Verkehr

Fahrradfahrer demonstrierten für mehr Sicherheit

Imke Kluth
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Von Imke Kluth
| 22.08.2021 14:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die rund 40 Teilnehmer der Fahrraddemo sorgten mit ihrer Aktion für einen Rückstau auf der Straße zwischen Riepe und Oldersum. Fotos: Ortgies
Die rund 40 Teilnehmer der Fahrraddemo sorgten mit ihrer Aktion für einen Rückstau auf der Straße zwischen Riepe und Oldersum. Fotos: Ortgies
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Fahrradfahrer haben für den Bau eines Radwegs an der L1 zwischen Riepe und Oldersum demonstriert. Auch die Polizei sieht dort Gefahren für Radfahrer. Die Chancen für einen Radweg stehen gut.

Was und warum

Darum geht es: Ein Radweg entlang der L1 soll für eine bessere Verbindung und für mehr Sicherheit sorgen.

Vor allem interessant für: alle, die in der Gegend gerne mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Deshalb berichten wir: Mit einer Demonstration wollten die Organisatoren und Teilnehmer auf die Probleme an der Straße zwischen Riepe und Oldersum aufmerksam machen.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.kluth@zgo.de

Riepe/Aurich - Der strömende Regen hat am Sonntagvormittag rund 40 Fahrradfahrer nicht davon abhalten können, für einen Radweg an der Landesstraße 1 (L1) zwischen Riepe und Oldersum zu demonstrieren. Gegen 11 Uhr, kurz vor dem Start der angemeldeten Demonstration, waren zunächst nur wenige Teilnehmer zu dem Treffpunkt auf einem Supermarktparkplatz in Riepe gekommen. Nach und nach kamen immer mehr dazu. Mit zu den Ersten zählte das Ehepaar Huisinga aus Westerende. „Wir halten Fahrradwege für sinnvoll, insbesondere an dieser Straße, die stark befahren ist“, sagt Wilhelm Huisinga. „Teilweise hat man Angst, da zu fahren. Besonders in Gruppen ist das gefährlich“, ergänzt Meike Huisinga. Sie würden die Strecke deshalb öfter meiden.

„Wenn Radfahrer trotz Gegenverkehr überholt werden, ist das für sie lebensgefährlich“, sagt auch Hinrich Tjaden. Er ist einer der Organisatoren der Demonstration. In dieser Sache hat der CDU-Politiker schon einige Erfahrung. Als damaliger Ortsbürgermeister von Ihlowerhörn hatte er jahrelang Fahrraddemos für einen Radweg zwischen Ostersander und Westerende organisiert. „Vor drei Jahren wurde er schließlich gebaut. Das brachte für viele eine Erhöhung der Lebensqualität und mehr Sicherheit“, so Tjaden.

Tödlicher Unfall vor drei Jahren

Auf die Gefahren für Fahrradfahrer machten bei der Demonstration auch die Mit-Initiatoren Inga Damm (Riepsterhammrich) und Volker Degner (Riepe) aufmerksam. „Es geht schon seit Jahren darum, dass dort ein Radweg hinkommt. Die Straße ist zu schmal. Kinder können nicht nach Oldersum fahren, weil das zu gefährlich ist. Es ist ein Wunder, dass da nicht mehr passiert“, sagt Damm und verweist auf einen Unfall, der sich 2018 ereignet hat.

Damals war ein junger Radfahrer auf der L1 tödlich verunglückt. Es sei bei dem Unfall aber zu beachten, „dass die Verursachung in der erheblichen Alkoholisierung des damaligen Unfallverursachers lag“, teilt Svenia Temmen, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden mit. Als Unfallschwerpunkt sei die Strecke nicht eingestuft, so Temmen.

Polizei sieht Gefahren auf der Strecke

Auch der Klimaschutz spielte bei den Teilnehmern eine Rolle.
Auch der Klimaschutz spielte bei den Teilnehmern eine Rolle.
Da die L1 in den Landkreisen Leer und Aurich verläuft, ist zudem für einen Teil der Strecke – zwischen Riepe und der A 31 – die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund zuständig. In den vergangenen fünf Jahren habe es in diesem Abschnitt keine Unfälle gegeben, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren, teilt die Sprecherin der Polizei, Wiebke Baden, mit. Da es aber auf der Straße viel Verkehr gebe und die Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit – 70 Kilometer pro Stunde sind erlaubt – unterwegs seien, sei die Strecke für Radfahrer mit entsprechenden Gefahren verbunden. „Insbesondere auf unübersichtlichen Abschnitten können Radfahrende für herannahende Verkehrsteilnehmer auf der Fahrbahn sehr spät zu erkennen sein“, teilt Baden mit und schreibt weiter: „Wenn Autofahrende nicht aufmerksam sind, kann das für Radfahrende auf der Fahrbahn zur Gefahr werden.“

Doch nicht nur der Aspekt Sicherheit spielt bei der Demonstration eine Rolle. Die fehlende Verbindung zwischen Riepe und Oldersum erschwere Radtouren in die umliegenden Orte. Lange Umwege müssten in Kauf genommen werden, ist von verschiedenen Teilnehmern zu hören. Ebenso weist eine Radfahrerin auf den Klimaschutz hin: Radwege könnten indirekt zum Klimaschutz beitragen, wenn Menschen vermehrt auf das Fahrrad umsteigen, so die Demonstrantin.

Wird der Radweg bis 2026/27 gebaut?

Mit der Aktion solle den Landkreisen, der Straßenbaubehörde und den Politikern gezeigt werden, dass sich die Bürger einen Radweg wünschen, sagt Hinrich Tjaden. Diskussionen darüber gebe es in beiden Landkreisen schon lange, „aber es fehlt die Vehemenz dahinter“, sagt Mit-Organisator Volker Degner.

Rückenwind kommt von der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Im Rahmen des ,Radwegekonzepts 2016‘ des Landes Niedersachsens wurde der Bedarf gesehen, so dass die Planungsmaßnahme als vordringlicher Bedarf an zehnter Reihe eingestuft wurde. Mittlerweile ist der Radweg bereits auf Platz acht ,gerutscht‘. Es geht also voran“, teilt Yasin Kilic, Sprecher der Behörde in Aurich, mit. Aktuell befinde sich das Projekt in der sogenannten Vorplanungsphase. Konkreter wird der Ortsbürgermeister von Oldersum, Jens de Vries. Der Radweg sei Teil des Verkehrswegeplans, wonach er 2026/27 fertig sein soll. „Mit den Landtagsabgeordneten und der Straßenbaubehörde ist das so besprochen“, sagt de Vries. Seit drei Jahren seien die Ortsbürgermeister von Simonswolde, Oldersum, Riepe und Riepsterhammrich dazu mit den Politikern und der Behörde im Gespräch.

Mit der Demonstration soll der Bau des Radweges beschleunigt werden, so Volker Degner. „Wir wollen gesehen werden.“ Das hat funktioniert. Die Fahrradschlange hatte für einen ordentlichen Rückstau auf der Strecke gesorgt.

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