Verkehr
Das Experiment Neutorstraße in Emden geht jetzt an den Start
Die Stadt Emden hat am Freitag damit begonnen, die Änderungen für den Modellversuch in der Neutorstraße umzusetzen. Die Meinungen in der Politik und in der Bevölkerung sind geteilt.
Was und warum
Darum geht es: Die Stadt will eine Mobilitätswende in der Emder Innenstadt einleiten. Der erste Aufschlag ist ein Modellversuch für neue Verkehrskonzepte auf der Neutorstraße, der jetzt beginnt.
Vor allem interessant für: Fußgänger, Rad- und Autofahrer sowie alle Akteure in der Emder Innenstadt
Deshalb berichten wir: Schneller als erwartet hat die Stadt am Donnerstag den Start des Modellversuchs angekündigt. Wir hatten zuvor darüber berichtet und fassen den Stand der Diskussion noch einmal zusammen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Fußgänger und Radfahrer sollen auf dieser Achse, die die Fußgängerzonen der Stadt durchschneidet, künftig Vorrang haben. Das ist Teil eines großen Experiments, mit dem die Stadt bis Mitte Januar 2022 neue Lösungen für die Verkehrslenkung in der Innenstadt finden will.
Vorrang für Fußgänger und Radfahrer
Erprobt werden sollen laut einer Mitteilung der Pressestelle die dauerhafte Einrichtung eines sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs oder eines sogenannten Shared-Spaces-Konzeptes, bei dem sich Verkehrsteilnehmer öffentliche Flächen gleichberechtigt teilen. Bei beidem bekommen der Fußgänger- und der Radverkehr einen höheren Stellenwert.
Die Stadt hatte diesen Modellversuch zwar schon vor etwa vier Wochen gegenüber dieser Zeitung angekündigt und erläutert. Die rasche Umsetzung zum jetzigen Zeitpunkt kommt für viele dennoch völlig überraschend. Angekündigt hatte die Stadt ihr Vorhaben am Donnerstagabend in einer Pressemitteilung, was für ein Vorhaben mit weitreichenden Auswirkungen so kurzfristig zumindest ungewöhnlich ist.
Versuch dauert fünf Monate
Hintergrund ist, dass die einseitige Sperrung der Neutorstraße in Richtung Rathausplatz, die vor etwa anderthalb Jahren erforderlich geworden war, jetzt kurz vor der Eröffnung des neuen Geschäfts- und Hotelkomplexes Neutor-Arkaden eigentlich wieder aufgehoben werden könnte.
Die Stadt will es in den kommenden fünf Monaten für den Modellversuch aber zunächst bei der einspurigen Führung des Autoverkehrs vom Rathaus in Richtung Agterum belassen.Das Experiment wird in der kommenden Woche beginnen. Die Vorbereitungen dafür sollen am Montagabend abgeschlossen sein.
Kritik von CDU und FDP
Kritik kommt unterdessen aus den Ratsfraktionen von FDP und CDU. Sie stören sich an der jüngsten Aussage der Stadtverwaltung, die Entscheidung für den Modellversuch sei „mit der Politik“ getroffen worden. Dem widersprechen FDP-Fraktionsvorsitzender Erich Bolinius und dessen CDU-Amtskollege Gerold Verlee. Es habe zu dem Thema Ende Juli lediglich eine Mitteilungsvorlage im Verwaltungsausschuss gegebenn, sagen beide. Das ist das wichtigste Gremium zwischen den Ratssitzungen.
Von einer Zustimmung seitens ihrer Fraktionen könne keine Rede sein, so Bolinius. „Wir sind nicht gefragt worden, und man wollte uns dazu auch nicht hören“, sagte Verlee. Die Stadt habe darauf hingewiesen, dass es sich um ein Geschäft der laufenden Verwaltung handele. Sowohl CDU als auch FDP wollten, dass dieses weitreichende Vorhaben zunächst im zuständigen Fachausschuss oder auch im Rat behandelt wird. „Dazu gibt es noch einiges zu sagen“, so Bolinius.
SPD, Grüne und GfE sind dafür
Für die CDU kommt das Experiment zum falschen Zeitpunkt, zumal die als Trogstrecke bekannte Südumgehung in Emden ebenfalls noch für längere Zeit gesperrt ist. Die Fraktionen von SPD, Grünen und GfE, die zusammen die Mehrheit der Stimmen im Rat haben, hatten hingegen den Modellversuch schon nach dem Bekanntwerden im Juli ausdrücklich begrüßt.
Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt sind die Meinungen ebenfalls geteilt. In den sozialen Medien überwiegen kritische Stimmen. Sie befürchten einen Verkehrskollaps und den endgültigen Todesstoß für den Einzelhandel in der Innenstadt.
Meinungen in der Öffentlichkeit geteilt
Befürworter des Experiments heißen es hingegen gut, Radfahrern und Fußgängern im Zentrum mehr Platz und Vorrang zu geben. Mit dem Autobahnring und künftig auch wieder der Trogstrecke gebe es genug Möglichkeiten, die Innenstadt zu umfahren, sagen sie. Ein weiteres Argument: Autos in den Innenstädten seien nicht mehr zeitgemäß.
Die Diskussion um die Verkehrsführung in der Neutorstraße ist nicht neu. Schon seit vielen Jahren ringen der Einzelhandel, die Politik und die Stadtverwaltung um Lösungen. Es gab bereits viele unterschiedliche Vorschläge dafür.