Traditionsschiffe
Emder Feuerschiffscrew kettet sich aus Protest stundenlang an
Eine Lösung des Konflikts um ausstehende Zuschüsse des Bundes ist nach der medienwirksamen Protestaktion vor Behörde in Aurich noch nicht in Sicht. In dieser Woche könnte es eine Annäherung geben.
Aurich/Emden - Mit einer mehrstündigen Protestaktion vor dem Gebäude der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) in Aurich haben zwei Verantwortliche des Emder Museumsfeuerschiffs „Amrumbank/Deutsche Bucht“ am Montag den Druck auf den Bund erhöht, längst bewilligte Zuschüsse für zusätzliche und bereits installierte Sicherheitseinrichtungen an Bord auszuzahlen.
Was und warum
Darum geht es: Der Verein, der das Emder Museumsfeuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ betreibt, legt sich mit den Behörden an. Er wartet auf zugesagtes Geld vom Bund.
Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher der Stadt Emden sowie alle, die sich für Traditionsschiffe und Politik interessieren.
Deshalb berichten wir: Zwei Vorstandsmitglieder haben sich am Montag aus Protest vor einem Behördensitz in Aurich angekettet. Wir haben die Aktion beobachtet und mit den Beteiligten gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Der Vorsitzende des Museumsfeuerschiffsvereins, Heinz Günther-Buß, und Schatzmeister Heinz Salewski machten ihre Ankündigung wahr und ketteten sich symbolisch in Rettungswesten vor dem Behördensitz am Schlossplatz an. Nach eigenen Angaben nahmen die beiden 72 und 69 Jahre alten Männer zum ersten Mal an einer solchen Protestaktion teil. „Wir sind keine Profi-Demonstranten“, so Buß. Er hatte bereits am Freitag zwei schwarze Flaggen auf dem Emder Wahrzeichen gehisst, die in der Schifffahrt früher signalisierten, dass die Pest an Bord ausgebrochen ist.
Werft drängt auf Zahlung
Die Situation sei zwar „sehr beschämend“ und „sehr traurig“, der Verein wisse aber keinen anderen Ausweg, um möglichst schnell an das Geld des Bundes zu kommen, sagte Buß während der Protestaktion in Aurich. Denn die Werft Emder Werft und Dock (EWD), die das Schiff im Zuge der Generalsanierung sicherheitstechnisch nachrüstete, verlange jetzt, dass der Verein die offene Rechnung dafür über etwa 113.000 Euro acht Monate nach Ausführung des Auftrages begleicht.
Behörde will zügige Klärung
Wie und wann der Konflikt gelöst werden kann, blieb zunächst offen. Der stellvertretende Leiter des BAV, Frank Hentschel, bot den beiden Vorstandsmitglieder einen Gesprächstermin in dieser Woche an, um den Sachverhalt zu klären. Er war gut eine Stunde nach Beginn der medienwirksamen Protestaktion vor das Gebäude gekommen und hörte sich das Anliegen des Vereins an.
Es sei auch im Interesse der Bundesanstalt, „die Angelegenheit in Ihrem Sinne zügig zu beenden“, sagte Hentschel an die Vereinsvertretern gewandt. Die Behörde habe die Signale gehört. Sie wisse durchaus um die Bedeutung des Feuerschiffes und habe Respekt vor der Arbeit des Vereins.
„Nicht alle Bedinungen erfüllt“
Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Hentschel, dass es zwar einen ersten Förderungsbescheid gebe, das Prüfungsverfahren aber noch laufe und der Verein „noch nicht alle Bedingungen zur Auszahlung erfüllt“ habe. Welche das sind, wollte er nicht sagen. „Tatsächlich geht es ums Geld“, sagte Hentschel gegenüber Journalisten.
Weitere Proteste angekündigt
Er besteht nach wie vor auf eine sofortige Auszahlung des zugesagten Geldes. Für den Fall, dass es nicht bald fließt, kündigte der Vorsitzende weitere und massivere Proteste an: „Wir lassen nicht locker“. Das Emder Museumsfeuerschiff kämpfe stellvertretend auch für andere Feuerschiffe und Traditionsschiffe, die ebenfalls auf Geld vom Bund warten.
Hintergrund des Konfliktes ist eine neue Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe, die 2018 in Kraft trat und zuvor vom Bundesverkehrsministerium und den Betreibern nach längerem Streit ausgehandelt worden war. Der Bund fördert die Betreiber mit 20 Millionen Euro, um die Schiffe entsprechend dieser Verordnung für die Besatzungen und die Passagiere sicherer zu machen. Im Fall des Emder Feuerschiffs betrafen die Vorgaben unter anderem den Brandschutz, weitere technische Sicherheitseinrichtungen und die Ausrüstung mit Rettungsmitteln.
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