Verkehr
Was hält die Stadt Emden von Verkehrs-Konzept ihrer Bürger?
In Emden wird die Mobilitätswende erprobt. Anlieger in Klein-Faldern wollen sich mit einem eigenem Vorschlag daran beteiligen. Aber wie reagiert die Stadt auf die Bürgerinitiative?
Emden - Wie fließt der Verkehr geschmeidig durch die Emder Innenstadt, und wie lassen sich verschiedenen Interessen von Autofahrern, Radlern, Anwohnern und Geschäftstreibenden, Touristen und Einheimischen am besten unter einen Hut bringen. Zu diesen Fragen ist eine Diskussion ins Rollen gekommen, in der sich in dieser Woche erstmals auch Anlieger im Stadtteil Klein-Faldern Gehör verschafften.
Was und warum
Darum geht es: die Reaktion der Stadtverwaltung auf einen Bürgervorschlag für die Verkehrssteuerung durch Emden
Vor allem interessant für: diejenigen, die von der Mobilitätswende in Emden betroffen sind und anderen, die das Experiment aus der Ferne verfolgen
Deshalb berichten wir: Wir haben über den Vorschlag der Anlieger berichtet und wollten wissen, ob die Idee im Rathaus eine Chance bekommt. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Stellvertretend für etwa zwei Dutzend Menschen, die auf einer Liste unterschrieben haben, brachten Frauke Koppaetzky und Martin Dirks einen Vorschlag auf den Tisch, der eine der beiden Ringstraßen um das Zentrum betrifft: Als Ergänzung zu der von der Stadt zur entschleunigten Einbahnstraße erklärten Neutorstraße fordern sie eine in umgekehrter Richtung nur noch einseitig zu befahrene Friedrich-Ebert- beziehungsweise Nordertorstraße (siehe dazu die Grafik). Die Redaktion hat die Stadtverwaltung mit dieser Idee konfrontiert und wollte wissen, wie sie damit umgehen möchte.
Die Reaktion im Rathaus
Eine solche Lösung „hätte Nachteile“ für die Anlieger, gibt Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) zu bedenken. Sie könnten ihr Viertel mit dieser Regelung nur noch in eine Richtung verlassen. Als „denkbare“ Alternative schlägt er „eine sogenannte unechte Einbahnstraße“ vor.
Gemeint ist, dass dabei zwar nur in eine Richtung eingefahren, „aber aus beiden ausgefahren werden könnte“. Damit wäre allerdings ein Punkt nicht erfüllt, den Dirks und Koppaetzky selbst bei ihrem Vorstoß angemerkt hatten: die Friedrich-Ebert-Straße ist so schmal, dass sie von zwei sich entgegenkommenden großen Fahrzeugen schnell verstopft ist. Für Radfahrer, die keinen eigenen Fahrstreifen haben und wegen des Absatzes auch nicht auf den Bürgersteig ausweichen können, bliebe es weiterhin hinderlich bis gefährlich.
Kritik ist „nachvollziehbar“
Weder der von den Anliegern gemachte Vorschlag noch die von Kruithoff ins Spiel gebrachte Variante werden zeitnah erprobt. Bevor man sich mit einer der beiden Ringstraßen genannten Achsen im Osten und Westen der Innenstadt befasse, wolle die Stadt zunächst die Erkenntnisse aus der Testphase auf der Neutorstraße abwarten, so Kruithoff. Er setzt weiter auf große Lösungen, die nicht nur einzelne Straßen oder Teilstrecken betreffen. Er sagt: „Wenn wir eine modernere und attraktive Innenstadt wollen, dann wird es nicht reichen, an kleinen Rädchen zu drehen.“
Zum Vergrößern auf die Grafik klicken
Die Kritik an den Folgen des Eingriffs an der Neutorstraße hält der 44-Jährige für „nachvollziehbar“, wie er schreibt und versichert: „Wir vergessen die Bewohner*innen der Ringstraßen nicht.“ Allerdings bleibt seine Aufmerksamkeit vorerst bei dem, was an der Neutorstraße und rund um den Ratsdelft passiert. Dort würden gerade regelmäßig Messfahrten gemacht, sagt er auf Nachfrage. Sie wollen herauszufinden, zu welcher Zeit der Verkehr wie sehr stockt, wenn der Autoverkehr einspurig geführt, auf Tempo 30 gedrosselt und Fußgängern Vorrang eingeräumt wird. Zu den vorläufigen Ergebnissen lässt er nichts durchblicken. „Statistisch ist es noch keine verlässliche Größe“, so Kruithoff.
Weitere Experimente
Die noch bis Mitte Januar andauernde Versuchsphase wird für weitere Experimente genutzt. Ohne ein konkretes Datum zu nennen, kündigt Kruithoff an, dass die Fahrtrichtung auf der Neutorstraße getauscht und verschiedene Varianten für Sperrungen der Straße Am Delft ausprobiert werden. Halbseitig, komplett oder auch in Kombination mit der Neutorstraße – der OB sieht die Chance, alle Alternativen durchzuspielen. Die Ideen sollen in einer der nächsten Sitzungen im Stadtentwicklungsausschuss des Rates vorgestellt werden. Dass die Trogstrecke als weitere wichtige Umgehungsstraße zurzeit ausfällt, hindert Kruithoff nicht. „Ich will keine Zeit verlieren. Wir wollen jetzt Erkenntnisse sammeln – und nicht erst im nächsten Jahr“, sagt er.