Osnabrück

Nach der Sommerpause: Fehlstart für den Tatort in die neue Saison

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 25.08.2021 19:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Millionärssohn Frederick Seibold (Helgi Schmid, Mitte) wird auf dem Golfplatz entführt. Foto: HR/Degeto/Bettina Müller
Millionärssohn Frederick Seibold (Helgi Schmid, Mitte) wird auf dem Golfplatz entführt. Foto: HR/Degeto/Bettina Müller
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Mit der Folge „Wer zögert, ist tot“ aus Frankfurt kehrt der Tatort am Sonntag aus der Sommerpause zurück. Er hätte noch ein bisschen bleiben können.

„Endlich wieder Tatort“, titelte gerade erst eine große Programmzeitschrift. Tatsächlich dürften sich eine Menge Krimifans auf diesen Sonntag freuen, denn er markiert das Ende eines außergewöhnlich tiefen Sommerlochs in Sachen Sonntagskrimi. Seit Mitte Juni gab’s nur Wiederholungen und an mehreren Wochenenden fielen auch die der Fußball-EM und den Olympischen Spielen zum Opfer.

Aber nun: Endlich wieder Tatort. Dabei hegen langjährige Beobachter seit Jahren ein nicht ganz unberechtigtes Misstrauen gegenüber der ersten Episode einer jeden neuen Saison. Denn weil dann viele Menschen vor allem aus den südlichen Bundesländern noch in den Ferien weilen und das Publikumsinteresse zwangsläufig eher verhalten ausfällt, wurde oft eine Folge aus der Schweiz versendet, die bei den deutschen Zuschauern tendenziell nicht so gut ankommt.

In diesem Jahr hat man sich offenbar für ein anderes Verfahren entschieden: Mit „Wer zögert, ist tot“ zeigt die ARD einen Krimi, dem in den kommenden Wochen und Monaten hoffentlich kein noch schwächerer folgen wird. Sonderbar, denn die Frankfurter Ermittler Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) stehen eigentlich für außergewöhnliche und in der Regel sehenswerte Krimikost. In diesem Jahr aber haben Frankfurts Bundesliga-Kicker dasselbe Problem wie die Tatort-Ermittler: Es rumpelt zum Saisonauftakt. Und zwar mächtig.

So gut war der Sonntagskrimi vor der Sommerpause

Gleich die ersten Szenen des Films stellen die Zuschauer vor eine Frage, die man bis zum Ende nicht wirklich beantworten kann: Ist das jetzt ein Krimi oder ein gespielter Witz? Ein junger Mann, Typ verwöhnter Millionärssohn, drischt Bälle über einen Golfplatz. Ein Mittvierziger, Typ unterwürfiger Dienstbote in schlecht ausgesuchtem Anzug, hetzt atemlos über den Rasen zu ihm und richtet aus, dass der alte Herr, ein Immobilienmanager, nicht zahlen wird: „Frederick, Dein Vater ist wütend.“

Doch für Frederick kommt’s noch schlimmer: Als er einen Ball aus dem Sandloch schlagen will, wird er von vier Bewaffneten mit Hundemaske überwältigt und in einen Lieferwagen gezerrt. Einer der Kidnapper stirbt durch seine Gegenwehr. Wenig später bekommt seine Ex-Freundin und Mutter seiner beiden Kinder einen Finger zugeschickt, auch sein Vater hat einen Finger in der Post. Für vier Millionen Euro könne er den Rest von Frederick zurückhaben, übermitteln die Entführer. Doch zumindest der Papa will’s nicht so recht glauben - womöglich steckt ja der missratene Sohn hinter der ganzen Sache.

So ganz neu wirkt der Stoff nicht, aber eigentlich hätte er durchaus das Zeug zu einem akzeptablen Krimi. Da ist es schon erstaunlich, wie lange Petra Lüschow (Buch und Regie) ihren Film nahezu spannungsfrei erzählt. Als es dann endlich etwas anzieht, hat der erste Tatort der neuen Saison längst verloren. Nicht einmal das Finale, das schon so manchen Tatort gerettet hat, kann überzeugen. Irgendeine Sportübertragung wäre vermutlich spannender gewesen.

Tatort: Wer zögert, ist tot. Das Erste, Sonntag, 29. August, 20.15 Uhr.

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