Sportpädagogik

Kinder sind Nichtschwimmer: Aurich bildet verstärkt aus

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 30.08.2021 17:07 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Immer schön den Kopf nach oben, nur keinen Kontakt zum Wasser. Den Kindern, die auf diesem Symbolbild schwimmen lernen sollen, ist der Widerwillen dem Element gegenüber deutlich anzumerken. Foto: Pilick/dpa
Immer schön den Kopf nach oben, nur keinen Kontakt zum Wasser. Den Kindern, die auf diesem Symbolbild schwimmen lernen sollen, ist der Widerwillen dem Element gegenüber deutlich anzumerken. Foto: Pilick/dpa
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Aurich will in einer konzertierten Aktion den Rückstau bekämpfen, der durch die Pandemie bei der Schwimmausbildung entstanden ist. Zwei Trainer hatten eine zukunftsweisende Idee.

Aurich - Seit Jahren schlagen die Schwimmvereine in Deutschland regelmäßig Alarm: Die Zahl der Kinder, die schwimmen können, sinke dramatisch. Forciert worden ist diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie. Fast anderthalb Jahre lang waren die Schwimmbäder geschlossen. Kurse sind deshalb ausgefallen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) legte jetzt Zahlen vor: Im vergangenen Jahr hätten rund 75 Prozent weniger Kinder schwimmen gelernt als im Vorjahr. Die Stadt Aurich hat darauf reagiert und die Zahl der Kurse aufgestockt.

„In diesem Jahr haben bereits 170 Mädchen und Jungen die Seepferdchen-Prüfung abgelegt“, sagte Hardwig Kuiper auf Anfrage dieser Zeitung. Aurichs Erster Stadtrat sprach davon, dass das jetzt schon doppelt so viele Absolventen seien wie im Schnitt in den Vorjahren. Man habe die Zahl der Schwimmlehrer verdoppelt, um das Pensum bewältigen zu können. Ein Kursus bestehe aus 16 Einheiten à 45 Minuten. Der nächste Kursus beginne am 6. September und sei bereits ausgebucht. „Man kann sich aber auf die Warteliste setzen lassen. Die Eltern werden dann verständigt, wenn ein Platz frei werden sollte“, sagte Hardwig Kuiper.

Rückstau muss aufgeholt werden

Auch der MTV Aurich engagiert sich seit Mai verstärkt, um den Rückstau aufzuholen. „Wir haben vor Monaten einen Spendenlauf organisiert, um die Ausbildung der Kinder finanzieren zu können“, sagte Wilfried Theessen. Der MTV-Vorsitzende sprach davon, dass dabei 2500 Euro zusammengekommen seien. Von diesem Betrag habe man bereits mit dem Training begonnen. Dafür habe man zusätzliche Freiwillige rekrutieren können. Derzeit gebe es 13 Gruppen à zehn Kindern, die ausgebildet würden.

Ein Problem ist es ganz offensichtlich, den Jungen und Mädchen die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Die Schwimmausbildung ist nämlich vielfach das erste Mal, dass die Kleinen damit in dieser Form in Berührung kommen. Deshalb seien so etwas wie Fingerspitzengefühl und eine kreative Methode erforderlich, um die Furcht zu verringern, sagt Kai Schützeck. Der Auricher ist seit fast 40 Jahren ehrenamtlich in der Schwimmausbildung tätig. In Moordorf betreibt er zudem nebenberuflich eine Schwimmschule. Weil er durch den langen Zeitraum der Unterrichtstätigkeit Vergleichsmöglichkeiten hat, kann er Analysen anstellen: Die Koordinationsfähigkeit der Kinder werde immer schlechter. Die Ursachen sind bekannt. Mädchen und Jungen bewegen sich heute weitaus weniger als noch in den 70er, 80er oder 90er Jahren. Vielfach fehle es auch an Abenteuerlust und Mut.

Eltern können Videos machen

Deshalb muss sich Kai Schützeck besondere Anreize überlegen. „Alles beginnt damit, dass ich den Kindern durch Gewöhnungsübungen die Angst vor dem Wasser nehme.“ So arrangiert er unter anderem eine Art Catwalk im Pool oder bindet das Training in kleine Geschichten ein. Immer versucht er die Übungen so zu gestalten, dass die Kinder stolz auf das Geleistete sind. Die Eltern dürfen bei den Übungsstunden am Beckenrand sitzen und können sogar Videos machen, wenn sie es vorher angemeldet haben. „Die landen dann manchmal per Whatsapp bei Verwandten und Freunden“, sagt Kai Schützeck. So kriegen die Kinder positives Feedback. Nach und nach gewinnen sie Vertrauen zu ihrem eigenen Körper, die Bewegungsabläufe brennen sich ins Körpergedächtnis ein und können später abgerufen werden.

Auch in den Augen von Kai Schützeck ist es ganz wichtig, möglichst viele Kinder für das Wasser fit zu machen. „Aurich und das Umland sind in dieser Hinsicht noch gut aufgestellt“, sagt er mit Blick auf die Situation in einigen Großstädten. Dort müsse man sein Kind mitunter mit drei Jahren zu einem Kursus anmelden, damit es dann mit fünf endlich Schwimmunterricht erhalte.

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