Handel
Zu eng, zu eintönig: Markt-Beschicker kontern Kritik
Weil immer weniger Wochenmarkt-Beschicker in Aurich vertreten sind, hagelte es in den vergangenen Wochen Kritik. Die Händler sind aufgeschlossen für Neues, werben aber um Verständnis für ihre Situation.
Aurich - Zu wenig Beschicker, unattraktive Aufstellung der Stände, unzuverlässige Präsenz − derzeit werden immer häufiger Beschwerden über den Auricher Wochenmarkt laut. Sie erreichen die Redaktion in Form von Leserbriefen und Anrufen. Kritikwürdig erscheint vielen auch, dass es außer der Bangsteder Kanoniere mit ihrer Suppe dort keine Verzehrmöglichkeit an den Ständen gibt.
Was sagen die Kunden auf dem Markt?
Vor Ort ist diese Redaktion mit Kunden ins Gespräch gekommen. Die Meinung war einhellig: Das Angebot sei zu eintönig. „Außerdem ist es nicht vertretbar, dass Beschicker einer Warengruppe gleichzeitig Urlaub machen, ohne sich abzusprechen“, sagte Eliza Hartz. Die Auricherin betonte, dass sie seit vielen Jahren regelmäßig den Wochenmarkt besuche, oft ein- bis zweimal in der Woche. Sie nannte ein Beispiel: In der zweiten August-Woche sei keiner der drei Blumenhändler auf dem Markt vertreten gewesen.
Wie wirkt sich der Engpass aus?
Weil die Nachfrage nach dem Produkt hoch gewesen sei und das einzige Blumengeschäft in der Innenstadt, der Rosenladen, ebenfalls geschlossen hatte, konzentrierte sich die Nachfrage auf das Deko-Geschäft „Wohnkooje“ in der Burgstraße. Inhaberin Bettina Rademaker verkauft ebenfalls Blumen. Am 14. August postete sie allerdings auf ihrem Facebook-Account: „Wir entschuldigen uns bei den Kunden, die heute wegen des fehlenden Angebots auf dem Wochenmarkt keine Blumen kaufen konnten. Wir waren ebenfalls in Kürze ausverkauft.“
Wie sehen die Beschicker die Situation?
Wochenmarkt-Sprecherin Harmke Janssen will die Kritik nur eingeschränkt gelten lassen. Die Obst- und Gemüsehändlerin räumt ein, dass bessere Absprachen wünschenswert, aber nicht immer machbar seien. Unstrittig sei, dass die Beschicker auch Anspruch auf Urlaub hätten. Den müssten sie organisieren, was nicht immer einfach sei. Die Blumenhändler etwa hätten die Zeit Mitte August für ihren Urlaub gewählt, weil dann ein Sortimentswechsel anstehe. Die Sommerware sei ausverkauft, die Pflanzzeit vorbei. An Herbstpflanzen wie Astern mangele es aber noch. Deswegen erschiene vielen der Hochsommer als ideale Zeit, um Urlaub zu machen. Harmke Janssen sagte, dass sie früher immer während der Zeit des Stadtfestes in Urlaub gegangen sei. Dann sei der Wochenmarkt ohnehin entweder ausgefallen oder verlegt worden. „Die Zeit ohne Gemüse und Obst ist dann für unsere Kunden nicht so lang geworden“, sagt Harmke Janssen.
Wie kommunizieren die Beschicker untereinander?
Vor der Corona-Pandemie haben sich die 25 bis 30 Wochenmarkthändler regelmäßig getroffen, um über organisatorische oder andere Probleme zu sprechen. Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es diesen Austausch nicht mehr. „Wir kommen auch nicht per Video-Konferenz zusammen“, sagte Manuela Memmenga. Die Pflanzenhändlerin aus Osteel ist in dieser Woche nach dem Urlaub erstmals wieder auf dem Wochenmarkt. Sie bestreitet, dass es wegen der Ferien keine Absprache gegeben habe. Das habe sich nur nicht alles nahtlos umsetzen lassen. Schließlich müsse jeder sehen, wie er seinen Betrieb organisiert. Und das ist, wie in Gesprächen mit den Händlern deutlich wurde, ein großer Kraftakt.
Welche Arbeitsleistung erbringen Beschicker?
Welche Rolle spielt die Stadt bei der Organisation des Marktes?
Seit einem Jahr gehört der Wochenmarkt wieder zum Ordnungsamt, also dem Fachbereich 3 im Rathaus, vorher war es der Abteilung Stadtmarketing zugeordnet. Marktmeisterin ist Marina Willms-Bürger. Sie ist für die Abrechnung der Stände und die Vergabe der Plätze zuständig.
Wie viele neue Händler gibt es seit Januar 2021 auf dem Markt?
Laut Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht sind vier, fünf neue Beschicker auf dem Markt vertreten. Sie stammten aus verschiedenen Branchen. „Wir versuchen , uns möglichst breit aufzustellen“, versichert er. Coronabedingt sei das in den vergangenen Monaten schwierig gewesen. Ein Zeitlang seien Non-Food-Beschicker gar nicht zugelassen gewesen. Die Marktmeisterin versuche, die Wagen bestmöglich zu präsentieren. Es gebe immer Ausschlusskriterien für bestimmte Flächen. „Wir müssen immer die Größe der Wagen beachten, schauen, dass wir keine Rettungswege versperren und jeder auch an seine Stromanschluss herankommen“, sagt Helmut Lücht. Grundsätzlich sei es immer sehr schwierig, einen Beschicker zum Verlassen des angestammten Platzes zu bewegen: „Die argumentieren damit, dass sie auch gefunden werden möchten.“
Was könnte sich ändern?
Händler Hans-Werner Schulz regte an, dass die Stadt an zentraler Stelle eine Art Kummerkasten aufstellen könnte, also einen Briefkasten, in den Anregungen, aber auch Kritik von Kunden hineinflattern könnte. Verbesserungsvorschläge seien immer willkommen. Vielleicht lasse sich der ein oder andere umsetzen. Helmut Lücht kündigte an, dass er in den nächsten Wochen wieder einmal zu einem Treffen mit den Beschickern einladen würde, dann könnte man eine Reihe von Problemen angehen.