Mobilitätswende

Emden: Anlieger haben eigenen Vorschlag für Verkehrsführung

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 26.08.2021 09:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frauke Koppaetzky und Martin Dirks stehen an der Friedrich-Ebert-Straße. Die beiden Anlieger stellen fest, dass der Verkehr vor ihrer Haustür wegen der gesperrten Verbindung in der Innenstadt deutlich zugenommen hat. Foto: Päschel
Frauke Koppaetzky und Martin Dirks stehen an der Friedrich-Ebert-Straße. Die beiden Anlieger stellen fest, dass der Verkehr vor ihrer Haustür wegen der gesperrten Verbindung in der Innenstadt deutlich zugenommen hat. Foto: Päschel
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Die Stadt Emden wollte eine Diskussion zur Verkehrssteuerung in der Stadt und sie bekommt sie. Anlieger der Friedrich-Ebert-Straße sammeln Unterschriften für einen eigenen Lösungsvorschlag.

Emden - Klein Faldern macht sich groß: „Wir wollen gehört werden“, sagt Frauke Koppaetzky. Sie und Martin Dirks wohnen im gleichnamigen Viertel im Zentrum von Emden und wollen sich dagegen wehren, bei einem Experiment der Stadtverwaltung unter die Räder zu kommen. Die hatte in der vergangenen Woche einen umstrittenen Versuch gestartet, dessen Folgen Koppaetzky, Dirks und andere Anlieger in Klein-Faldern unmittelbar betreffen. Weil die Autos auf der Neutorstraße, einer der wichtigsten Durchfahrtstraßen in der Innenstadt, ausgebremst werden, verlagert sich ein Teil des Verkehrs unter anderem auf die Friedrich-Ebert-Straße. Allerdings ist die dafür nicht ausgelegt. Es scheitert schon am Begegnungsverkehr.

Was und warum

Darum geht es: die Folgen der neuen Verkehrsführung durch die Emder Innenstadt für Anlieger an einer der Ausweichstrecken und einen möglichen Lösungsvorschlag

Vor allem interessant für: die betroffenen Anlieger, die Planer in der Stadtverwaltung sowie Emderinnen und Emder, die die Veränderungen in ihrer Innenstadt verfolgen.

Deshalb berichten wir: Frauke Koppaetzky hat uns in der Redaktion kontaktiert, um auf die Situation an der Friedrich-Ebert-Straße aufmerksam zu machen. Bei einem Treffen brachten sie und ein weiterer Anlieger, Martin Dirks, einen Vorschlag auf den Tisch.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Neu und unerwartet kommt das nicht: Schon seit Jahren haben Anwohner, Politiker und Stadtplaner darauf hingewiesen, dass diese Achse eine der wenigen Möglichkeiten ist, das Zentrum zu umfahren. Es war eines der Kernargumente gegen eine Sperrung der Neutorstraße. Es war allen klar, dass die Friedrich-Ebert-Straße und in der Verlängerung die Neutorstraße zum Nadelöhr werden, wenn die Hauptschlagader weiter westlich lahmgelegt wird. Trotzdem wurde die Entscheidung getroffen: Zunächst, weil die Baustelle der Neutor-Arkaden keine andere Wahl ließ. Und jetzt eben, weil die Verwaltung um Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) herausfinden will, wie sich eine Mobilitätswende in ihrer Innenstadt in der Praxis auswirkt.

Zähneknirschend akzeptiert

Die halbseitig gesperrte Neutorstraße während der Bauzeit in den vergangenen Monaten haben sie in Klein-Faldern und Groß-Faldern zähneknirschend hingenommen. Anders sieht es mit der überraschenden Verlängerung voraussichtlich bis zum Januar aus. Koppaetzky, Dirks und Co. haben angefangen, Unterschriften zu sammeln. „Wir wollen eine vernünftige Lösung und nicht warten, bis alles gegessen ist“, sagt die 64-Jährige. Dirks fürchtet, dass die Friedrich-Ebert und Nordertorstraße andernfalls „zur Hauptstraße mutieren“, wie er sagt.

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Weil sie die Überlegung, den Verkehr in der Innenstadt zu beruhigen und Radfahrern und Fußgängern Vorrang zu geben, grundsätzlich begrüßen, haben die beiden eine eigene Idee entwickelt. „Wir sind nicht gegen etwas, sondern für ein sinnvolles Konzept“, stellt Dirks klar. Ihr Vorschlag: Wenn die Neutorstraße wie bisher nur in einer Fahrtrichtung geöffnet bleiben soll, auf der Autos für Fußgänger und Radfahrer bremsen müssen, sollten die Nordertor- und Friedrich-Ebert- in der Gegenfahrrichtung ebenfalls zur Einbahnstraße erklärt werden. „Der Verkehr würde dadurch nicht weniger, aber er wäre flüssiger“, glaubt Dirks.

„Zu gefährlich für Kinder“

Gleichzeitig wird in seinen Augen der Radverkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße sicherer, wenn ein Fahrstreifen für Autos wegfiele. Wegen der Enge lassen sich die Belange von Radfahrern, Fußgängern und Fahrzeugen kaum miteinander vereinbaren. „Es ist gefährlich für Kinder“, sagt Koppaetzky, die darauf hinweist, dass die Strecke zur Grundschule am Wall führt und auch von vielen anderen Schulkindern genutzt wird.

Für diesen Vorschlag und zum Zeichen ihres Protests hat Koppaetzky in einem ersten Anlauf 24 Unterschriften in Klein-Faldern zusammengetragen. Sie kündigt an, dass sie weiter sammeln und auch den Schulterschluss mit Anliegern in Groß-Faldern suchen wolle. Sie sieht ihre Initiative als Möglichkeit, sich an der neuen Ausrichtung des Verkehrs in Emden zu beteiligen. Die 64-Jährige will verhindern, dass die Verwaltung über ihren Kopf hinweg entscheidet.

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