die Immobilie – sie ist mit einer Grundschuld von 200.000 Euro belastet – aus dem monatlichen Einkommen von 3000 Euro zu bestreiten. Die Bank muss am Prozess als Einziehungsbeteiligte teilnehmen. Sie stemmt sich gegen eine entschädigungslose Einziehung des Geldes. Die kommt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft in Betracht, weil sich ihr eine Finanzierung aus illegalen Geldmitteln hätte aufdrängen müssen. Aus Sicht der Bank gab es aber keinen Anlass für einen Verdacht auf Geldwäsche.
„Spezielle Telefone“ benutzt
Die Drogen aus Spanien und den Niederlanden sollen in umgebauten Fahrzeugen nach Deutschland geschmuggelt worden sein. Zwei Drogenkuriere wurden als Zeugen vernommen. Ein Rentner aus Herne (Nordrhein-Westfalen), der Stoff im niederländischen Scheemda abgeholt und zu Abnehmern nach Oldenburg und Hamburg gebracht hat, erzählte: „Ich habe zu 99 Prozent nicht gewusst, was drin war im Auto.“ Über seinen Schwiegersohn sei er an die Kurierfahrten gekommen. Die Angeklagten kenne er nicht. Den Job habe er aus Geldsorgen gemacht. Zur Organisation habe der Schwiegersohn „spezielle Telefone“ verwendet. Der bestätigte die Angaben seines Schwiegervaters. Er habe zu einem Hintermann aus Scheemda über sein EncroChat-Handy Kontakt gehabt. „Das waren angeblich abhörsichere Telefone, die wie ein ganz normales Smartphone aussehen“, erklärte er. Darüber habe er auch mit den Abnehmern kommuniziert. Französischen Ermittlungsbehörden war es gelungen, die Handys zu knacken.
Der Prozess geht am 9. September, 9 Uhr, weiter.