Emder Seezeichen

Einst wurde er geköpft, bald ist er umgeben von Kaffeetrinkern

| | 31.08.2021 10:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rings um die Büste von Carl Schweckendieck sollen im Herbst Menschen Kaffee trinken können. Fotos: J. Doden
Rings um die Büste von Carl Schweckendieck sollen im Herbst Menschen Kaffee trinken können. Fotos: J. Doden
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Rings um die Büste von Carl Schweckendieck war es lange Zeit eher schmuddlig. Jetzt strahlt nicht nur die Figur des Emder Ehrenbürgers, sondern auch das Umfeld. Das sollen Kaffeetrinker bevölkern.

Emden - Sie strahlt schneeweiß: die Büste am Emder Schweckendieck-Platz. Streng schaut die Abbildung von Carl Schweckendieck, einem Ehrenbürger der Stadt, in Richtung Delft. Er fällt auf - wieder. Lange Zeit nämlich war der Platz und mit ihm die Büste wenig beachtet worden. Die Ecke, die an die Ringstraße angrenzt, galt als schmuddelig. Das Gebäude im Rücken der Büste, in dem sich einst die Haifischbar befunden hatte, war heruntergekommen. Doch das Gesicht Emdens wird Stück für Stück weiter aufgehübscht - und Carl Schweckendiecks Abbild wurde sanft aus seinem Dornröschenschlaf erweckt.

Was und warum

Darum geht es: Die Geschichte der maritimen Wahrzeichen in Emden kennen nur wenige Bewohner, Bewohnerinnen und Gäste der Stadt.

Vor allem interessant für: Leute, die in Emden leben, die hier ihren Urlaub verbringen oder als Tagestouristen die Hafenstadt besuchen.

Deshalb berichten wir: In einer Sommerserie nehmen wir die „Emder Seezeichen“ näher in den Blick, erzählen ihre Geschichte und ihre Besonderheiten.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Bald soll es gar umgeben sein von Kaffeetrinkern. Die Eröffnung eines Cafés mit Außenbereich verzögert sich dort allerdings. Die Leeraner Kaffeerösterei Baum als Betreiberin hatte eigentlich den September als Starttermin angepeilt. „Das werden wir nicht schaffen“, sagt Baum-Mitarbeiterin Vanessa Zarembowicz auf Nachfrage. In der Filiale soll das Meiste mit Holz errichtet und gestaltet werden, erklärt sie. Aufgrund der Lieferengpässe in Pandemiezeiten aber sei es schwer, derzeit an das Material zu kommen. Auch Handwerker seien rar - wie auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Bewerbungsphase laufe noch. Interessenten könnten sich noch melden. Insgesamt gilt: „Es geht nur sehr langsam voran.“ Jetzt sei vorerst Anfang November für die Eröffnung angedacht. Sollte das infolge der Lieferschwierigkeiten nicht eingehalten werden können, würde die Eröffnung auf Anfang des kommenden Jahres verlegt. Im Weihnachtsstress zu eröffnen, sei nicht gewünscht.

Ehrenbürger wurde geköpft

Bis dahin steht Carl Schweckendiek alleine auf seinem Posten. 1914 hatte die Stadt das Denkmal errichtet, 1902 war bereits die angrenzende Straße nach dem gebürtigen Emder benannt worden. Schweckendieck war Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat im preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten. Dort nutzte er seinen Einfluss im Ministerium und auch bei Kaiser Wilhelm I., um seine Geburtsstadt voranzubringen.

Die Marmornase ist etwas angeschlagen, ansonsten steht Carl Schweckendiecks Büste nach der Köpfung 1996 wieder gut da.
Die Marmornase ist etwas angeschlagen, ansonsten steht Carl Schweckendiecks Büste nach der Köpfung 1996 wieder gut da.
In der Zeit, in der Leo Fürbringer Oberbürgermeister in Emden war, betonte der Regierungsrat die Notwendigkeit dafür, dass der Dortmund-Ems-Kanal ausgebaut und der Emder Hafen erweitert wird. Die Schiffe waren schon damals immer größer geworden und hätten ohne Schweckendiecks Zutun irgendwann nicht mehr durch die Wasserstraße gepasst. 1898 war der Kanal fertig ausgebaut, 1901 konnte Schweckendieck noch selbst dabei sein, als der neue Emder Hafen im Beisein des Kaisers eröffnet wurde. Auch verfasste er dazu eine Festschrift. Fünf Jahre später starb er in Berlin.

Im Dezember 1996 schrieb diese Zeitung, dass die Marmorbüste geköpft wurde. Zwei Verdächtige wurden noch in der Tatnacht aufgegriffen. Der abgeschlagene Kopf des Denkmals wurde damals bei einem Verwaltungsgebäude in der Nähe gefunden. Die Stadt wollte den Ehrenbürger nicht kopflos stehen lassen und ließ das Denkmal zügig reparieren.

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